10. April 2020

DDR Müll im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See

Die Natur gewinnt immer. Wenn der Mensch sie zunichte gemacht hat, wird sie sich das zurückholen, was ihr zugesteht. Weil der Mensch das nicht versteht, begibt er sich in einen ständigen Kampf mit der Natur.

Die Natur einfach mal machen lassen, dafür wurden Naturschutzgebiete erfunden und ihre Existenz ist so wichtig. 

Schauen wir uns kurz die Geschichte des Naturschutzgebietes Wernsdorfer See an:

Vor 1931
Hier gab es früher keine Bäume, die Gegend war sandig und mit Wanderdünen versehen. Wenn man sich in Gosen Trampelpfade ansieht, dann sieht man wie sandig der Boden hier überall einmal ausgesehen hat. 
So hat der Mensch an der heutigen Wernsdorfer Deponie erstmal Sand und Kies abgebaut. Bis zu einem tödlichen Unfall, danach wurde der Betrieb 1931 eingestellt.

1931 
In die Sandgrube warfen die Leute ihren Müll. Aus heutiger Sicht ist dieses Verhalten befremdlich, aber damals wusste man es nicht besser. Im Jahr 1967 wurde das Gebiet zum Naturschutzgebiet ernannt. Dieser Schutzstatus schützte den Boden allerdings nicht vor weiterer Vermüllung. Der Müllberg wuchs weiter an. 

nach 1945
Der Wernsdorfer See wird mit Trümmern, Müll und Asche zugekippt. Der See verkleinert sich dadurch um 25 %. 

1982
Die Deponie erhielt den Status "geordnete Deponie". Dennoch wurden im großen Maße Müllablagerungen im umgebenen Naturschutzgebiet vorgenommen. Der Müll befindet sich bis heute dort. 

2005
Die Abfalllagerung wurde eingestellt. 

2009 bis 2013
Die Mülldeponie wird renaturiert. Die hohen Kosten dafür müssen die Berliner mit ihren Müllgebühren bezahlen. Ein kleiner Teil der Renaturierungskosten (eine halbe Million Euro) wird mit dem Gewinn bezahlt, der aus Gas zur Stromerzeugung direkt auf der Deponie gewonnen wird.

2020
Das Naturschutzgebiet war immer sumpfig gewesen, doch seit diesem Jahr steht das Wasser noch höher als sonst. Der See holt sich das zurück was ihm gehört. Die ersten Bäume ersaufen und kippen um. Der Wernsdorfer See ist ein Niedermoor. Der Anblick der umgekippten Bäume lässt das Herz eines jeden Moorschützers höher schlagen. Das Moor durchlebt eine autogene Regenerierung. Es erholt sich quasi von selbst. Ohne, dass der Mensch eine technisch gesteuerte Renaturierung durchgeführt hat. Durch diesen Prozess, bei dem das Wasser nach oben aus den Boden gedrückt wird, kommt der ganze Müll zum Vorschein, der dort seit über 31 Jahren gelegen hat. Die Ausmaße sind immens. 

bis 2043
Die Mülldeponie Wernsdorfer See ist eingezäunt. Sie befindet sich in der Nachsorge und wird ständig überwacht. Aktuell wurde ein zusätzlicher Elektrozaun angebracht, um Wildschweine fernzuhalten. Das Betreten der Deponie ist verboten. Für die Öffentlichkeit werden unregelmäßige Führungen angeboten. 

Bitte um Mithilfe
Aktuell habe ich eine Kleine Anfrage im Kreistag Oder-Spree laufen, um herauszufinden, wer für die Beseitigung des Mülls verantwortlich ist und wann hier gehandelt wird. Im FFH Managementplan steht fälschlicherweise nichts von Umweltverschmutzung drin. Hier besteht also Handlungsbedarf. Solche Aufrufe sind wichtig, denn Eigentum verpflichtet nicht ohne Grund. Wir Bürgerinnen und Bürger sind offiziell nicht dafür zuständig den Müll auf anderen Grundstücken oder Naturschutzgebieten zu beseitigen. Daher empfehle ich parallel zur Müllsammlung immer eine Anfrage an das Ordnungsamt, wer für die Fläche verantwortlich ist und dass der Eigentümer handeln muss. Es gibt dennoch Flächen, wie z. b. bei Erbengemeinschaften, wo der Aufwand jeden Eigentümer zu ermitteln und anzufragen größer ist, als den Müll selbst einfach regelmäßig wegzuräumen.

In der Zwischenzeit würden theoretisch Arbeitseinsätze Sinn machen, um die Abfälle einzusammeln bevor sie vom Moor verschluckt werden. Unklar ist auch, ob das Wasser bleibt und noch weiter ansteigt oder die Fläche immer wieder trocken fällt. Aufgrund der Dürre der letzten Jahre vermute ich jedoch, dass das Wasser weiter ansteigen wird, weil das Moor grundwassergespeist ist und das Wasser offensichtlich momentan unabhängig von Dürren weiter ansteigt. Die Durchlässigkeit zum Kappstrom und damit zur Spree ist unklar. Vielleicht steigt das Wasser auch, weil der Kappstrom "verstopft" ist? Bei Moorrenaturierungen werden Gewässer u. a. auch zugeplombt, um das Wasser im Gebiet zu halten. Ich bin gespannt, wie sich das Gebiet im Sommer 2020 verändern wird.

Da aufgrund der Coronakrise aktuell keine Gruppen-Arbeitseinsätze möglich sind, habe ich die Facebookgruppe "Die Aufheber in Gosen-Neu Zittau" gegründet. Inspiriert von der deutschlandweiten Facebookgruppe "Die Aufheber", werden hier die persönlichen Müllsammelaktionen porträtiert. Die Seite lädt zum gemeinsamen Austausch ein und soll zum Mitmachen motivieren. Nach der Coronakrise können hier auch gemeinsame Arbeitseinsätze schnell und unkompliziert geplant werden. Es könnte gut sein, dass gerade die Müllablagerungen im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See zu den interessantesten Müllablagerungen in Deutschland gehören. Hier finden sich Dinge an, die ehemalige DDR Bürger an früher erinnern und die Generation nach 1989 in Staunen versetzen. 

Für private Sammelaktionen alleine oder mit der Familie, eignet sich jeden Monat der Tag vor der Müllabfuhr in der Gemeinde. Man kann dabei schauen, wieviel Platz noch in der eigenen Mülltonne ist und diese noch mit eingesammelten Müll voll machen, so dass sie am nächsten Tag dann damit abgeholt wird.

Weil morgen der Müll abgeholt wird, habe ich heute mal im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See Müll gesammelt, weil in meiner eigenen Mülltonne noch jede Menge Platz war. Ich werde zudem meine 120 Liter Mülltonne mit einer 240 Liter Mülltonne umtauschen lassen. Das kostet mich nur 3,01 Euro mehr pro Monat bzw. pro Müllsammlung und verschafft mir so jeden Monat garantierten Platz in meiner Tonne und maximale Unabhängigkeit von bürokratisierten Abfallbeseitigungdiensten (obwohl wir diese in Zukunft anfragen können, wenn wir gemeinsame Arbeitseinsätze planen).

Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte von Zeitzeugen freuen, die die Deponie noch zur aktiven Zeit erlebt haben und auch wissen, wie die Müllverbreitung im Gebiet ausgesehen hat. Vielleicht sogar mit alten Fotos? kontakt@anja-grabs.de 

DDR Müllablagerungen im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See

Naturschutzgebiet Wernsdorfer See

Anja Grabs

Tropfen auf dem heißen Stein. Müllsammlung im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See.

Makrelen Filet. Die Farben sehen so aus, als wäre die Verpackung eine Woche alt und nicht über 31 Jahre.

DDR Trink-Vollmilch Verpackung. Die Farben sind verblasst, das Plastik hat nach über 31 Jahren einige Löcher.

Leuchtende Farben nach über 31 Jahren in der Erde.

Heringsfilet für 1 Mark und 35 Pfennig.

Alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk Vipa.

100 ml blanka Effekt Wäschesteife für 95 Pfennig.

Gewürz Salz mit englischer Übersetzung? Exportierte die DDR dieses Produkt?

Presseberichte




1 Kommentar:

  1. Bei einem frühmorgendlichen Spaziergang habe ich mich auch gewundert, als ich Gläser, wie man sie vielleicht in Laboren oder Apotheken verwendet, unter einer großen Kastanie, halb im Sand, entdeckte. Hatte mir ein paar mitgenommen und zu Hause gereinigt. Hier im Gosener Gartenhaus nutze ich sie als Vasen oder Kräuterbehälter. Ich war nicht informiert über das Müllproblem, ich kenne nur den großen offiziellen Müllberg.

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