5. August 2013

Hommage an mein altes Dublin


Im Auto hörte ich heute zum ersten Mal den Song „Black Skinhead“ von Kanye West und sah mich sofort wieder in Dublin zurückversetzt, wo ich 2001 wohnte. Der Song ist aktuell, warum also? Dazu später mehr... (Wer Dublin kennt: damals gab es noch keine Straßenbahn und auch noch nicht das Wahrzeichen „The Spire“.) Unser Urvertrauen an das Gute war bis zum 11. September noch vorhanden...

Aber von Anfang an: Ich war 20 Jahre alt und wohnte und arbeitete für 15 Monate in Dublin. Das ist eine sehr lange Zeit für einen Festland-Europäer, weil der tägliche Regen einem derart aufs Gemüt schlägt, dass man dort kaum dauerhaft wohnen kann. Deshalb wandern die irischen Rentner auch zuhauf aus (deshalb und aus geschichtlichen Gründen ist Dublin ein Auswandererland). Damals lag das Durchschnittsalter in Dublin bei 29. Was also tun in einer jungen Stadt in der es jeden Tag kurze Regenschauer gibt und die Straßen und Gehwege davon IMMER nass sind? Man verbringt sein Leben in den gemütlichen Pubs und den Nachtclubs. Montags wird davon geredet wo man freitags hingeht. 

Damals gingen wir immer in das legendäre Temple Theatre, was es heute leider nicht mehr gibt. Es wurde 2004 wegen Baufälligkeit geschlossen. Seitdem ist Dublin nicht mehr was es damals war. Man ging in diese gefährliche Gegend also am Freitag hin. Die irischen Mädels trugen kurze Partykleider mit hohen Schuhen und ohne Strumpfhosen bei JEDEM Wetter, auch im Winter... Man stellte sich in eine lange Schlange (die Iren lieben das Anstehen genauso wie die Engländer) und wurde dann von mehreren Türstehern gefragt wie es einem geht. Sie sahen uns in die Augen (Pupillen) und fragten uns deshalb, um herauszufinden ob wir auf Drogen sind. Wenn man aus versehen an einem Samstag ins Temple Theatre ging, sah man auch warum. An Samstagen lief Techno und ALLE schienen dort auf Drogen zu sein. Am Freitag jedoch lief dort Hip Hop. Die lauten Bässe umfingen mich beim Eintreten, damals war Hip Hop meine Musik. Eine aggressive Musik, die an Coolness kaum zu überbieten ist. Eine Musik, die man mit Anfang 20 am liebsten hört. 
Einmal haben sich im Temple Theatre fast zwei Männer um mich geprügelt...eine einmalige Erfahrung, die nicht so verkehrt ist für eine Frau...
Wir tranken ausschließlich Smirnoff Ice und wir befanden uns ständig in himmelhochjauchzender Verliebtheit oder zutodebetrübten Liebeskummer. Denn das Wetter in Irland steigert die Sehnsucht nach Geborgenheit um ein Vielfaches. Es macht so nachdenklich und melancholisch, dass es kein Wunder ist, dass einige der besten Autoren aus Irland kommen. 

In Dublin hatte ich eine der schönsten Zeiten in meinem Leben verbracht. Ich empfehle allen jungen Leuten dort ihre Auslandserfahrung zu machen. 

Ich könnte noch so viel über Dublin schreiben, aber stattdessen zeige ich jetzt den Song, der mich an das Temple Theatre erinnert hat (obgleich der Song ganz aktuell ist). Für mich ist dieser Song "Hip Hop at its best". Lange habe ich nicht so guten Hip Hop gehört :)

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