14. April 2019

Das Löcknitztal im Landkreis Oder-Spree und der Naturschutzhelfertag 2019

Bild könnte enthalten: Pflanze, im Freien und Natur
Frauenmantel mit Wassertropfen
(Foto: Anja Grabs)
Bild könnte enthalten: 1 Person, lächelnd, steht, im Freien und Natur
Moorexpertin Isabell Hiekel mit einem Handmoorbohrer
(Foto: Anja Grabs)
Bild könnte enthalten: Pflanze, im Freien und Natur
Die Orchideenart Knabenkraut
(Foto: Anja Grabs)
Bild könnte enthalten: Baum, Pflanze, Gras, Himmel, im Freien und Natur
Kalkdurchströmungsmoor im Löcknitztal. Der Boden schwingt, wenn man hier drauf hüpft.(Foto: Anja Grabs)
Bild könnte enthalten: Baum, Himmel, im Freien und Natur
Trockenrasen in unmittelbarer Nähe vom Feuchtbiotop. Viele seltene Tierarten benötigen beide Biotoptypen.(Foto: Anja Grabs)
Bild könnte enthalten: Baum, Pflanze, Himmel, im Freien, Natur und Wasser
Löcknitz mit angrenzendem Moor links und rechts. Der Biber fühlt sich hier besonders wohl.
(Foto: Anja Grabs)

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Natur und im Freien
Milzkraut 
(Foto: Anja Grabs)

Am 14. April 2019 trafen sich zahlreiche Naturschutzhelfer*innen zum Naturschutzhelfertag, der vom Naturschutzbeirat und der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Oder-Spree organisiert wurde. Ich wurde eingeladen, weil ich Naturschutzhelferin des Landkreises bin. Früher habe ich fünf Jahre im Naturschutzbeirat die untere Naturschutzbehörde des Landkreises beraten. Ich bin spezialisiert auf den Wildbienenschutz im Land Brandenburg. 

Vorträge gab es von Dr. Gelbrecht zum Thema Schmetterlingsschutz in Brandenburg sowie von Isabell Hiekel zum Thema Moorschutz.

Nach der Workshopmethode des World-Café, wurden an sieben Thementischen verschiedene Naturschutzthemen vertieft. Danach konnte man zwischen zwei Exkursionen wählen: Moore und Schmetterlinge sowie Frühblüher im Löcknitztal.

Ich habe mir vor Ort ein paar stichpunktartige Notizen gemacht, die für mich persönlich interessant waren bzw. von denen ich denke, dass sie für Leser*innen dieses Blogs interessant sein könnten und keinesfalls das ganze Spektrum an Sichtweisen widerspiegeln:

Buchsbaumzünsler
Sollte man auf keinen Fall mit Pestiziden bekämpfen, sondern einfach abwarten und der Natur ihren Lauf lassen. Nach wenigen Jahren löst sich das Problem mit den natürlichen Gegenspielern von selbst.

Lichtverschmutzung
Es gibt für den öffentlichen Raum insektenfreundliche Leuchten (mit rötlichem Licht), die sich für Straßenlaternen eignen.

Mähen für Blumenwiesen
Am besten mäht man ab Oktober einmal jährlich und räumt das Mähgut ab. Das Abräumen vom Mähgut ist essenziell für die Entstehung von Blumenwiesen (Abmagerung des Bodens).

Verkehrssicherheit
Oft wird gegen Blumenwiesen am Straßenrand damit argumentiert, dass Autofahrer die Rehe nicht erkennen können. So hoch werden Blumenwiesen allerdings gar nicht, dass sie ein Reh verdecken können. Es fehlt hier an Pilotprojekten und Erfahrungswerten.

Blühstreifen
Blühstreifen sind Todesstreifen an Flächen, auf denen Pestizide zum Einsatz kommen. Blühstreifen sind keine Lösung für die Insektenvielfalt. Insekten benötigen vor allem "Fläche".

Landwirtschaft
Es gibt zu viele Regelungen, die es schwierig machen Dinge vernünftig umzusetzen.

Wald im Landkreis Oder-Spree
Nimmt 35 % der Fläche ein. 
Probleme wie Dürren, Stürme, Waldbrände etc. können nur mit einem umfassenden Waldumbau eingedämmt werden.

Insekten
Es fehlt an einem Wissenstransfer: Es gibt zu viele Schottergärten. Gartenbesitzer*innen wissen oft gar nicht, wie schädlich es für die Natur ist, sie so zu versiegeln.

Wettbewerbe
Blühende Dörfer wären eine gute Variante für Kommunen oder Landkreise, den Insektenschutz voran zu bringen.

Moorschutz
Auf torfhaltige Blumenerde muss unbedingt verzichtet werden! Isabell Hiekel sagt dazu: "Kompost ist ein toller Lebensraum." Niemand benötigt Blumenerde, die mit Torf angereichert ist.
Die Nutzung von nassem Mahdgut ist möglich. Vieles wird dazu aktuell erforscht.
Es gibt eine ganz neue Förderrichtlinie für Moorschonende Technik.
Es gibt die Möglichkeit eine Moorfläche aufzugeben, dann entsteht eventuell ein Erlenbruchwald, welcher dem Moor nicht schadet, sondern das Endstadium eines Moores darstellt.
Entwässerungssysteme müssen für einen Moorschutz deaktiviert werden.
Gosener Wiesen sind keine Feuchtwiesen sondern Moore.
Bei den meisten Feuchtwiesen handelt es sich um Moore. 

Weiße Flecken
Die Untere Naturschutzbehörde arbeitet derzeit an der Idee, die landkreiseigene Baumschutzssatzung so zu ändern, dass sie für diejenigen Kommunen gilt, die keine eigene Baumschutzsatzung erstellt haben.

Alleestraße
Die Untere Naturschutzbehörde arbeitet an der Idee einer Alleestraße durch den Landkreis.

Schmetterlinge
Es gibt ca. 2.500 Arten in Brandenburg!
Thymian Spanner ist fast ausgestorben. Die letzten Vorkommen sind hier bei uns in ganz Mitteleuropa. In Polen sind sie bereits verschollen.
Thymian Bläuling ist fast weg in Brandenburg.
Hochmoor Scheckenfalter: nur noch ein Vorkommen in Brandenburg.
Thymian und Oregano eignen sich im eigenen Garten ideal für Schmetterlinge.

Baumschutz
Bei der Ausschreibung muss darauf geachtet werden, dass nicht weniger als 10 Wässerungsgaben gemacht werden und dabei muss auf die Herkunft des Wassers geachtet werden (nicht dass dadurch ein Fließ austrocknet).

Zitat des Tages:

"Manchmal fahre ich morgens zur Arbeit und sehe am Straßenrand einen wunderschönen Baum und wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, steht dort ein Kleiderständer."

- Katrin Schulz, Sachgebietsleiterin uNB über den aktuellen Trend, Bäume an Straßenrändern zu köpfen und ihnen damit jede Würde zu nehmen.

1 Kommentar:

  1. Danke für den guten Überblick, liebe Anja! Ich hoffe, dass Du mit viel bündnisgrüner Energie diese Themen in der neuen Legislatur des Kreistags einbringen kannst!

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