20. April 2020

Warum die Wildschweinjagd als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest nicht wirkt - und Zäune eigentlich auch nicht

Aktuelle Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest.
Betroffene Länder, insbesondere Polen, haben die Wildschweinjagd mehr oder weniger intensiviert. Ohne Erfolg.
(Bild: FLI)

Die Afrikanische Schweinepest verbreitet sich mit Hilfe von Wildschweinen in einer Geschwindigkeit von 20 km pro Jahr. Demnach müsste sie im Landkreis Oder-Spree nächstes oder übernächstes Jahr aus Polen eindringen, wenn es keine Zäune zur Abwehr von Wildschweinen gäbe. Theoretisch.

Zäune
Der Landkreis Oder-Spree kontrolliert täglich 42 Kilometer lange Zäune, um Wildschweine aus Polen daran zu hindern in den Landkreis einzudringen. Diese Zäune sind eine gute ethische Lösung, um das Virus von Wildschweinen in Deutschland fernzuhalten.

Doch wie sicher sind diese Zäune? Schauen wir uns hierzu die Grenzübergänge an. Wenn nachts wenig Zugverkehr herrscht, schaffen es die Wildschweine über die Eisenbahnschienen nach Deutschland. Wildschweine aus Polen könnten den Weg somit in diese Richtungen wandern:

Tantow - Szczecin-Gumience
Küstrin-Kietz - Kostrzyn
Frankfurt (O) - Kunowice
Guben - Gubin
Forst - Zasieki

Schaffen es die Wildschweine nicht über die Schiene nach Deutschland, könnten sie dafür die Straße wählen. Dafür stehen ihnen zahlreiche Grenzübergänge alleine zwischen Brandenburg und Polen zur Verfügung:

Rosow
Mescherin 
Schwedt/Oder
Hohenwutzen
Küstrin/Kietz
Frankfurt Oder Stadtbrücke
Frankfurt Oder Autobahn
Neißemünde, Ortsteil Coschen, Grenzbrücke Neißewelle
Guben Stadtbrücke
Guben, Gubinchen
Forst
Forst Autobahn

Die Sinnhaftigkeit dieser Brücke aus EU-Geldern wurde heiß diskutiert: Die wenig befahrene Brücke von Coschen nach Polen. Auf deutscher Seite idyllisches Dorf. Auf polnischer Seite Natur. Ein bequemer Übergang für Wildschweine.
(Foto: Andreas Lippold)





Die Jagd auf gesunde Populationen, so wie sie im Landkreis Oder-Spree durchgeführt wird, ist unwirksam als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest. Dadurch werden die Ressourcen in vermeintlich wildschweinfreien Zonen freigegeben, die zu überdurchschnittlichen Vermehrungsraten führen. Solche Gebiete werden schneller von Wildschweinen neu besiedelt, als ein Jäger schießen kann. Um ein von der Afrikanischen Schweinepest betroffenes Gebiet vom Virus zu befreien, muss es für 190 Tage durchgehend wildschweinfrei bleiben. Aktuell tritt das Virus in Deutschland nicht auf.
Um diese subjektive Ohnmacht zu überwinden, dass der Mensch nicht mehr mit der Jagd hinterherkommt, denkt man sich immer neue Jagdmethoden aus. Aktuell sollen Lebendfallen im Landkreis als neuestes Mittel eingesetzt werden, um noch mehr Wildschweine zu töten. Wo diese Lebendfallen eingesetzt werden sollen, ist derzeit noch unklar. 

Warum die Wildschweinpopulation in den vergangenen Jahren so rasant gestiegen ist, hat mehrere Ursachen:

1. Im Jahr 2019 nahm der Maisanbau in Brandenburg um 7 % im Vergleich zum Vorjahr zu. Es wurden 228.600 ha Mais angebaut. Ich denke mehr muss man über dieses Lieblingsfutter von Schweinen überhaupt nicht sagen. Vielleicht noch eins: Im Mais finden die Wildschweine ideale Rückzugsorte. Sie sind dort für den Jäger fast unsichtbar. 

2. Die Jagd wird vor allem mit Hilfe von Kirrungen (Lockfütterungen) durchgeführt. Theoretisch dienen Kirrungen nur als Lockmittel. Praktisch fressen Jungtiere davon und werden dadurch ein ganzes Jahr zu früh geschlechtsreif. Daher entsteht der Teufelskreis: vermehrte Jagd - vermehrte Kirrungen - verfrühte Geschlechtsreife - höhere Wildschweinvorkommen.

3. Wird durch die Jagd ein Revier frei, reagieren Wildschweine mit erhöhter Fruchtbarkeit. Sie bringen dann mehr Jungtiere zur Welt. Ein weiterer Teufelskreis entsteht: freie Reviere - erhöhte Fruchtbarkeit - mehr Jungtiere - höhere Wildschweinvorkommen.

4. Klimawandel: Durch die immer häufiger aussetzenden und milder werdenden Winter, erhalten Wildschweine optimale Nahrungs- und Deckungsmöglichkeiten. Eichen- und Buchenmastjahre treten klimabedingt immer häufiger auf. 

Die Liste könnte man hier noch viel weiter fortführen. Fakt ist, dass sich aktuell Wildschweine, aufgrund der menschengemachten Bedingungen, optimal ausbreiten können. Ein Ende der Ausbreitung ist derzeit nicht in Sicht. Subjektiv wird das aktuelle Vorkommen von Wildschweinen zumeist als zu hoch eingestuft. Die Landwirte klagen über Ernteausfälle. Gärtner über umgegrabene Gemüsebeete. 

Muss der Jäger die Wildschweinpopulation eindämmen?
Ganz klar: Nein! Die Natur reguliert sich von selbst. Wenn der Jäger nicht eingreift, wird es zu einer natürlichen Regulierung kommen. Die Anzahl der Wildschweine wird sinken, wenn sinnvolle präventive Maßnahmen stattfinden. 

Aktuelle präventive Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Wildschweinen:

1. Jagd. (seit Jahrzehnten ohne Erfolg)

2. Zäune an der Grenze zu Polen. (bisher erfolgreich)

Als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest im Landkreis Oder-Spree sind stattdessen folgende Maßnahmen sinnvoll:

- der Zaun zur Grenze soll weiterhin erhalten bleiben

- die Jagd muss auf ein absolutes Minimum reduziert werden, um gesunde Populationen zu erhalten, die durch den fehlenden Jagddruck an weniger Stress leiden und somit ein gutes Immunsystem aufbauen können. Grundsätzlich gilt, das Überlebende von Seuchen den genetischen Widerstand gegen ein Virus erhöhen. Durch ein geschwächtes Immunsystem jedoch, können sich die Tiere leichter infizieren. 

- Kirrungen sind im Landkreis komplett einzustellen oder zumindest nur auf einer Höhe von 70cm vorzunehmen (Bachentisch), so dass Frischlinge keinen Zugang dazu haben.

- Tests: nicht nur bei Fall- und Unfallwild, sondern auch bei erlegten Wildschweinen, um so schnellstmögliche potentielle Ausbreitungen festzustellen und dann handeln zu können.

- Grenzkontrolle für Fleischprodukte: Die Afrikanische Schweinepest verbreitet sich maßgeblich mit Hilfe des Menschen, durch verseuchte Speisereste, die fehlerhaft entsorgt werden.

- Aufklärung: Aufklärungsmaterial zum Thema: "Entsorgung von Schweinefleisch" für den Download im Online-Bereich des Landes und der Landkreise. 

- Zäune um Autobahnparkplätze mit aufklärender Beschilderung, damit Wildschweine nicht an infizierte Essensreste gelangen

- Elektrozäune beim Maisanbau

- Risikoampel der Universität Vechta: Regelmäßige Werbung bei Schweine-Betrieben dieses Hilfsmittel zu nutzen, um präventiv arbeiten zu können.

- Förderung der natürlichen Fressfeinde:
Wolf
Fuchs
Uhu
Wildkatze
Luchs

Impfstoff
Aktuell liefern sich einige Länder, darunter vor allem China und die USA ein Kopf-an-Kopf Rennen in der Impfstoffforschung. Erste Erfolge können in der Forschung zur Kenntnis genommen werden. Bis es zu einem kommerziellen Impfstoff kommt, werden noch einige Jahre vergehen. 

Zum Weiterlesen
Eine weiteres Epidemiethema, zu dem ich ein Buch veröffentlicht habe:
Der Fuchsbandwurm in Deutschland und wie wir ihn ausrotten können von Anja Grabs

Pressebericht vom 27.04.2020
MOZ: Oder-Spree setzt auf Lebendfallen zur Wildschweinjagd

Update am 5. Mai 2020
Bei Ratzdorf sind Wildschweinrotten unterwegs. Zwischen Kraftwerk und Mülldeponie in Fürstenberg, kommen Wildschweine über die Oder. Fürstenberg ist nicht eingezäunt in Richtung Oder. Dort wird aktuell mit Vergrämung gearbeitet. 

16. April 2020

Landkreis Oder-Spree will Jagd auf Wildschweine mit Hilfe von Lebendfallen erhöhen

So oder so ähnlich sieht ein sogenannter "Saufang" aus.
(Foto: Traper Bemowski)


Der Landkreis Oder-Spree hat fünf Lebendfallen für Wildschweine angeschafft und zahlreiche Jäger darin geschult, wie diese genutzt werden sollen. Grund sei die Afrikanische Schweinepest, die nur noch 10 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt ist. In Westpolen mussten bereits mehrere tausend Tiere gekeult werden. Diese Information wurde den Fraktionsvorsitzenden bei einer Telefonkonferenz mit dem Landtagsbüro am 16. April 2020 gegeben. Das Vorhaben wurde nicht mit dem Umweltausschuss des Kreistages abgesprochen.

Die Tiere sollen in den Lebendfallen erschossen und dann auf die Afrikanische Schweinepest getestet werden. Fällt der Test negativ aus, wird das Fleisch vermarktet. Ob 100 % der Tiere aus den Lebendfallen auf die Afrikanische Schweinepest getestet werden, konnte eine Beigeordnete nicht mit absoluter Sicherheit bestätigen. Es gibt derzeit in den Testlabors, aufgrund von Corona, eingeschränkte Möglichkeiten zahlreiche Tests auf die Afrikanische Schweinepest durchzuführen.

Grund der Anschaffung der Lebendfallen, ist die niedrige Zahl der Jagderfolge auf Wildschweine im Landkreis.

„Ich wäre dafür, wenn wir jetzt nicht hier über jedes Wildschwein einzeln diskutieren. Mich interessiert jetzt vielmehr das Thema Tesla.“ kommentierte Zeschmann (FREIE WÄHLER) die konkreten Nachfragen zur Handhabung der Lebendfallen, die Fraktionsvorsitzende Grabs (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) gestellt hatte. Unklar war vor der Nachfrage, wofür diese Lebendfallen genutzt werden sollten.

„Lebendfallen wurden erfunden, um Konflikte mit Tieren ethisch zu lösen, indem Tiere lebend gefangen und dann woanders wieder ausgesetzt werden. Der Landkreis missbraucht den gedachten Nutzen der Lebendfallen für seine Zwecke. Die Tiere werden so unter Todesangst erschossen, wenn sie in der Lebendfalle, vielleicht schon seit vielen Stunden gefangen sind und nicht mit ihrer Rotte weiterziehen können. Ein erhöhter Adrenalinspiegel im Blut verschlechtert somit definitiv die Qualität des Fleisches. Der Missbrauch von Lebendfallen, um die Anzahl der geschossenen Wildschweine zu erhöhen, ist aus ethischen Gründen abzulehnen. Wer garantiert, das so eine Muttersau nicht von ihrem Nachwuchs getrennt wird? Vielmehr bedarf es jetzt 100 % der Wildschweine, die in der freien Natur geschossen werden, auf die Afrikanische Schweinepest zu testen, um Infektionsherde herauszufinden. Damit ist die Anzahl der Tests ausreichend. Diese Lebendfallen dürfen auf keinen Fall zum Einsatz kommen. Wir werden einen entsprechenden Antrag stellen.“, so Grabs.

10. April 2020

DDR Müll im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See

Die Natur gewinnt immer. Wenn der Mensch sie zunichte gemacht hat, wird sie sich das zurückholen, was ihr zugesteht. Weil der Mensch das nicht versteht, begibt er sich in einen ständigen Kampf mit der Natur.

Die Natur einfach mal machen lassen, dafür wurden Naturschutzgebiete erfunden und ihre Existenz ist so wichtig. 

Schauen wir uns kurz die Geschichte des Naturschutzgebietes Wernsdorfer See an:

Vor 1931
Hier gab es früher keine Bäume, die Gegend war sandig und mit Wanderdünen versehen. Wenn man sich in Gosen Trampelpfade ansieht, dann sieht man wie sandig der Boden hier überall einmal ausgesehen hat. 
So hat der Mensch an der heutigen Wernsdorfer Deponie erstmal Sand und Kies abgebaut. Bis zu einem tödlichen Unfall, danach wurde der Betrieb 1931 eingestellt.

1931 
In die Sandgrube warfen die Leute ihren Müll. Aus heutiger Sicht ist dieses Verhalten befremdlich, aber damals wusste man es nicht besser. Im Jahr 1967 wurde das Gebiet zum Naturschutzgebiet ernannt. Dieser Schutzstatus schützte den Boden allerdings nicht vor weiterer Vermüllung. Der Müllberg wuchs weiter an. 

nach 1945
Der Wernsdorfer See wird mit Trümmern, Müll und Asche zugekippt. Der See verkleinert sich dadurch um 25 %. 

1982
Die Deponie erhielt den Status "geordnete Deponie". Dennoch wurden im großen Maße Müllablagerungen im umgebenen Naturschutzgebiet vorgenommen. Der Müll befindet sich bis heute dort. 

2005
Die Abfalllagerung wurde eingestellt. 

2009 bis 2013
Die Mülldeponie wird renaturiert. Die hohen Kosten dafür müssen die Berliner mit ihren Müllgebühren bezahlen. Ein kleiner Teil der Renaturierungskosten (eine halbe Million Euro) wird mit dem Gewinn bezahlt, der aus Gas zur Stromerzeugung direkt auf der Deponie gewonnen wird.

2020
Das Naturschutzgebiet war immer sumpfig gewesen, doch seit diesem Jahr steht das Wasser noch höher als sonst. Der See holt sich das zurück was ihm gehört. Die ersten Bäume ersaufen und kippen um. Der Wernsdorfer See ist ein Niedermoor. Der Anblick der umgekippten Bäume lässt das Herz eines jeden Moorschützers höher schlagen. Das Moor durchlebt eine autogene Regenerierung. Es erholt sich quasi von selbst. Ohne, dass der Mensch eine technisch gesteuerte Renaturierung durchgeführt hat. Durch diesen Prozess, bei dem das Wasser nach oben aus den Boden gedrückt wird, kommt der ganze Müll zum Vorschein, der dort seit über 31 Jahren gelegen hat. Die Ausmaße sind immens. 

bis 2043
Die Mülldeponie Wernsdorfer See ist eingezäunt. Sie befindet sich in der Nachsorge und wird ständig überwacht. Aktuell wurde ein zusätzlicher Elektrozaun angebracht, um Wildschweine fernzuhalten. Das Betreten der Deponie ist verboten. Für die Öffentlichkeit werden unregelmäßige Führungen angeboten. 

Bitte um Mithilfe
Aktuell habe ich eine Kleine Anfrage im Kreistag Oder-Spree laufen, um herauszufinden, wer für die Beseitigung des Mülls verantwortlich ist und wann hier gehandelt wird. Im FFH Managementplan steht fälschlicherweise nichts von Umweltverschmutzung drin. Hier besteht also Handlungsbedarf. Solche Aufrufe sind wichtig, denn Eigentum verpflichtet nicht ohne Grund. Wir Bürgerinnen und Bürger sind offiziell nicht dafür zuständig den Müll auf anderen Grundstücken oder Naturschutzgebieten zu beseitigen. Daher empfehle ich parallel zur Müllsammlung immer eine Anfrage an das Ordnungsamt, wer für die Fläche verantwortlich ist und dass der Eigentümer handeln muss. Es gibt dennoch Flächen, wie z. b. bei Erbengemeinschaften, wo der Aufwand jeden Eigentümer zu ermitteln und anzufragen größer ist, als den Müll selbst einfach regelmäßig wegzuräumen.

In der Zwischenzeit würden theoretisch Arbeitseinsätze Sinn machen, um die Abfälle einzusammeln bevor sie vom Moor verschluckt werden. Unklar ist auch, ob das Wasser bleibt und noch weiter ansteigt oder die Fläche immer wieder trocken fällt. Aufgrund der Dürre der letzten Jahre vermute ich jedoch, dass das Wasser weiter ansteigen wird, weil das Moor grundwassergespeist ist und das Wasser offensichtlich momentan unabhängig von Dürren weiter ansteigt. Die Durchlässigkeit zum Kappstrom und damit zur Spree ist unklar. Vielleicht steigt das Wasser auch, weil der Kappstrom "verstopft" ist? Bei Moorrenaturierungen werden Gewässer u. a. auch zugeplombt, um das Wasser im Gebiet zu halten. Ich bin gespannt, wie sich das Gebiet im Sommer 2020 verändern wird.

Da aufgrund der Coronakrise aktuell keine Gruppen-Arbeitseinsätze möglich sind, habe ich die Facebookgruppe "Die Aufheber in Gosen-Neu Zittau" gegründet. Inspiriert von der deutschlandweiten Facebookgruppe "Die Aufheber", werden hier die persönlichen Müllsammelaktionen porträtiert. Die Seite lädt zum gemeinsamen Austausch ein und soll zum Mitmachen motivieren. Nach der Coronakrise können hier auch gemeinsame Arbeitseinsätze schnell und unkompliziert geplant werden. Es könnte gut sein, dass gerade die Müllablagerungen im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See zu den interessantesten Müllablagerungen in Deutschland gehören. Hier finden sich Dinge an, die ehemalige DDR Bürger an früher erinnern und die Generation nach 1989 in Staunen versetzen. 

Für private Sammelaktionen alleine oder mit der Familie, eignet sich jeden Monat der Tag vor der Müllabfuhr in der Gemeinde. Man kann dabei schauen, wieviel Platz noch in der eigenen Mülltonne ist und diese noch mit eingesammelten Müll voll machen, so dass sie am nächsten Tag dann damit abgeholt wird.

Weil morgen der Müll abgeholt wird, habe ich heute mal im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See Müll gesammelt, weil in meiner eigenen Mülltonne noch jede Menge Platz war. Ich werde zudem meine 120 Liter Mülltonne mit einer 240 Liter Mülltonne umtauschen lassen. Das kostet mich nur 3,01 Euro mehr pro Monat bzw. pro Müllsammlung und verschafft mir so jeden Monat garantierten Platz in meiner Tonne und maximale Unabhängigkeit von bürokratisierten Abfallbeseitigungdiensten (obwohl wir diese in Zukunft anfragen können, wenn wir gemeinsame Arbeitseinsätze planen).

Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte von Zeitzeugen freuen, die die Deponie noch zur aktiven Zeit erlebt haben und auch wissen, wie die Müllverbreitung im Gebiet ausgesehen hat. Vielleicht sogar mit alten Fotos? kontakt@anja-grabs.de 

DDR Müllablagerungen im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See

Naturschutzgebiet Wernsdorfer See

Anja Grabs

Tropfen auf dem heißen Stein. Müllsammlung im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See.

Makrelen Filet. Die Farben sehen so aus, als wäre die Verpackung eine Woche alt und nicht über 31 Jahre.

DDR Trink-Vollmilch Verpackung. Die Farben sind verblasst, das Plastik hat nach über 31 Jahren einige Löcher.

Leuchtende Farben nach über 31 Jahren in der Erde.

Heringsfilet für 1 Mark und 35 Pfennig.

Alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk Vipa.

100 ml blanka Effekt Wäschesteife für 95 Pfennig.

Gewürz Salz mit englischer Übersetzung? Exportierte die DDR dieses Produkt?

Presseberichte




9. April 2020

Haben die Grünen keine anderen Sorgen?

"Haben die Grünen keine anderen Sorgen?"

"Es gibt viel schlimmere Dinge, als illegal entsorgte Rasenschnittabfälle an Gewässern."

Liebe Home Office Menschen und Systemrelevante,

es wurden gerade für alle von uns die Freizeitbeschäftigungen auf ein absolutes Minimum reduziert:

a) Indoor Beschäftigungen

b) sich in der Natur bewegen

Ich erlebe geradezu einen touristischen Boom in der Natur. Menschen halten sich in der Natur auf, als gäbe es kein Morgen. Das ist gut! Zurück zur Natur, uns allen wurde absolute Entschleunigung aufgezwungen!

Wenn ich also, so wie ich es schon immer gemacht habe, auf Fehlentwicklungen in der Natur aufmerksam mache, dann sind die o. g. Sätze vollkommen unangebracht. Es geht dabei überhaupt nicht darum, dass gerade irgendetwas anderes auf der Welt passiert. Man darf sich trotzdem weiter mit Umweltverschmutzung beschäftigen. Es interessiert mich in dem Moment auch nicht, ob es irgendwo, irgendwelche anderen Abfälle mitten in der Natur oder auch in urbanen Gebieten gibt, die noch viel viel schlimmer sind. Das weiß ich alles! Wenn ich über eine Fehlentwicklung an einem ganz bestimmten Ort schreibe, dann muss man das nicht verharmlosen. Egal wie groß der eigene Weltschmerz ist.

Es gibt immer noch Umweltfragen, die wir klären müssen. Gerade jetzt. Die Natur kennt keine Pause.

Illegal entsorgte Rasenschnittabfälle am Kappstrom neben dem Kleingartenverein Am Kappstrom e.V.

An den Rändern von Kleingartenanlagen gibt es leider immer wieder illegal entsorgte Gartenabfälle in der freien Natur. Fängt einer an, wird der Haufen immer größer. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Natur das schon kompostieren wird. Es gibt Probleme, die dabei auftreten können, die größeren Schaden anrichten, als ein ursprünglich gedachter "Komposthaufen". Dieser Gedanke ist auch nicht nachhaltig. Denn die Frage, wo man seine Gartenabfälle in 1, 5 oder 10 Jahren entsorgen will, bleibt ja weiterhin offen. Rasenschnitt am Kappstrom wird das Gewässer eutrophieren. Der Kappstrom befindet sich aber bereits in einem schlechten Zustand, weil die Renaturierung im Wasser- und Landschaftspflegeverband keine Priorität findet. Das kann einem ja alles egal sein, muss es aber nicht. Schon gar nicht, wenn man hier wohnt und den schlechten Zustand täglich mit ansehen muss.

Liebe Gärtner und Gärtnerinnen,

Gartenabfälle, wie Rasenschnitt, gehören auf den Kompost im eigenen Garten oder in die Bio-Abfalltonne. Rasenschnitt eignet sich auch sehr gut zum Mulchen.

Ein Totholzhaufen im eigenen Garten trägt zur Biodiversität bei. Abgesägtes Holz muss demnach nicht in der freien Natur entsorgt werden.

3. April 2020

Ignorante Deppen unterminieren mühevolle Anstrengungen - Corona Ansprache des Landrates im Landkreis Oder-Spree

Karte
Das Coronavirus kommt auch im Landkreis Oder-Spree vor.
(Bild: Wikipedia)


Ansprache des Landrates Rolf Lindemann im Landkreis Oder-Spree:

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Ich hatte Ihnen zugesagt wesentliche Informationen möglichst frühzeitig mit Ihnen zu teilen. ...

Mir geht es darum, dass möglichst Viele auf dem aktuellen Stand sind, weil wir uns alle nur dann zielgerichtet und gesundheitsbewusst im öffentlichen Raum bewegen, Falschmeldungen erkennen können und damit Verschwörungstheorien im Keim ersticken. Darüber hinaus stärken wir auf diesem Wege den jetzt so wichtigen Bürgersinn.

Wir haben mit Stand 01. April 80 Fälle im Kreisgebiet mit den Schwerpunkten an der westlichen Kreisgrenze im Bereich Schöneiche Woltersdorf mit 20 Fällen und am östlichen Rand mit den Kommunen Eisenhüttenstadt und Brieskow-Finkenherd mit 18 Personen. Vier Patienten sind im Moment in Kliniken untergebracht ein schwerer Fall wird derzeit beatmet.
Nicht verschweigen wollen wir eine hoffungsvoll stimmende Kennzahl. 19 Patienten haben die Infektionskrankheit im Landkreis Oder-Spree inzwischen überwunden. Auch diese Zahlen werden parallel zur Neuinfektion glücklicherweise steigen. Das darf uns aber nicht in trügerischer Sicherheit wiegen.

Besondere Aufmerksamkeit müssen wir auf die strikte Einhaltung der angeordneten Schutzmaßnahmen für Gemeinschaftseinrichtungen insbesondere für die Senioren und Pflegeheime aufwenden – hier haben wir seit vorgestern einen Verdachtsfall im Landkreis zu klären. Wir wollen deshalb alles Menschenmögliche unternehmen, um Bilder, wie in Würzburg oder Wolfsburg zu vermeiden.
Ich weiß, dieses Unterfangen stellt insbesondere die Mitarbeiter in der Pflege, in den Behinderteneinrichtungen aber auch in den Kliniken inzwischen vor ganz enorme Herausforderung, denn das Ende des ausgesprochen ärgerlichen Beschaffungsengpasses bei Schutzausrüstung und Masken ist gegenwärtig nicht absehbar.
Die vor zwei Wochen von Bundesminister Span angekündigte Flutung mit Masken ist bei uns leider bislang nicht angekommen. Wir lassen in unserem Druck allerdings nicht nach. Darauf können Sie sich verlassen.

Andererseits dürfen wir als Verantwortliche vor diesem Mangel nicht kapitulieren. Gute Ideen und Eigeninitiative sind jetzt gefragt, damit wir auch auf niedrigerem Schutzstandard ohne leichtsinnige Eigengefährdung weiterarbeiten können.
Ich wende mich deshalb auch an die heimischen Unternehmen, soweit diese Möglichkeiten sehen, den Gesundheitsbereich zu unterstützen mit den Ärzten gemeinsam vertretbare Notlösungen zu entwickeln.

Aus dem Lagebild müssen wir, wenn wir eine relativ gleichmäßige Testung in unseren Testzentren Schöneiche, Storkow, Beeskow, Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt unterstellen, die Schlussfolgerung ziehen, dass ein urbaner Lebenszuschnitt und urbane Lebensgewohnheiten mit hoher Mobilität und engen Kontakten auch im Freizeitbereich ein dynamisches Ausbreitungsgeschehen hervorrufen.
Verhaltensmäßig orientieren sollten wir uns deshalb, an dem traditionell zurückgenommeneren Lebensstil, der den ländlichen Raum prägt.

Ärzte, die die Testzentren betreiben, bestätigen diese Schlussfolgerung. Sie schildern konkret die Ansteckungswege, die in erster Linie im Familiären- und im Bekanntenbereich verlaufen – unverständlicherweise finden hier offensichtlich immer noch Geburtstagsfeiern und gesellige Runden statt, die in Einzelfällen sogar ein polizeiliches Einschreiten erfordern. Insofern ist es dringend angezeigt alle Formen von Geselligkeit für eine Übergangszeit zu unterbinden.

Das ist zwingend erforderlich, wenn wir uns den Aufwuchs der infizierten Zahlen und der Verdachtsfälle in den letzten Tagen auch einmal im Landesmaßstab vergegenwärtigen.
Leider wird man durch die aktuellen Nachrichten auch immer wieder bestätigt. Wir hören gerade, dass das Ernst von Bergmann Klinikum und weitere Kliniken in Deutschland übergangsweise für Neuaufnahmen geschlossen werden musste. Wir sehen also es bleibt ernst.

Deshalb ist es unverständlich, dass insbesondere jüngere Leute immer noch Anlass zu ordnungsbehördlichem und polizeilichem Einschreiten geben. Dies war insbesondere am letzten Wochenende der Fall. Diesen Zeitgenossen sei nochmals gesagt: Ihr Verhalten spielt mit der Gesundheit und dem Leben ihrer Mitmenschen.
Wir alle zahlen gegenwärtig einen hohen wirtschaftlichen Preis dafür, dass wir möglichst wenige Opfer zu beklagen haben und jeder von uns – jedes Menschenleben ist diese Anstrengung wert. Wir sehen es deshalb nicht mehr ein, dass ignorante Deppen unsere mühevollen Anstrengungen unterminieren.

Die Schonfrist für das Einüben der neuen Verhaltensvorgaben entsprechend der Eindämmungsverordnung ist beendet. Die Polizei und auch die Ordnungsämter haben meiner Ordnungsbehörde die Zwischenfälle des letzten Wochenendes gemeldet. Diese werden wir jetzt mit empfindlichen Bußgeldern beantworten. Auch das erwartet die ganz überwiegende Anzahl der Bürger, die sich sehr verantwortungsvoll verhalten und damit dazu beitragen, dass die einschneidenden Maßnahmen, die uns alle extrem belasten ihre Wirkung nicht verfehlen.

Von Bürgermeistern und Amtsdirektoren, in deren Verantwortungsbereich insbesondere die freizeitlichen und touristischen Schwerpunkte im Landkreis liegen bin ich informiert worden, dass das Verhalten von Menschen, die am Wochenende aus den beengten Verhältnissen der Stadt flüchten vor Ort zum Teil zu schwer handhabbaren Situationen und Konflikten führte.

Diejenigen die sich hier hemmungslos verhalten, sollten in Rechnung stellen, dass das von der einheimischen Bevölkerung sehr kritisch beobachtet wird und uns derartige Rücksichtslosigkeiten allesamt nicht fröhlicher macht.

Wir in Oder-Spree leben auch vom Tourismus. Insofern dürfen Gäste gleich woher auch immer sie kommen mit einer grundsätzlichen Aufgeschlossenheit rechnen. Wir haben auch nichts dagegen, dass sie unsere Wälder zur Erholung und zum Sport nutzen – ganz im Gegenteil. Aber bitte passen Sie Ihr Verhalten den gegebenen Umständen an, halten Sie sich wie alle übrigen zurück.
Das gilt insbesondere für den Wassersport. Dieser ist zwar grundsätzlich erlaubt, allerdings nur in zurückgenommener Form, die die Eindämmungsverordnung mit ihrer klaren Zielsetzung vorgibt.

Wir können es deshalb nicht hinnehmen, dass über das Osterwochenende die gesamte Freizeitflotte zu Wasser gelassen wird oder große Motorboote den Scharmützelsee bevölkern.
Folgen Sie der dringenden Empfehlung der Bundeskanzlerin und unseres Ministerpräsidenten, die sozialen Kontakte auf das unbedingt notwendige Minimum zu beschränken.

Wir alle haben gemeinsam eine schwierige Phase zu durchleben und da gilt nun einmal für Einheimische wie auch für Gäste, dass sie sich den geltenden Regeln zu unterwerfen haben. Deshalb werden unsere Ordnungsämter gemeinsam mit der Polizei gegen ein Freizeitverhalten, das nicht dem Geist und dem Sinn der Eindämmungsverordnung entspricht rigoros einschreiten. Zu diesem Zwecke wird der Landkreis eine Allgemeinverfügung erlassen. In dieser werden die Verhaltensmaßregeln der Eindämmungsverordnung nochmals detaillierter für den Freizeitbereich präzisiert
In diesem Sinne werden die Schleusen für touristische Zwecke geschlossen. Ebenso werden Marinas und Slipanlagen voraussichtlich bis zum 19.04.20 entsprechend der Kontaktbeschränkungen der Eindämmungsverordnung stillgelegt.

Selbstverständlich dürfen die Wasserstraßen für sportliche Betätigungen wie Rudern oder Paddelausflüge genutzt werden, sofern dabei die Vorgaben der Eindämmungsverordnung beachtet werden.
Es gilt allerdings ein enger Sportbegriff, denn wir können nicht einerseits das Joggen als Einzelpersonenveranstaltung vorschreiben, sogar Kinderspielplätze schließen und andererseits Pulks von Yachten über unserer Seen fahren lassen – zumal wir uns dann auch der Möglichkeit begeben würden eine effektive Kontrolle der Einhaltung der Eindämmungsverordnung sicher zu stellen.

Ich bin mit den Bürgermeistern und Amtsdirektoren übereingekommen, dass wir an den kommenden Wochenenden intensive Kontrollen auch mit polizeilicher Begleitung durchführen werden. Wir werden auch Parkplätze in ihrer Belegung limitieren bzw. sperren soweit die Eindämmungsverordnung das geboten erscheinen lässt.

Wir müssen in diesem Kontext zudem eine weitere Gefahrenquelle im Auge behalten, die es zwingend erforderlich macht, Waldwege und Waldrandstreifen von parkenden Autos freizuhalten, da wir in den kommenden Tagen die Waldbrandstufe V erreichen könnten.

Soweit zum aktuellen Geschehen. Ich werde Sie auch in den kommenden Tagen weiter auf dem Laufenden halten. Unterstützen Sie uns bitte auch weiterhin zu tatkräftig wie bisher.