8. August 2014

Die Wiedergutmacher-Generation


Die Sorge vor einer zukünftigen Verockerung des Spreewaldes ist gegenwärtig.
Foto: Aktionsbündnis "Klare Spree"

Wie wir die Fehler unserer Vorfahren ausbügeln müssen und trotzdem nicht daraus lernen

Wie oft haben wir den Satz schon gehört „Für die nächste Generation.“ Dabei reden wir von unseren eigenen Kindern und Enkelkindern und wiederum deren Kinder und Enkelkinder. Also quasi von der Zukunft. Förster spüren die Generationen bei der täglichen Arbeit: Sie profitieren von den Bäumen, die die Vorfahren gepflanzt haben und investieren selbst in Jungpflanzen, die sie in ihrem Leben nicht mehr fällen werden.

Die größte Motivation im Umwelt- und Naturschutz besteht immer aus dem Wunsch, der nächsten Generation eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Aber während wir noch davon reden, ist unsere jetzige Welt schon nicht mehr so lebenswert, wie sie sein könnte. Wir haben von unseren Großeltern eine Natur geerbt, die wir nun wieder reparieren und dafür auch noch eine Menge Geld investieren müssen.

Hier ein Beispiel:

Die südlichen Zuflüsse der Spree zum Spreewald sind braun. Dabei handelt es sich um eine Verockerung, also eine Belastung durch Eisenhydroxid, welche durch den ehemaligen Braunkohlebergbau im Freistaat Sachsen hervorgerufen wird.

Mit dem üblichen Anstieg des Grundwassers nach der Stilllegung vom Bergbau wurde zwar gerechnet, aber nicht in diesem Maße. Hohe Niederschlagsmengen im Jahr 2010 führten zu dieser ökologischen Katastrophe: Eisen und Sulfate gelangen in die Zuflüsse und färben das Wasser braun. Betroffen sind vor allem das Greifenhainer Fließ, das Vetschauer Mühlenfließ, das Göritzer Mühlenfließ und die Wudritz. Südliche Randbereiche des Oberspreewaldes, wie zum Beispiel der Radduscher Kahnhafen, der Ragower Kahnhafen und der Südumfluter sind braun. Die Angst, dass der Spreewald, als Biosphärenreservat und touristisch wichtiges Gebiet, von der Ockerlast etwas abbekommt ist groß. Schnell reagierte der Freistaat Sachsen als Quellgebiet der Verockerung mit Maßnahmen. 9 Mio. Euro wird das Sofortprogramm zum Schutz des Spreewaldes und zur Sanierung der betroffenen Gewässer kosten. Finanziert wird es aus Steuergeldern, da der Bergbau zu DDR-Zeiten stattfand, welches der heutige Staat geerbt hat.

Die Fisch- und Krebsfauna ist in den betroffenen Gewässern erloschen. Die Täler versumpfen. Die Wiesen versauern. Der Tourismus ist bedroht. Fischfressende Vögel und Säugetiere verschwinden.

Schnell wurde die Grubenwasserreinigungsanlage in Vetschau reaktiviert, Abfangmaßnahmen an Barrieren wurden eingerichtet, Schlammberäumung und Instandsetzung von Durchlässen und Untergrundwasserbehandlungen fanden statt. Zahlreiche Maßnahmen können mit „Gefahr im Verzug“ begründet werden.

Das Problem dabei ist, dass die Verockerung nicht von heute auf morgen beseitigt werden kann. Mindestens 50 Jahre wird es dauern, wahrscheinlich sogar länger, bis die Gewässer keine Ockerlast mehr aufweisen. Vermutlich werden wir dies aber nicht mehr erleben. Bis dahin müssen alle Maßnahmen weiter laufen und verursachen den Steuerzahlern Kosten. Es wird Fälle geben in denen der Naturschutz mit Maßnahmen kollidieren kann, wenn zum Beispiel neue Gewässer angelegt werden müssen. Sauberes Wasser wird jedoch immer Priorität haben.

Wenn man die Gewinne aus der Braunkohle, die zu DDR Zeiten gemacht wurden in D-Mark und dann in Euro umrechnet und dann mit den Kosten vergleicht, die durch die Wiedergutmachungsmaßnahmen in den nächsten Jahrzehnten entstehen werden, kommt man vermutlich auf ein Verlustgeschäft. Statistiken hierzu gibt es nicht. Die Umweltschäden, die durch Braunkohle verursacht werden, kann man kaum mit Geld aufwiegen. Der Versuch den CO2 Ausstoß zu verringern kann mit Braunkohle nicht gelingen. Die unterirdische Abscheidung des CO2 wird weder von der Politik noch von der Bevölkerung unterstützt. Es erinnert an eine Verschiebung des Problems, ähnlich der Problematik von Atommüll-Endlagern.

Bei Braunkohle kann und darf nicht länger von „billiger Energie“ gesprochen werden.

Wir haben nun zwei Optionen:

ENTWEDER

wir entnehmen dem Boden alle Braunkohlereserven, die noch vorhanden sind. Selbst wenn dies nicht notwendig ist, da erneuerbare Energien nach dem Atomausstieg bereits in dem Maße genutzt werden, dass es zu keinen Engpässen kommen wird. Dörferumsiedlung, Flächenverbrauch und das Ausbügeln von ökologischen Katastrophen versucht man einzukalkulieren. Der CO2 Verbrauch kann nicht verringert werden. In circa 220 Jahren hat Deutschland bei konstanter Förderung seine Ressourcen aufgebraucht. Bis dahin heißt es: Die kommenden Generationen können die entstehenden und unkalkulierbaren Probleme ausbügeln. Mit anderen Worten: Nach uns die Sintflut. Aber die Sintflut wird braun sein.

ODER

wir verabschieden uns selbstbewusst von der Braunkohle und wenden uns den erneuerbaren Energien zu, welche noch viel Forschungspotential aufweisen und verbesserungswürdig sind. Lobbyisten von Vattenfall & Co. schicken wir nach Hause, solange sie uns etwas von Braunkohle erzählen und dabei mit Euro-Zeichen in den Augen klimpern. Wir konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse: Sauberes Wasser, saubere Luft, saubere Böden. Unsere derzeitigen Probleme das Artensterben zu stoppen und die Klimaerwärmung aufzuhalten beweisen uns, dass das Zeitalter der fossilen Brennstoffe beendet werden muss, noch bevor die Ressourcen aufgebraucht werden. Den nächsten Generationen zuliebe. Aber diesmal wirklich!

Text: Anja Grabs

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