Gosen-Neu Zittau

12. Oktober 2022

World Cleanup Day am 16. September 2023 in Gosen-Neu Zittau

Bonjour tristesse oder grüner Ort? Es gibt viele Gestaltungsmöglichkeiten, um den Natur- und Umweltschutz in der Gemeinde Gosen-Neu Zittau weiter zu entwickeln.
(Foto: Anja Grabs)

Termin

Am 16. September 2023 ist World Cleanup Day: 

Arbeitseinsatz von 10 bis 11 Uhr: Wir sammeln Müll im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See ein. Treffpunkt und Begrüßung: am Ende der Seestraße in Gosen. Bitte mitbringen: Müllsäcke, Handschuhe und/oder Greifer, Gummistiefel sind empfohlen: wir gehen ins Moor. 

4. Oktober 2022

Grundlos alten Baum gefällt - GRÜNE stellt Anzeige

 

Baumstumpf zwischen den Türen.
(Foto: Anja Grabs)


Thomas Schölzchen, Mitglied im Kirchförderverein von Gosen sowie Ausschussvorsitzender der Gemeindevertretung, hat eine ca. 77 Jahre alte Fichte, direkt vor der Kirche fällen lassen. Seine Begründung: Der Baum sah optisch vor dem Kirchengebäude nicht schön aus. Später sprach er zudem von Totholz, dass er unter dem Baum einsammeln musste. Alle Bäume werfen tote Äste, vor allem nach Stürmen, ab. Dieser natürliche Vorgang stellt noch keine Begründung einer Baumfällung dar. Sind tote Äste im Baum besonders dick, können sie präventiv abgeschnitten werden: dies gehört zu einer regulär stattfinden Baumpflege dazu. 

Schölzchen hatte ohne demokratische Abstimmung im Umweltausschuss beschlossen, dass er den Baum fällen lassen möchte. Daraufhin riet Grabs (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ihn danach explizit in schriftlicher Form von dem Vorhaben ab, da die Begründung der Fällung nicht zulässig ist. Ohne auf ihr Anliegen zu reagieren, hat er die Fällung des Baumes veranlasst.

Grabs stellte daraufhin eine Anzeige beim Amt Spreenhagen. 


Durchmesser: ca. 80cm.
(Foto: Anja Grabs)

3. Oktober 2022

Tesla wird nicht mehr Wasser bekommen, als gefördert werden kann

Einer von vielen Seen im Landkreis Oder-Spree. Der Werlsee in Grünheide.
(Foto: Ralf Roletschek)



Hier liste ich stichpunktartig die wichtigsten Informationen aus dem Ausschuss für Bau, Umwelt und Ordnung im Kreistag Oder-Spree vom 14. September 2022 auf. Die dazugehörige Powerpoint finden Sie auf: https://web.landkreis-oder-spree.de/somacos/sessionnet/bi/si0057.php?__ksinr=3799


Laut Kreisverwaltung gibt es keinen Grund zur Panikmache und Alarmismus.


Das Wasser aus dem Hahn ist keine Frage des Grundwasserdargebots, sondern des rechtlich und technisch nutzbaren Wassers des WSE´s. 


Langfristig gibt es einen Handlungsbedarf bezüglich des Grundwassers.


Mittelfristig gibt es Handlungsbedarf in Bezug auf die rechtlich und technisch nutzbare Fördermenge.


Aufgrund des Klimawandels haben wir keinen Einfluss auf die Oberflächengewässer: sie werden vom Grundwasser gespeist.


Grundwasserneubildung findet aufgrund des Klimawandels nicht ausreichend statt.


Es gibt einen erhöhten Wasserbedarf der Landwirtschaft (Bewässerung von Winterweizen).


Tesla wird nicht mehr Wasser bekommen, als gefördert werden kann.


Viele internationale Fake News haben unserer Region geschadet.


Lösungsansätze:


  • Entsiegelung und Versickerung auf den Grundstücken (Jeder!)

  • Waldumbau zu Laubmischwäldern

  • Entwässerungskonzepte für Bauleitplanungen und Ortsteile

  • Niederschlagswassernutzung

18. August 2022

Fischsterben in der Oder - Unser Antrag im Kreistag Oder-Spree

Fischsterben in der Oder 2022
Fischsterben in der Oder 2022
(Foto: Hanno Böck)

 


Folgenden Antrag stellen wir im Kreistag Oder-Spree:

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Betreff: Errichtung einer Ölsperre im Falle von Fischsterben

Beschlussvorschlag:

Wird in Flüssen des Landkreises Oder-Spree ein Fischsterben beobachtet, errichtet der Landkreis innerhalb von 24 Stunden mindestens eine Ölsperre, um tote Fische abzufangen und zu entsorgen. Die Ölsperre sollte soweit flussaufwärts errichtet werden, wie es im Landkreis möglich ist. Die Ölsperre wird dann errichtet, wenn die Ursache des Fischsterbens unklar ist bzw. wenn die Ursache bekannt ist und es sich um Intoxikationen handelt.

Begründung:

Ende Juli 2022 wurden in der Oder vermehrt tote Fische gefunden. In den darauffolgenden zwei Wochen stieg die Anzahl toter Fische rasant an. Der BUND geht von 100 Tonnen verendeter Fische aus.

Mitte August ist die Ursache weiter unklar. Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki geht von Chemie-Abfällen aus, die in den Fluss gekippt wurden.

Während nach Ursachen geforscht wird und auch Ölsperren von Landes- und Bundesebene geplant werden, hätte der Landkreis selbst nach Bekanntwerden eines Fischsterbens innerhalb von 24 Stunden eine Ölsperre errichten können, um unverzüglich tote und somit eventuell mit Chemikalien kontaminierte Fische abzufangen und fachgerecht zu entsorgen. Nur mit Hilfe einer Ölsperre ist eine maximale Entsorgung toter Fische möglich.

Fischt der Landkreis nur tote Fische vom Ufer oder von Booten aus dem Wasser, treiben zahlreiche tote Fische weiter flussabwärts und kontaminieren in weiteren Landkreisen das Flussbett sowie fisch- bzw. aasfressende Tierarten.


Update im September 2022:

Wir ziehen diesen Antrag zurück, weil sich der Ausschuss für Bauen, Umwelt und Ordnung des Kreistages mehrheitlich gegen diesen Beschluss entschieden hat (6 dagegen / 1 dafür / 1 Enthaltung).


17. August 2022

Landkreis Oder-Spree: Fischsterben in der Oder

Fischsterben in der Oder 2022
(Foto: Hanno Böck)


Folgende Antworten habe ich auf meine Kleine Anfrage im Kreistag Oder-Spree am 16. August 2022 erhalten:

Was hat der Landkreis bisher unternommen und was ist noch geplant?

In Abstimmung mit den örtlichen Ordnungsbehörden der kreisangehörigen Kommunen an der Oder hat der Landkreis veranlasst, dass Fischkadaver an der Oder durch Haupt- und ehrenamtliche Kräfte geborgen werden. Hierfür wurden Entsorgungsbehälter und persönliche Schutzausrüstung bereitsgestellt. Die Entsorgung befindet sich aktuell in Klärung und erfolgt auch durch den Landkreis, wahrscheinlich als Sondermüll. Ferner wurde am Freitag eine Allgemeinverfügung erlassen, mit der die landseitige Nutzung der Oder vorsorglich untersagt wurde.

Gestern habe ich zudem entschieden, den Verwaltungsstab einzuberufen, der heute erstmals getagt hat. In diesem wurden insbesondere Maßnahmen ergriffen, welche sich mit der Sicherheit von Brunnen, Lebensmitteln und Tierfutter befassen. 

Wie sieht der Austausch mit den polnischen Behörden aus? Gibt es Kooperationen mit Polen?

Der Landkreis arbeitet nicht mit polnischen Behörden zusammen. Die Zuständigkeit liegt hier bei Land und Bund. Auf dieser Ebene sind wohl unterdessen mehrere Arbeitsgruppen gegründet worden. Anfragen polnischer Stellen aller Hierarchieebenen werden - von unseren Partnerlandkreisen abgesehen - nur noch über das Land beantwortet.

Wie sieht die Vernetzung des Landkreises mit der Bundes-, Landes- und Gemeindeebene zu dem Thema aus?

Bereits in der vergangenen Woche haben die Stadt Eisenhüttenstadt und die Ämter Neuzelle und Brieskow-Finkenheerd intensiv mit dem Landkreis kooperiert. Nunmehr sind sie Mitglieder des einberufenen Verwaltungsstabes. Der Landkreis ist zudem Teilnehmer der Telefonkonferenzen des MLUK mit den betroffenen Kreisen, der kreisfreien Stadt Frankfurt/Oder und den zuständigen Stellen der Landesverwaltung sowie der Bundeswasserstraßenverwaltung.

Gibt es weitere Gremien in denen der Landkreis beteiligt wird?

In weiteren Gremien ist der Landkreis nicht beteiligt. 

7. August 2022

Feinstaub in Seoul, Südkorea

Seoul - Kein Dunst am Horizont, sondern Feinstaub.
(Foto: Anja Grabs)



SEOUL - Viele Koreaner*innen glauben, dass der Feinstaub aus China kommt. Zumindest im Frühling entspricht diese Aussage seit 2000 Jahren der Wahrheit. Der sogenannte “Yellow Dust”, also der “Gelbe Sand” kommt als Wetterphänomen regelmäßig im Frühling aus der Wüste Nordchinas nach Korea und färbt dann den Himmel und auch gewaschene Kleidung Gelb. Die Feinstaubbelastung kann dann so hoch sein, dass ein Verlassen des eigenen Zuhauses nicht mehr und wenn dann nur mit Feinstaubmaske möglich ist. Denn das Einatmen von Feinstaub ist für die Gesundheit kein Scherz. Es gibt Feinstaubpartikel, die sich in der Lunge absetzen und dann gibt es so kleine Feinstaubpartikel, die direkt in den Blutkreislauf eindringen. Krebs ist nur eine Krankheit, die dadurch verursacht werden kann. Die Sterblichkeitsrate bei Asthmatikern steigt in Zeiten des Gelben Sandes um 1,7 % an. Die Liste der Krankheiten kann sehr lang fortgesetzt werden, es sind u.a. auch Frühgeburten zu benennen.


Dazu kommen die wirtschaftlichen Folgen. Um einen Jumbo Jet vom Gelben Sand zu befreien, benötigt man 6000 Gallonen Wasser und 6 Stunden Arbeit (Quelle: The Korea Times). Die Sicht ist eingeschränkt, was zu Ausfällen im Flug- und Straßenverkehr kommt. 


Aufgrund von zahlreichen Ursachen wachsen die Wüsten weltweit jährlich an, so dass der Yellow Dust weiterhin ein großes Problem darstellt, womit die Koreaner*innen im Frühling zu kämpfen haben. 


Südkorea hatte den Fehler begangen, sich zu lange auf der Begründung auszuruhen, dass China Schuld hat. Niemanden muss gesagt werden, dass China darüber not amused ist und durch seine Minister verlauten ließ, dass sich Südkorea doch mal lieber mit seinen eigenen Feinstaub-Ursachen auseinandersetzen sollte. 


Wer Seoul besucht, sieht es auf den ersten Blick. Die Stadt liegt in einem Tal und ist von Bergen umgeben. Dazu kommen zahlreiche Wolkenkratzer. Die Stadt liegt somit in einem Kessel und der Feinstaub hat keine Möglichkeit mit Hilfen von Winden weggetrieben zu werden. Die Luft “steht” und wird weiter angereichert mit Abgasen. Die Abgase entstehen durch den Auto- und Motorradverkehr. Und wenn abends alle ihren Feierabend machen und die Autos eingeparkt sind, beginnen die Motorräder ihren Hauptbetrieb bis tief in die Nacht. Sie sind mit großen Kisten ausgestattet in denen Essenslieferungen transportiert werden. Koreaner*innen sind Weltmeister in Essenslieferungen und behaupten auch, dass sie es selbst erfunden haben. Trinkgeld gibt es in Korea nicht, so dass die Bestellungen online bezahlt werden. Dann wird an der Haustür geklingelt, das Essen dort abgestellt und der Fahrer verschwindet sofort wieder, um die nächsten Kunden zu beliefern, man bekommt die Fahrer*innen gar nicht zu Gesicht. 


Ich war 13 Tage lang in Seoul, in denen die Feinstaubbelastung an 12 Tagen über 50 und manchmal über 100 lag. Feinstaubmasken gibt es in den gleichen Regalen neben Corona-Masken überall zu kaufen. Der Normalbereich von Feinstaub liegt bei 0 bis 50. Zum Vergleich: In Deutschland ist gesetzlich geregelt, dass die Feinstaubbelastung in Städten an höchstens 35 Tagen pro Jahr über 50 sein darf. Stuttgart liegt ebenfalls in einem Tal und hatte das gleiche Problem wie Seoul: die Feinstaubbelastung war dauerhaft zu hoch. Durch zahlreiche Veränderungen hat es Stuttgart mittlerweile geschafft, dauerhaft saubere Luft zu haben. Radwegebau und Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs sind nur zwei von vielen Lösungen in Stuttgart.


Seoul scheint mittlerweile aufgewacht zu sein und fängt nun an gegen den Feinstaub etwas zu unternehmen. Parallel wurde die Stadt von 20 Student*innen verklagt, die aussagen, dass sie aufgrund der Feinstaubbelastung unter Konzentrationsstörungen leiden und somit nicht richtig in der Stadt studieren können. Dazu kommen 44.000 Mütter, die sich zusammengetan haben und “Dust Out” fordern: Sie fordern eine saubere Luft für ein gesundes Aufwachsen ihrer Kinder. 


Den richtigen Bürgermeister scheint es inzwischen dafür zu geben:


“Ich träume von einer Stadt, in der die Bürger*innen in Seoul in der Innenstadt spazieren gehen und Bäume und Wälder sehen. … Die Stadt wurde von Anfang an falsch geplant.”


Oh Se-hoon (Bürgermeister von Seoul mit 10 Mio. Einwohner*innen)


Was Seoul gegen den Feinstaub unternimmt:


  • Transparenz: Ausreichend Messstationen informieren die Seoulit*innen über die aktuellen Feinstaubwerte

  • Geplant sind Luftfilter in öffentlichen Gebäuden, wie z.B. Schulen

  • An Tagen mit hoher Feinstaubbelastung gibt es ein Diesel-Fahrverbot

  • 2018: An drei Tagen war die Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel kostenfrei: ohne nennenswerten Effekt für die Luftwerte

  • Mehr Fußgängerzonen

  • Mehr Fahrradwege

  • Weniger Dieselfahrzeuge

  • Aufklärung von illegal verursachten Luftverschmutzungen mit Hilfe von unbemannten Fluggeräten

  • Mehr Elektrofahrzeuge: Busflotten werden aktuell auf Elektro umgestellt, Autos und Motorräder sollen zukünftig ebenfalls vor allem elektrisch unterwegs sein (dafür wird u.a. eine Infrastruktur geschaffen)


Was China gegen den Feinstaub unternimmt:

  • Grüne Mauer: Bis 2050 werden 350.000 Quadratkilometer Land zusätzlich bepflanzt (Die Fläche der Bundesrepublik Deutschlands / Kritik an dem Projekt: Es handelt sich um eine für Krankheiten anfällige Monokultur aus nichteinheimische Pappeln und Tannen, die den Grundwasserspiegel weiter absenken könnten. 5000 Quadratmeter werden jährlich durch den Asiatischen Laubbolzbockkäfer befallen.)


Was Seoul gemeinsam mit China unternimmt:

  • künstlicher Regen über dem Gelben Meer (Dies ist aus meiner Sicht ein riesiger Fehler. Dadurch wird die Ursache des Feinstaubes nicht bekämpft. Zudem wird dadurch eine künstliche Umweltkatastrophe ausgelöst, indem der giftige Staub das Leben im Meer abtötet.)


Was Seoul tun müsste:

  • ab spätestens 2030 keine Fahrzeuge, wie Busse, Autos und Motorräder neu zulassen, die nicht elektrisch sind

  • Neubauten nur genehmigen mit einer Kombination aus: Gründach mit Solarenergie 

  • Neubauten nur genehmigen mit Fassadenbegrünung in den unteren 15 Metern auf allen Seiten, ab 15 Meter bis zum Dach: mit Fassaden-Solarenergie auf der Südseite des Gebäudes

  • sich für einen raschen Kohleausstieg in der Republik Südkorea einsetzen

  • statt künstlichem Regen, sich gemeinsam mit China an der Aufforstung der Grünen Mauer in China beteiligen: mit einheimischen chinesischen Baumarten (Mischwald, keine Monokultur)

  • Für Indoor-Pflanzen werben, um die Luft in den Häusern zu reinigen und Sauerstoff zu produzieren. Viele Koreaner*innen verwenden elektrische Luftfilter, die zwar Schadstoffe aus der Luft holen, aber keinen Sauerstoff produzieren. (s. Nasa-Studie)

11. Juni 2022

Warum die Wildschweinjagd als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest nicht wirkt - und Zäune eigentlich auch nicht

Herbst 2020 (Updates s. unten)
Die Afrikanische Schweinepest verbreitet sich mit Hilfe von Wildschweinen in einer Geschwindigkeit von 200 km pro Jahr. Demnach müsste sie im Landkreis Oder-Spree nächstes oder übernächstes Jahr aus Polen eindringen, wenn es keine Zäune zur Abwehr von Wildschweinen gäbe. Theoretisch.

Zäune
Der Landkreis Oder-Spree kontrolliert täglich 42 Kilometer lange Zäune, um Wildschweine aus Polen daran zu hindern in den Landkreis einzudringen. Diese Zäune sind eine gute ethische Lösung, um das Virus von Wildschweinen in Deutschland fernzuhalten.

Doch wie sicher sind diese Zäune? Schauen wir uns hierzu die Grenzübergänge an. Wenn nachts wenig Zugverkehr herrscht, schaffen es die Wildschweine über die Eisenbahnschienen nach Deutschland. Wildschweine aus Polen könnten den Weg somit in diese Richtungen wandern:

Tantow - Szczecin-Gumience
Küstrin-Kietz - Kostrzyn
Frankfurt (O) - Kunowice
Guben - Gubin
Forst - Zasieki

Schaffen es die Wildschweine nicht über die Schiene nach Deutschland, könnten sie dafür die Straße wählen. Dafür stehen ihnen zahlreiche Grenzübergänge alleine zwischen Brandenburg und Polen zur Verfügung:

Rosow
Mescherin 
Schwedt/Oder
Hohenwutzen
Küstrin/Kietz
Frankfurt Oder Stadtbrücke
Frankfurt Oder Autobahn
Neißemünde, Ortsteil Coschen, Grenzbrücke Neißewelle
Guben Stadtbrücke
Guben, Gubinchen
Forst
Forst Autobahn

Die Sinnhaftigkeit dieser Brücke aus EU-Geldern wurde heiß diskutiert: Die wenig befahrene Brücke von Coschen nach Polen. Auf deutscher Seite idyllisches Dorf. Auf polnischer Seite Natur. Ein bequemer Übergang für Wildschweine.
(Foto: Andreas Lippold)







Die Jagd auf gesunde Populationen, so wie sie im Landkreis Oder-Spree durchgeführt wird, ist unwirksam als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest. Dadurch werden die Ressourcen in vermeintlich wildschweinfreien Zonen freigegeben, die zu überdurchschnittlichen Vermehrungsraten führen. Solche Gebiete werden schneller von Wildschweinen neu besiedelt, als ein Jäger schießen kann. Um ein von der Afrikanischen Schweinepest betroffenes Gebiet vom Virus zu befreien, muss es für 190 Tage durchgehend wildschweinfrei bleiben. 
Um diese subjektive Ohnmacht zu überwinden, dass der Mensch nicht mehr mit der Jagd hinterherkommt, denkt man sich immer neue Jagdmethoden aus. Aktuell werden Lebendfallen im Landkreis als neuestes Mittel eingesetzt werden, um noch mehr Wildschweine zu töten. 

Warum die Wildschweinpopulation in den vergangenen Jahren so rasant gestiegen ist, hat mehrere Ursachen:

1. Im Jahr 2019 nahm der Maisanbau in Brandenburg um 7 % im Vergleich zum Vorjahr zu. Es wurden 228.600 ha Mais angebaut. Ich denke mehr muss man über dieses Lieblingsfutter von Schweinen überhaupt nicht sagen. Vielleicht noch eins: Im Mais finden die Wildschweine ideale Rückzugsorte. Sie sind dort für den Jäger fast unsichtbar. 

2. Die Jagd wird vor allem mit Hilfe von Kirrungen (Lockfütterungen) durchgeführt. Theoretisch dienen Kirrungen nur als Lockmittel. Praktisch fressen Jungtiere davon und werden dadurch ein ganzes Jahr zu früh geschlechtsreif. Daher entsteht der Teufelskreis: vermehrte Jagd - vermehrte Kirrungen - verfrühte Geschlechtsreife - höhere Wildschweinvorkommen.

3. Wird durch die Jagd ein Revier frei, reagieren Wildschweine mit erhöhter Fruchtbarkeit. Sie bringen dann mehr Jungtiere zur Welt. Ein weiterer Teufelskreis entsteht: freie Reviere - erhöhte Fruchtbarkeit - mehr Jungtiere - höhere Wildschweinvorkommen.

4. Klimawandel: Durch die immer häufiger aussetzenden und milder werdenden Winter, erhalten Wildschweine optimale Nahrungs- und Deckungsmöglichkeiten. Eichen- und Buchenmastjahre treten klimabedingt immer häufiger auf. 

Die Liste könnte man hier noch viel weiter fortführen. Fakt ist, dass sich aktuell Wildschweine, aufgrund der menschengemachten Bedingungen, optimal ausbreiten können. Ein Ende der Ausbreitung ist derzeit nicht in Sicht. Subjektiv wird das aktuelle Vorkommen von Wildschweinen zumeist als zu hoch eingestuft. Die Landwirte klagen über Ernteausfälle. Gärtner über umgegrabene Gemüsebeete. 

Muss der Jäger die Wildschweinpopulation eindämmen?
Ganz klar: Nein! Die Natur reguliert sich von selbst. Wenn der Jäger nicht eingreift, wird es zu einer natürlichen Regulierung kommen. Die Anzahl der Wildschweine wird sinken, wenn sinnvolle präventive Maßnahmen stattfinden. 

Aktuelle präventive Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Wildschweinen:

1. Jagd. (seit Jahrzehnten ohne Erfolg)

2. Zäune an der Grenze zu Polen. (ohne Erfolg)

Als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest im Landkreis Oder-Spree sind stattdessen folgende Maßnahmen sinnvoll:


- die Jagd muss auf ein absolutes Minimum reduziert werden, um gesunde Populationen zu erhalten, die durch den fehlenden Jagddruck an weniger Stress leiden und somit ein gutes Immunsystem aufbauen können. Grundsätzlich gilt, das Überlebende von Seuchen den genetischen Widerstand gegen ein Virus erhöhen. Durch ein geschwächtes Immunsystem jedoch, können sich die Tiere leichter infizieren. 

- Kirrungen sind im Landkreis komplett einzustellen oder zumindest nur auf einer Höhe von 70cm vorzunehmen (Bachentisch), so dass Frischlinge keinen Zugang dazu haben.

- Tests: bei Fall- und Unfallwild

- Aufklärung: Aufklärungsmaterial zum Thema: "Entsorgung von Schweinefleisch" für den Download im Online-Bereich des Landes und der Landkreise. 

- Aufklärende Beschilderung an Autobahnparkplätzen, damit Wildschweine nicht an infizierte Essensreste gelangen

- Elektrozäune beim Maisanbau

- Risikoampel der Universität Vechta: Regelmäßige Werbung bei Schweine-Betrieben dieses Hilfsmittel zu nutzen, um präventiv arbeiten zu können.

- Förderung der natürlichen Fressfeinde in Deutschland:
Wolf
Fuchs
Uhu
Wildkatze
Luchs

Impfstoff
Aktuell liefern sich einige Länder, darunter vor allem China und die USA ein Kopf-an-Kopf Rennen in der Impfstoffforschung. Erste Erfolge können in der Forschung zur Kenntnis genommen werden. Bis es zu einem kommerziellen Impfstoff kommt, werden noch einige Jahre vergehen. 

Zum Weiterlesen
Eine weiteres Epidemiethema, zu dem ich ein Buch veröffentlicht habe:
Der Fuchsbandwurm in Deutschland und wie wir ihn ausrotten können von Anja Grabs

Pressebericht vom 27.04.2020
MOZ: Oder-Spree setzt auf Lebendfallen zur Wildschweinjagd

Update am 5. Mai 2020
Bei Ratzdorf sind Wildschweinrotten unterwegs. Zwischen Kraftwerk und Mülldeponie in Fürstenberg, kommen Wildschweine über die Oder. Fürstenberg ist nicht eingezäunt in Richtung Oder. Dort wird aktuell mit Vergrämung gearbeitet. 

Update am 9. September 2020
Der 1. Fall der Afrikanischen Schweinepest wurde im Landkreis Spree-Neiße festgestellt. Am 10. September 2020 wird der Landkreis Oder-Spree eine Krisensitzung halten.

Update am 21. April 2021
Die ASP existiert im Landkreis Oder-Spree seit 224 Tagen. Es wurden 528 Ausbrüche im Landkreis amtlich bestätigt. 230 Quadratkilometer wurden in vier Gebieten eingezäunt. Im Land Brandenburg gelten 2.400 Quadratkilometer als gefährdetes Gebiet. 2021 wurden 32 Mio. Euro im Haushalt des Landes für Zäune und Unterstützung der betroffenen Landwirte eingestellt. Im Landkreis Oder-Spree gibt es 99 Schweinehalter mit 27.700 Tieren. Das Veterinäramt im Kreis Oder-Spree zeigt sich optimistisch und hofft auf eine Stagnation der Ausbreitung mit Hilfe von Zäunen, Jagd und Fallwildsuche. 

Update am 1. Juni 2022
Auf einem Sonderkreistag zum Thema Landwirtschaft des Landkreises Oder-Spree, meldeten sich ausschließlich konventionelle Landwirte zu Wort. Sie verwiesen überwiegend auf die globale Landwirtschaft ohne anzuerkennen, dass sich die Nachfrage nach Regionalität und Biolandwirtschaft in einem Dauertrend im starken Wachstum befinden.