15. Mai 2020

Gosen-Neu Zittau investiert in Baumschutz

Am 13. Mai 2020 hat die Gemeinde Gosen-Neu Zittau, aufgrund der Initiative von Anja Grabs (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), 12.000 Euro für Baumpflanzungen in den Haushalt des laufenden Jahres gestellt. "Dies ist die höchste Summe aller Zeiten, die von der Gemeinde Gosen-Neu Zittau, in Baumpflanzungen innerhalb eines Jahres investiert wird. Damit können wir den Alleenschutz, zum Beispiel in der Eichwalder Straße in Gosen, voran treiben. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und werde für den Haushalt im nächsten Jahr 20.000 Euro für Baumpflanzungen beantragen.", freute sich Gemeindevertreterin Anja Grabs.

Ideen für Standorte und einheimischen Baumarten für Neupflanzungen in der gesamten Gemeinde Gosen-Neu Zittau, können jederzeit an kontakt@anja-grabs.de gesendet werden. Ideen der Bürgerinnen und Bürger werden gerne berücksichtigt.

Besuch im Wald "Kirchenacker" in Neu Zittau

Der Gemeindevertretung liegt eine Beschlussvorlage vor, dass das Waldgebiet Kirchenacker in Neu Zittau, in ein Wohngebiet umgewandelt werden soll.

Gerne hätte ich eine gemeinsame Begehung mit Neu Zittauern und der Gemeindevertretung organisiert, aber leider darf man sich derzeit nicht in Gruppen treffen. Daher hoffe ich, dass es jeder Gemeindevertreter selbst in den Kirchenacker schafft, um sich vor Ort einen Einblick zu verschaffen und keine Entscheidungen vom "Schreibtisch/Sitzung" zu treffen. Als Gosenerin ist es bei mir schon einige Zeit her, als ich das letzte mal dort war, so dass ich mir daher heute ein Bild vor Ort gemacht habe. Es handelt sich nicht um eine Kiefernmonokultur sondern um ein sich überlassenes Gebiet, dass mit altem Kiefernbestand dominiert wird, aber einen wenig bis hohen aufkommenden natürlich Laubmischwald zeigt. Ich konnte dort einige Arten entdecken. 

Neu Zittau ist sehr stark mit Feinstaub belastet. Diese Problematik wird weiterhin durch zunehmenden Verkehr noch größer werden. Der Kirchenacker dient der Berliner Straße als "grüne Lunge" und weist selbstverständlich die ganzen bekannten Vorteile eines Waldgebietes auf: 

- Klimaschutz
- Trinkwasserschutz 
- Naturschutz
- Bodenschutz
- Sicht- und Lärmschutz
- gesundheitliche Aspekte
- Waldpädagogik

und viele mehr. Für mich persönlich gelten der Klimaschutz, der Artenschutz sowie die Nachhaltigkeit als stärkste Argumente. Wollen wir unseren Kindern und Enkelkindern in Neu Zittau eine lebenswerte Umwelt hinterlassen, muss der Wald dringend erhalten werden. Im Laufe der Jahrzehnte würde er so mit hoher Wahrscheinlichkeit zum naturnahen Mischwald umgebaut werden und um jedes Jahr seinen Nutzen für den Klimaschutz (durch die älter werdenden Laubbäume) und den Artenschutz (durch neu einwandernde Arten) erhöhen. Ein Wald lässt sich nicht vernünftig durch Ausgleichsmaßnahmen ersetzen.

Wir werden im kommenden Bau-Ausschuss weitere Informationen erhalten. Das Gebiet befindet sich im Außenbereich und ist im Flächennutzungsplan als Waldfläche dargestellt. Bebauung im Außenbereich führt zu einer Zersiedelung der Landschaft und entspricht nicht einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Ich werde gegen die Aufstellung eines Bebauungsplanes stimmen. 

Bild könnte enthalten: Pflanze, Baum, Himmel, Gras, im Freien und Natur
Hier entsteht ein natürlicher Mischwald.

Bild könnte enthalten: Blume, Pflanze, Natur und im Freien
Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyha)

Bild könnte enthalten: Baum, Himmel, Pflanze, im Freien und Natur
Aufwachsen in der Natur: Selbstgebauter Naturspielplatz. 
Bild könnte enthalten: Blume, Pflanze, Himmel, Natur und im Freien
Schlafende männliche Sandbiene (Andrena sp.) auf Löwenzahn.


Bild könnte enthalten: Baum, Himmel, Pflanze, Gras, Wolken, im Freien und Natur
Der geschützte Trockenrasen grenzt direkt an das Waldgebiet. Seltene Tierarten benötigen oftmals zwei unterschiedliche, nebeneinander existierende Biotope.

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, im Freien und Natur
Einjähriges Silberblatt (Lunaria annua)

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Natur und im Freien
Späte Traubenkirsche (Prunus serotina)
Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Himmel, Natur und im Freien
Eine von zahlreichen jungen Stieleichen.


Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Natur und im Freien
Schöllkraut (Chelidonium majus)

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Natur und im Freien
Maiglöckchen

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Natur und im Freien
Rupprechtskraut (Geranium robertianum)

Bild könnte enthalten: Pflanze, Baum, im Freien und Natur
Eibe

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, im Freien und Natur
Zypressen Wolfsmilch dient dem immer seltener werden Wolfsmilchschwärmer als Futterpflanze.

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, im Freien und Natur
Zwergmispel

11. Mai 2020

Müll sammeln im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See - Alle Termine für 2020

Anja Grabs im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See - April 2020

Weil Arbeitseinsätze in Gruppen nicht erlaubt sind, gilt #alleinsammeln bzw. sammeln mit der Familie. Daher ist auch keine feste Uhrzeit festgelegt sondern der ganze Tag. Wir treffen uns nicht und wenn, dann halten wir Abstand zueinander. Das Naturschutzgebiet ist groß!
Ablauf: Am Termin nachschauen, ob noch ein oder mehr Müllsäcke in die eigene Mülltonne reinpassen. Am nächsten Tag werden die Mülltonnen in Gosen-Neu Zittau abgeholt. Wir entsorgen den Müll also privat in unseren eigenen Mülltonnen.
Was wird benötigt: Handschuhe und/oder Greifer, Müllsäcke, Gummistiefel.
Achtung: Nicht in "Matsch" treten. Das ist Moorbereich und man bleibt leicht stecken.
Außerdem keine Dachpappe anfassen (Asbest)!
Fotos in der Facebookgruppe "Die Aufheber in Gosen- Neu Zittau" oder an kontakt@anja-grabs.de sind willkommen.
Ich freue mich über tatkräftige Unterstützung. 
Parallel laufen derzeit Anfragen meinerseits, um die Verantwortlichen für das Naturschutzgebiet in die Pflicht zu rufen und sie aufzufordern die starke Umweltverschmutzung zu beseitigen. Eigentum verpflichtet und Naturschutzgebiete müssen ausreichendes Management erhalten. Bis es soweit ist, müssen wir selbst aktiv werden. Ich werde regelmäßig über Neuigkeiten berichten.

Termine:

5. Juni 2020
2. Juli 2020
30. Juli 2020
27. August 2020
24. September 2020
22. Oktober 2020
19. November 2020
17. Dezember 2020

Zum Weiterlesen
DDR Müll im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See


7. Mai 2020

Neu Zittau - Mühlenberg ist Ambrosiafrei

Archivbild Ambrosia
(Foto: Anja Grabs)



Mai 2020
Es gibt in diesem Jahr kein Ambrosia auf dem Mühlenberg. Grund: Die Neu Zittauer haben es eigenständig entfernt. Mehrere tausend Quadratmeter! Ich habe seit mindestens 10 Jahren dort Arbeitseinsätze durchgeführt und diese immer öffentlich gemacht. Wir konnten aber nie alles entfernen. Ich habe einen Anwohner heute dazu befragt: Direkte Anwohner des Mühlenberges haben dieses Jahr schon sehr früh angefangen, die Pflanzen rauszuziehen. Mit viel Fleiß und Erfolg, denn ich konnte dieses Jahr kein Ambrosiavorkommen dort finden. Daher muss zum ersten Mal kein Arbeitseinsatz aufwendig geplant und durchgeführt werden (bisher hat immer die Gemeinde die Pflanzen entsorgt). Vielen Dank an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in Neu Zittau! Jetzt heißt es dranbleiben, denn die vielen Samen im Boden, werden weiterhin keimen. Ich werde weiterhin jährlich nachschauen, ob Arbeitseinsätze geplant werden müssen.


Hier geht es zur Pressemitteilung aus dem letzten Jahr 2019:


Voller Erfolg - Ambrosia Arbeitseinsatz in Neu Zittau 2019
In einem über zweistündigen Arbeitseinsatz konnten Helferinnen und Helfer aus Neu Zittau, Gosen und Umgebung am Internationalen Ambrosiatag, den 22. Juni 2019, einen großen Teil des Ambrosiavorkommens auf dem Mühlenberg in Neu Zittau bekämpfen.


Die Pflanzen der Ambrosia psilostachya (Ausdauerndes Traubenkraut) wurden mitsamt der Wurzel rausgerissen und in einem Transporter der Gemeinde gesammelt und fachgerecht entsorgt.

Ambrosia gehört zu den stärksten Allergie-Auslösern und kann zu Asthma führen. Auf dem Mühlenberg hat sich die Pflanze vor allem durch illegal entsorgte Gartenabfälle, die Vogelfutter mit Ambrosiasamen beinhalteten, auf weit über 4.000 Quadratmeter ausgebreitet. Das Ambrosiavorkommen verdrängt den Magerrasen auf dem Mühlenberg, der ein Rückzugsgebiet für gefährdete Tier- und Pflanzenarten darstellt.

Die Organisatorin und bündnisgrüne Kreistagsabgeordnete Anja Grabs ist zufrieden mit dem Ergebnis: „Mein Dank gilt den Helferinnen und Helfern sowie Bürgermeister Schwedowski. Wichtig ist die Bürgerinnen und Bürger darauf zu sensibilisieren, wie sehr illegal entsorgte Gartenabfälle die Natur zerstören können, sie gehören zu den stärksten von den Menschen selbst verursachten Problemen in der freien Naturlandschaft. Diese Aktion ist sehr nachhaltig, einige Freiwillige werden hier auf eigene Faust zurückkehren und einen sehr wichtigen Beitrag für den Natur- und Artenschutz leisten. Ich werde mich darüber hinaus dafür einsetzen, dass die Gemeinde dauerhaft jedes Jahr im Juni auf diesem selten gewordenen Magerrasen aktiv wird.“

5. Mai 2020

Wildbienenschutz - Mein Leserbrief an die Märkische Oderzeitung

Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta), Weibchen beim Pollensammeln an Kuhblume (Taraxacum)
Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) muss nicht künstlich angesiedelt werden. Sie ist eine häufige Art und kann problemlos mit Hilfe von Nisthilfen gefördert werden - sofern keine Pestizide eingesetzt werden. Die künstliche Ansiedlung von Wildtieren sollte dringend, bei ungefährdeten Arten, unterlassen werden. 
(Foto: Fritz Geller-Grimm)
Eine der vielen Obstplantagen in Frankfurt/Oder. Dort wo gespritzt wurde, ist alles tot.
(Foto: Ranger Nico)
Laut Mathias Hausding von der Märkischen Oderzeitung, leisten Landwirte einen Beitrag zur Artenvielfalt, wenn sie Pestizide einsetzen, um sich dann Wildbienen einzukaufen (weil ihnen die Bestäuber fehlen).

Der Kauf von Wildbienen und dessen gewollte Wildbienenzucht leistet jedoch definitiv KEINEN Beitrag zur Artenvielfalt. 

Zum Kommentar von Mathias Hausding: Kommentar

Sehr geehrter Herr Hausding,

wenn beim Obstbau Pestizide eingesetzt werden, dezimiert man damit mehrere hundert Arten an natürlich vorkommenden Insekten. Die meisten Arten davon sind keine sogenannten Schädlinge. Dazu gehören zum Beispiel viele Schmetterlingsarten, Käferarten und selbstverständlich auch alle natürlich vorkommenden Wildbienenarten, wovon über die Hälfte von ihnen in ihrer Art bedroht sind. Wenn man also diese vielen hundert Arten an Ort und Stelle mit Pflanzenschutzmitteln vernichtet und dann eine Wildbienenart einkauft, weil man Bestäuber benötigt, dann kann nicht davon die Rede sein, dass "Landwirte einmal mehr einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.", wie Sie schreiben. Vielmehr handelt es sich um eine Vernichtung hundert lokal vorkommender Arten. Der Insektenbestand von Null auf eine einzige eingekaufte Wildart trägt nicht zur Artenvielfalt bei, sondern spiegelt eine reine Symptombehandlung wieder: Ich vernichte alle Arten und weil mir die Bestäuber fehlen, kaufe ich eine Art ein. Das ist dann eher ein Beitrag für die große aktuelle Artenarmut. Die Monokultur muss hier grundsätzlich hinterfragt werden. Wenn keine Pestizide eingesetzt werden, kann man die lokal vorkommenden Arten wunderbar selbst unterstützen. So wie man das bei Streuobstwiesen bereits tut, die eine sehr hohe Artenvielfalt aufweisen und komplett ohne Pestizide auskommen.

Der Leserbrief wurde nicht in der Märkischen Oderzeitung abgedruckt. Laut Hausding handelt es sich bei meinen Aussagen um unbewiesene Behauptungen in einer aufgeheizten Debatte. Darauf habe ich ihm u. a. mit folgendem Satz geantwortet: "Dass das Bienensterben unmittelbar auch mit dem weltweiten Einsatz von Pestiziden in Zusammenhang steht, ist allgemeiner Konsens und kann in zahlreichen Fachartikeln nachgelesen werden." 

20. April 2020

Warum die Wildschweinjagd als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest nicht wirkt - und Zäune eigentlich auch nicht

Aktuelle Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest.
Betroffene Länder, insbesondere Polen, haben die Wildschweinjagd mehr oder weniger intensiviert. Ohne Erfolg.
(Bild: FLI)

Die Afrikanische Schweinepest verbreitet sich mit Hilfe von Wildschweinen in einer Geschwindigkeit von 20 km pro Jahr. Demnach müsste sie im Landkreis Oder-Spree nächstes oder übernächstes Jahr aus Polen eindringen, wenn es keine Zäune zur Abwehr von Wildschweinen gäbe. Theoretisch.

Zäune
Der Landkreis Oder-Spree kontrolliert täglich 42 Kilometer lange Zäune, um Wildschweine aus Polen daran zu hindern in den Landkreis einzudringen. Diese Zäune sind eine gute ethische Lösung, um das Virus von Wildschweinen in Deutschland fernzuhalten.

Doch wie sicher sind diese Zäune? Schauen wir uns hierzu die Grenzübergänge an. Wenn nachts wenig Zugverkehr herrscht, schaffen es die Wildschweine über die Eisenbahnschienen nach Deutschland. Wildschweine aus Polen könnten den Weg somit in diese Richtungen wandern:

Tantow - Szczecin-Gumience
Küstrin-Kietz - Kostrzyn
Frankfurt (O) - Kunowice
Guben - Gubin
Forst - Zasieki

Schaffen es die Wildschweine nicht über die Schiene nach Deutschland, könnten sie dafür die Straße wählen. Dafür stehen ihnen zahlreiche Grenzübergänge alleine zwischen Brandenburg und Polen zur Verfügung:

Rosow
Mescherin 
Schwedt/Oder
Hohenwutzen
Küstrin/Kietz
Frankfurt Oder Stadtbrücke
Frankfurt Oder Autobahn
Neißemünde, Ortsteil Coschen, Grenzbrücke Neißewelle
Guben Stadtbrücke
Guben, Gubinchen
Forst
Forst Autobahn

Die Sinnhaftigkeit dieser Brücke aus EU-Geldern wurde heiß diskutiert: Die wenig befahrene Brücke von Coschen nach Polen. Auf deutscher Seite idyllisches Dorf. Auf polnischer Seite Natur. Ein bequemer Übergang für Wildschweine.
(Foto: Andreas Lippold)





Die Jagd auf gesunde Populationen, so wie sie im Landkreis Oder-Spree durchgeführt wird, ist unwirksam als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest. Dadurch werden die Ressourcen in vermeintlich wildschweinfreien Zonen freigegeben, die zu überdurchschnittlichen Vermehrungsraten führen. Solche Gebiete werden schneller von Wildschweinen neu besiedelt, als ein Jäger schießen kann. Um ein von der Afrikanischen Schweinepest betroffenes Gebiet vom Virus zu befreien, muss es für 190 Tage durchgehend wildschweinfrei bleiben. Aktuell tritt das Virus in Deutschland nicht auf.
Um diese subjektive Ohnmacht zu überwinden, dass der Mensch nicht mehr mit der Jagd hinterherkommt, denkt man sich immer neue Jagdmethoden aus. Aktuell sollen Lebendfallen im Landkreis als neuestes Mittel eingesetzt werden, um noch mehr Wildschweine zu töten. Wo diese Lebendfallen eingesetzt werden sollen, ist derzeit noch unklar. 

Warum die Wildschweinpopulation in den vergangenen Jahren so rasant gestiegen ist, hat mehrere Ursachen:

1. Im Jahr 2019 nahm der Maisanbau in Brandenburg um 7 % im Vergleich zum Vorjahr zu. Es wurden 228.600 ha Mais angebaut. Ich denke mehr muss man über dieses Lieblingsfutter von Schweinen überhaupt nicht sagen. Vielleicht noch eins: Im Mais finden die Wildschweine ideale Rückzugsorte. Sie sind dort für den Jäger fast unsichtbar. 

2. Die Jagd wird vor allem mit Hilfe von Kirrungen (Lockfütterungen) durchgeführt. Theoretisch dienen Kirrungen nur als Lockmittel. Praktisch fressen Jungtiere davon und werden dadurch ein ganzes Jahr zu früh geschlechtsreif. Daher entsteht der Teufelskreis: vermehrte Jagd - vermehrte Kirrungen - verfrühte Geschlechtsreife - höhere Wildschweinvorkommen.

3. Wird durch die Jagd ein Revier frei, reagieren Wildschweine mit erhöhter Fruchtbarkeit. Sie bringen dann mehr Jungtiere zur Welt. Ein weiterer Teufelskreis entsteht: freie Reviere - erhöhte Fruchtbarkeit - mehr Jungtiere - höhere Wildschweinvorkommen.

4. Klimawandel: Durch die immer häufiger aussetzenden und milder werdenden Winter, erhalten Wildschweine optimale Nahrungs- und Deckungsmöglichkeiten. Eichen- und Buchenmastjahre treten klimabedingt immer häufiger auf. 

Die Liste könnte man hier noch viel weiter fortführen. Fakt ist, dass sich aktuell Wildschweine, aufgrund der menschengemachten Bedingungen, optimal ausbreiten können. Ein Ende der Ausbreitung ist derzeit nicht in Sicht. Subjektiv wird das aktuelle Vorkommen von Wildschweinen zumeist als zu hoch eingestuft. Die Landwirte klagen über Ernteausfälle. Gärtner über umgegrabene Gemüsebeete. 

Muss der Jäger die Wildschweinpopulation eindämmen?
Ganz klar: Nein! Die Natur reguliert sich von selbst. Wenn der Jäger nicht eingreift, wird es zu einer natürlichen Regulierung kommen. Die Anzahl der Wildschweine wird sinken, wenn sinnvolle präventive Maßnahmen stattfinden. 

Aktuelle präventive Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Wildschweinen:

1. Jagd. (seit Jahrzehnten ohne Erfolg)

2. Zäune an der Grenze zu Polen. (bisher erfolgreich)

Als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest im Landkreis Oder-Spree sind stattdessen folgende Maßnahmen sinnvoll:

- der Zaun zur Grenze soll weiterhin erhalten bleiben

- die Jagd muss auf ein absolutes Minimum reduziert werden, um gesunde Populationen zu erhalten, die durch den fehlenden Jagddruck an weniger Stress leiden und somit ein gutes Immunsystem aufbauen können. Grundsätzlich gilt, das Überlebende von Seuchen den genetischen Widerstand gegen ein Virus erhöhen. Durch ein geschwächtes Immunsystem jedoch, können sich die Tiere leichter infizieren. 

- Kirrungen sind im Landkreis komplett einzustellen oder zumindest nur auf einer Höhe von 70cm vorzunehmen (Bachentisch), so dass Frischlinge keinen Zugang dazu haben.

- Tests: nicht nur bei Fall- und Unfallwild, sondern auch bei erlegten Wildschweinen, um so schnellstmögliche potentielle Ausbreitungen festzustellen und dann handeln zu können.

- Grenzkontrolle für Fleischprodukte: Die Afrikanische Schweinepest verbreitet sich maßgeblich mit Hilfe des Menschen, durch verseuchte Speisereste, die fehlerhaft entsorgt werden.

- Aufklärung: Aufklärungsmaterial zum Thema: "Entsorgung von Schweinefleisch" für den Download im Online-Bereich des Landes und der Landkreise. 

- Zäune um Autobahnparkplätze mit aufklärender Beschilderung, damit Wildschweine nicht an infizierte Essensreste gelangen

- Elektrozäune beim Maisanbau

- Risikoampel der Universität Vechta: Regelmäßige Werbung bei Schweine-Betrieben dieses Hilfsmittel zu nutzen, um präventiv arbeiten zu können.

- Förderung der natürlichen Fressfeinde:
Wolf
Fuchs
Uhu
Wildkatze
Luchs

Impfstoff
Aktuell liefern sich einige Länder, darunter vor allem China und die USA ein Kopf-an-Kopf Rennen in der Impfstoffforschung. Erste Erfolge können in der Forschung zur Kenntnis genommen werden. Bis es zu einem kommerziellen Impfstoff kommt, werden noch einige Jahre vergehen. 

Zum Weiterlesen
Eine weiteres Epidemiethema, zu dem ich ein Buch veröffentlicht habe:
Der Fuchsbandwurm in Deutschland und wie wir ihn ausrotten können von Anja Grabs

Pressebericht vom 27.04.2020
MOZ: Oder-Spree setzt auf Lebendfallen zur Wildschweinjagd

Update am 5. Mai 2020
Bei Ratzdorf sind Wildschweinrotten unterwegs. Zwischen Kraftwerk und Mülldeponie in Fürstenberg, kommen Wildschweine über die Oder. Fürstenberg ist nicht eingezäunt in Richtung Oder. Dort wird aktuell mit Vergrämung gearbeitet. 

16. April 2020

Landkreis Oder-Spree will Jagd auf Wildschweine mit Hilfe von Lebendfallen erhöhen

So oder so ähnlich sieht ein sogenannter "Saufang" aus.
(Foto: Traper Bemowski)


Der Landkreis Oder-Spree hat fünf Lebendfallen für Wildschweine angeschafft und zahlreiche Jäger darin geschult, wie diese genutzt werden sollen. Grund sei die Afrikanische Schweinepest, die nur noch 10 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt ist. In Westpolen mussten bereits mehrere tausend Tiere gekeult werden. Diese Information wurde den Fraktionsvorsitzenden bei einer Telefonkonferenz mit dem Landtagsbüro am 16. April 2020 gegeben. Das Vorhaben wurde nicht mit dem Umweltausschuss des Kreistages abgesprochen.

Die Tiere sollen in den Lebendfallen erschossen und dann auf die Afrikanische Schweinepest getestet werden. Fällt der Test negativ aus, wird das Fleisch vermarktet. Ob 100 % der Tiere aus den Lebendfallen auf die Afrikanische Schweinepest getestet werden, konnte eine Beigeordnete nicht mit absoluter Sicherheit bestätigen. Es gibt derzeit in den Testlabors, aufgrund von Corona, eingeschränkte Möglichkeiten zahlreiche Tests auf die Afrikanische Schweinepest durchzuführen.

Grund der Anschaffung der Lebendfallen, ist die niedrige Zahl der Jagderfolge auf Wildschweine im Landkreis.

„Ich wäre dafür, wenn wir jetzt nicht hier über jedes Wildschwein einzeln diskutieren. Mich interessiert jetzt vielmehr das Thema Tesla.“ kommentierte Zeschmann (FREIE WÄHLER) die konkreten Nachfragen zur Handhabung der Lebendfallen, die Fraktionsvorsitzende Grabs (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) gestellt hatte. Unklar war vor der Nachfrage, wofür diese Lebendfallen genutzt werden sollten.

„Lebendfallen wurden erfunden, um Konflikte mit Tieren ethisch zu lösen, indem Tiere lebend gefangen und dann woanders wieder ausgesetzt werden. Der Landkreis missbraucht den gedachten Nutzen der Lebendfallen für seine Zwecke. Die Tiere werden so unter Todesangst erschossen, wenn sie in der Lebendfalle, vielleicht schon seit vielen Stunden gefangen sind und nicht mit ihrer Rotte weiterziehen können. Ein erhöhter Adrenalinspiegel im Blut verschlechtert somit definitiv die Qualität des Fleisches. Der Missbrauch von Lebendfallen, um die Anzahl der geschossenen Wildschweine zu erhöhen, ist aus ethischen Gründen abzulehnen. Wer garantiert, das so eine Muttersau nicht von ihrem Nachwuchs getrennt wird? Vielmehr bedarf es jetzt 100 % der Wildschweine, die in der freien Natur geschossen werden, auf die Afrikanische Schweinepest zu testen, um Infektionsherde herauszufinden. Damit ist die Anzahl der Tests ausreichend. Diese Lebendfallen dürfen auf keinen Fall zum Einsatz kommen. Wir werden einen entsprechenden Antrag stellen.“, so Grabs.