18. November 2020

Insektensterben im Landkreis Oder-Spree

Erdhummel an Sandthymian.
Foto: Anja Grabs

Mich erreichen immer wieder E-mails von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Landkreis Oder-Spree, die das widerspiegeln, worum wir in unserer politischen Arbeit bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN streiten. Anregungen aus dem Landkreis helfen uns aktuelle Themen aufzugreifen. Gerne können Sie mir schreiben: kontakt@anja-grabs.de , wenn es um aktuelle ökologische Themen im Landkreis Oder-Spree geht, die Sie bewegen. In diesem Jahr erreichte mich unter anderem diese E-mail (mit freundlicher Genehmigung der Veröffentlichung):

Sehr geehrte Grüne Kreistagsabgeordnete,

das Insektensterben hat in diesem Jahr noch erheblich zugenommen. Viele Arten traten überhaupt nicht mehr auf.
Seit dem es keine Stilllegungsflächen mehr gibt, hat sich das Problem erheblich verschärft.
Wir benötigen unbedingt dauerhafte Stilllegungsflächen, um den Insekten die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt zu ermöglichen.
Die Blühstreifen neben mehrmals gespritzten Mais, Raps oder Getreidefeldern finde ich absolut falsch, das schadet den Insekten mehr als das es ihnen hilft.
Des weiteren wird die Klimaerwärmung katastrophale Ausmaße annehmen. In meinem Wohnort in Kolpin ist der Grundwasserspiegel in den letzten 30 Jahren von 5 Metern auf 24 Meter gesunken. Unsere beiden Seen haben 1,80 Meter Wasserhöhe verloren. Der Kleine Kolpiner See ist so gut wie ausgetrocknet, der Große Kolpiner See
wird in ca. 3 Jahren leer sein. Am Kleinen See wurde erst vor ein paar Jahren eine Amphibienleiteinrichtung gebaut, umsonst.
Am Großen Kolpiner See befinden sich zwei Campingplätze, für den einen Campingplatz wurde erst in diesem Jahr eine 1500 Meter lange Straße asphaltiert.
Wenn der See leer ist, wird dort niemand mehr seinen Urlaub verbringen wollen und die Straße wurde umsonst gebaut. Abgesehen von dem wirtschaftlichen Schaden ist es eine ökologische Katastrophe und das wird mit allen Brandenburger Seen passieren, die keinen Wasserzulauf haben.
Jeder Tropfen Wasser muss unbedingt hier bleiben. Warum wird z.B. das geklärte Abwasser vom Storkower oder Fürstenwalder Abwasserwerk in die Spree geleitet und darf nicht hier versickern um unseren Grundwasserspiegel anzuheben und damit unserer Flora und Fauna zu helfen. Das Umweltamt erklärte mir, das dass eine Vorschrift der EU ist.
Das Fürstenwalder Abwasser wird in die renaturierte Müggelspree geleitet, das ist ein FFH Gebiet, das ist für mich völlig widersprüchlich, denn vor allem Medikamente  und zu hohe Nährstoffeinträge wirken sich negativ auf die Tier und Planzenwelt aus. Der Schaden an unseren Wäldern durch die anhaltende Trockenheit wird sich wohl nicht aufhalten lassen, der Waldumbau kommt viel zu spät und wird durch die Trockenheit wohl kaum gelingen.
Ich hoffe, das Sie durch ihre Arbeit dazu beitragen können, unsere Ämter und Gemeinden zu einem bewussteren Umgang mit ihren Flächen zu verhelfen.
Wann kommt endlich der Waldumbau, Frau Ministerin Klöckner hatte Millionen Euro versprochen ?

- wo es nur geht, das Wasser zurückhalten
- öffentliche Grünflächen extensiv bewirtschaften, nur zwei Mal in Jahr mähen und nicht düngen
- Aufklärungsarbeit für private Gärten um zubetonierte und völlig unökologische Gartengestaltungen zu vermeiden
- ökologischen Landbau fördern
- Stilllegungsflächen, Feldreine und Kleinstgewässer fördern

Mit freundlichen Grüßen

H. Ch.

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5. November 2020

Landkreis Oder-Spree startet echte Energiewende und hebt sie fünf Jahre später wieder auf

Vorbild Chicago: Gründach auf dessen Rathaus.                                                       (Foto: TonyTheTiger)


Im Jahr 2015:
Der Landkreis Oder-Spree muss jedes seiner kreiseigenen neu zu bauenden Gebäude mit Photovoltaik und bei Bedarf Solarthermie ausstatten, wenn die Wirtschaftlichkeitsberechnung dafür positiv ausfällt. Ist dies nicht der Fall, kommt ein Gründach zum Einsatz, so dass alle neuen Dachflächen im Sinne der Energiewende sinnvoll und ökonomisch genutzt werden.

Dies wurde im Kreistag im Dezember 2015 aufgrund eines Antrages von Anja Grabs (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen & Piraten) beschlossen und das erste davon betroffene Gebäude befindet sich derzeit in der Beratungsfolge des Kreistages: Der Neubau eines Verwaltungsgebäudes für das KWU Entsorgung in Fürstenwalde kommt am 6. April als Baubeschlussvorlage in den Kreistag und wurde bereits in der Planung einer Wirtschaftlichkeitsberechnung für Photovoltaik unterzogen, die positiv ausfiel. Die Kosten dafür von 15.000 Euro werden sich nach 13 Jahren amortisieren, so dass ab diesem Zeitpunkt Stromkosten in erheblicher Höhe eingespart werden können.

Etwas Kritik kam dennoch von der bündnisgrünen Abgeordneten Anja Grabs im Bauausschuss, die den Energiewendeantrag im Dezember initiiert hatte. „Das KWU Gebäude hat zwei Dachflächen, wovon die voll besonnte die Photovoltaikanlage erhält. Die zweite Dachfläche liegt im Schatten, so dass sie mit einem Gründach hätte ausgestattet werden können. Diese Möglichkeit hatte die Verwaltung zwar besprochen, sich dennoch dagegen entschieden, weil sie sich bei diesem Neubau auf die Photovoltaik konzentrieren möchte. Da es sich um ein Gebäude handelt und nicht um zwei, widerspricht das Amt dem damaligen Beschluss zwar nicht, hätte sich dennoch freiwillig für ein Gründach auf dem zweiten Dach entscheiden können. Bis Gründächer zur Normalität werden und die Stadtbilder und das Klima für jeden verbessern, dauert es eben noch seine Zeit.“, so Grabs.

Update von Anja Grabs 2020:
Am 7. Oktober 2020 hat der Kreistag gegen meine Empfehlung mehrheitlich beschlossen, den o.g. Beschluss zu streichen, um zukünftig Gebäude nach der BNB Bewertungsmethode im Silber-Standard zu bauen. Ich wies darauf hin, dass sich diese beiden Beschlüsse nicht behindern, sondern vielmehr ergänzen. Bei der BNB Bewertungsmethode werden Gebäude zu lediglich 22,5 % ökologisch gebaut. Es wird sich zeigen, ob dies ausreicht, um sie mit 100 % erneuerbaren Energien zu versorgen und ob durch Gründächer oder Fassadenbegrünung an den Klimaschutz gedacht wird. Das Bauen von Gründächern ist seitens der Verwaltung mit der Aussage: "Wir können nicht auf Teufel komm raus Gründächer bauen!" nicht gewollt - sie empfahl unseren Beschluss aufzuheben.

Die Frechheit der Bäume (Glosse up for grabs)

Autumn at IU
Auch Straßenbäume und Bäume in Parks benötigen ihr eigenes Laub als Langzeitdünger.
(Foto: StevenW.)


Im Herbst besitzen Bäume die unglaubliche Frechheit ihre Blätter abzuwerfen und die Menschen damit unnötig zu schikanieren, die sich nun genötigt fühlen nichts, aber auch gar nichts, zu unterlassen, um den Feind „das Laub“ zu beseitigen.

Denn das Statussymbol Garten erlebt nun seinen zweiten Höhepunkt im Jahr. Nachdem der englische Rasen auf deutschem Boden täglich gemäht wurde und jedes Kleeblatt, selbst wenn es vierblättrig war, per Pinzette entfernt und missmutig zerstört wurde, muss nach dem Feind „das Unkraut“ nun das Laub beseitigt werden. Je kleiner der Garten, desto größer erscheint jedes unerwünschte Laubblatt.

Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, um nun Laubsäcke aus Plastik zu besorgen. Eine Urlaubswoche in den Herbst verlegt hilft den Gärtner nun, seine Arbeitswoche einzutauschen in eine Woche mit mindestens 50 Arbeitsstunden der Laubentsorgung. Die Gemeinden sind überfordert mit der Bestellung der Plastiklaubsäcke, denn wieviel Laub die Bäume jedes Jahr abwerfen und wieviele Säcke von den Bürgern abgeholt werden, ist nicht planbar. Und wie man Nachfrage im voraus plant, haben die Ostdeutschen mittlerweile verlernt (oder noch nie beherrscht). Bestellt die Gemeinde also Laubsäcke entweder zu spät oder gar nicht oder gehen ihr die Plastiklaubsäcke aus, ist das Drama bei den Bürgern vorprogrammiert. Bis in den ganzen Winter hinein wird sich nun aus den Gästereihen der Gemeindevertretersitzungen über die Laubsäcke aufgeregt. Und wann werden die vollen Säcke eigentlich abgeholt? Das sind alles Fragen, die immer wieder gestellt werden und somit zu den beliebten Dauerbrennern gehören.

Im demografischen Wandel passiert es immer wieder, dass der erfolgreiche Mittelstand aufs Land zieht, um seiner Karriere einen grünen Feierabend bieten zu können. Es kommt immer wieder vor, dass der neue Grundstücksbesitzer und Gartenneuling selbst jahrhundertealte Baumriesen illegal fällen lässt. Die Angst vor der Laub-Wildnis kann lähmend sein. Auf die Entsorgung von Laub hat Niemand Lust.

Aber Halt! Muss man denn Laub überhaupt entsorgen?

Seit über fünf Jahrzehnten versucht der Mensch die Natur zu beherrschen. Er bietet ihr die Stirn indem er alle natürlichen Abläufe unterbindet. Begleitet wird diese Unnatürlichkeit mit einer großen Angst vor Wildnis. Denn wenn das Laub in der Natur liegen bleibt, was passiert dann eigentlich? Die Folgen möchte man sich gar nicht erst ausmalen. Dafür hat man sich aber viele Erklärungen ausgedacht. Zum Beispiel dass es bestimmte Laubarten gibt „die nie verrotten.“ Den Satz „Laub vom Baum XY verrottet nie.“, habe ich schon sehr oft gehört. Dabei kann ich jedem Gärtner versichern, dass alle Laubarten verrotten. Es ist nur eine Frage der Zeit. Es kann ganz sicher ausgesagt werden, dass jedes Laub früher oder später verrottet. Zeit jedoch ist ein Luxus, den der Gärtner der Natur nicht einräumen will, deshalb besorgt er sich auch Schnellkompost und schnell wachsende Bäume.

Liebe Gärtner, fahren Sie im Herbst in den Urlaub! Lassen Sie das Laub liegen! Bäume und Sträucher brauchen es als Langzeitdünger! Laub zu beseitigen, um es dann mit gekauftem Rindenmulch zu ersetzen ist eine kostspielige Absurdität! Bäume können nur dann ihr Höchstalter erreichen, wenn ihr eigenes Laub an Ort und Stelle liegen bleibt! Seien Sie mutig, bieten Sie nicht der Natur die Stirn sondern leben Sie mit ihr und beobachten Sie den Kreislauf. Laub bietet Igeln und Insekten eine Möglichkeit der Überwinterung. Es stellt einen eigenen Lebensraum dar, der Nahrung für zahlreiche Mikroorganismen darstellt. Diese wandeln ihn in Humus um: Ein nährstoffreicher Bestandteil des Mutterbodens, der im Garten allseits beliebt ist. Wenn Ihre Angst vor bösen Nachbarsblicken dennoch überwiegt (denn die Angst als „fauler Gärtner“ abgestempelt zu werden, kann Einem schlaflose Nächte bereiten), dann greifen Sie trotzdem nicht zu Laubsäcken sondern verfrachten Sie das Laub unter die Hecke, wo es nun in Ruhe verrotten kann. Oder legen Sie einen Laubhaufen an (Besuch vom Igel nicht ausgeschlossen). Oder fügen Sie das Laub ihrem Kompost hinzu. Denken Sie daran: Früher oder später wird es verrotten. Geben Sie der Natur Zeit! Und geben Sie vor allem sich selbst im Herbst eine Auszeit!

Glosse up for what?

10. Juli 2020

Gosen-Neu Zittau: Investor will eine Wohnsiedlung im Trinkwasserschutzgebiet errichten und dafür einen Wald abholzen. Bündnisgrüne kündigt Gegenstimme an.

Bild könnte enthalten: Pflanze, Baum, Himmel, Gras, im Freien und Natur
Kirchenacker Wald in Neu Zittau

Ein Investor plant im Waldgebiet „Kirchenacker“ in Neu Zittau (Landkreis Oder-Spree) eine neue Wohnsiedlung zu errichten. Das mitten im Trinkwasserschutzgebiet gelegene Areal, müsste für das Vorhaben großflächig abgeholzt werden. Dafür braucht es allerdings einen Bebauungsplan, deren Aufstellung die Gemeinde beschließen müsste. Auf der Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Verkehr der Gemeindevertretung Gosen-Neu Zittau stellte der Investor Jesus Comesaña von der BBF Projekt GmbH am Donnerstagabend nun erstmalig öffentlich seine Pläne vor. Comesaña und seine Firma wollen etwa 40 bis 44 sogenannte Stadthäuser und etwa 18 Wohnungen errichten. Dazu sollen noch Grundstücke zum weiteren Verkauf entwickelt werden. Den Wald habe der Investor bereits von einer Gesellschaft gekauft. „Mich hat die Darstellung nicht überzeugt“, sagte die bündnisgrüne Gemeindevertreterin Anja Grabs im Anschluss: „Der Wald gehört als Naherholungsgebiet zu Neu Zittau. Das kann man nicht so einfach hergeben, nur weil ein Investor Rendite auf unsere Kosten wünscht."
Der redegewandte Comesaña lobte sein Projekt und versprach der Gemeinde Vorteile durch den Bau der neuen Wohnsiedlung für etwa 170 Personen. So soll sich später einmal das Satellitenbild von Gosen-Neu Zittau verbessern. Was die Anwohner davon konkret haben, blieb an dem Abend offen. Auch ein Ärztehaus, ein Haus für Senioren und ein Kinderspielplatz wurde versprochen. Konkreter wurde Comesaña an diesem Abend nicht. Dafür wurde der Investor nicht müde den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan durch die Gemeinde anzumahnen. Erst wenn der Beschluss da wäre, könne er Details sagen. Auch so mancher Vorteil – in der Sprache des Investors „Benefit“ genannt – entpuppte sich im Nachhinein als Luftnummer. So gibt es bereits schon heute einen Umweltpfad durch den Wald, der von den Schülern der angrenzenden Schule zur Umweltbildung genutzt wird.  Den wolle man abreißen und dann wieder neu bauen, wurde an dem Abend deutlich.

Auf Nachfrage von Anja Grabs musste der Investor eingestehen, dass es auch noch kein hydrogeologisches Gutachten für die Bautätigkeit im Trinkwasserschutzgebiet gibt. Die Untersuchung wolle Comesaña erst nach dem Aufstellungsbeschluss erstellen. „Mich hat verstört, dass er von der Aufwertung des Waldes zu einem Mischwald sprach. Er ließ sogar verlauten, dass die Artenvielfalt in einem Wohngebiet höher, als in einem Wald ist. Das ist vollkommen absurd.“, sagt Grabs. Man könne nicht für eine Wohnsiedlung einen Wald abholzen, einzelne Bäume stehen lassen, und womöglich ein paar neue Bäume pflanzen wollen und dann von einem Waldumbau sprechen, so die Umweltexpertin der Grünen Oder-Spree. Bereits schon heute sieht man in dem Wald, dass der Waldumbau voll im Gange ist. Von Ahorn bis Eichen, die bereits schon mehrere Meter hoch sind, geht der Waldumbau seinen natürlichen Weg. „Es entwickelt sich dort aktuell gerade ein natürlicher Mischwald.“, gibt Grabs zu denken. Entlarvend war auch die Ansage von Comesaña auf die Frage von Anwohnern, warum er denn auch ohne den Bau der Siedlung Waldumbau betreibt: Er könne seine dreißig Mitarbeiter nicht mit Holz bezahlen, erklärte der Investor.

„Ich werde dem Aufstellungsbeschluss nicht zustimmen“, sagt Grabs: „Damit werden unwiederbringlich Fakten geschaffen. Wenn wir in Gosen-Neu Zittau den Wald als unsere Naherholungsoase erhalten wollen, müssen wir von Anfang an dem Vorhaben einen Riegel vorschieben. Jegliche Verharmlosungen, dass wir in einer späteren Phase jederzeit das Projekt abblasen können und wir lediglich über den Aufstellungsbeschluss entscheiden, sind verheerend. Ohne Bebauungsplan, bleibt uns der Wald erhalten. Dafür werde ich mich einsetzen und ich hoffe, dass die anderen Gemeindevertreter, die in ihren Wahlprogrammen versprochen haben, sich für Natur und Umwelt einzusetzen, sich ebenfalls so entscheiden“, kündigt Grabs an.


24. Juni 2020

Kreisverwaltung räumt Fehler bei Rodung einer Vogelschutzhecke ein

PALMNICKEN: Unverhältnismäßiger vier Meter breiter Kahlschlag inmitten der Brutzeit. Die Mitarbeiter haben nicht vor der Grundstücksgrenze halt gemacht und teilweise auf fremdem Eigentum gefällt. Es handelt sich bei dem anliegenden Grundstück um eine Gartennutzung mit Permakultur und Terra preta. Permakultureller Anbau ist die Nutzungsweise mit der höchstmöglichen Schaffung von Artenvielfalt.
(Foto: Anja Grabs)

Nach Kritik der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Kreistag Oder-Spree, räumte ein Beigeordneter der Kreisverwaltung ein, dass bei der Rodung einer Vogelschutzhecke am Bildungscampus Palmnicken in Fürstenwalde, Fehler gemacht wurden. „Es wurde in der Brutzeit gerodet, das ist verboten. Das ist uns durchgegangen“, meinte er. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass auch mindestens ein Baum gesetzeswidrig gerodet wurde.
Ziel der Rodung war die Freilegung und der Ersatz eines alten, maroden Zauns, der noch aus DDR-Zeiten stamme, so die Kreisverwaltung. „Teilweise ging es hier um einen Stacheldrahtzaun, das ist an einem Bildungsstandort nicht mehr zeitgemäß.“ Laut Verwaltung, wurden Kommunikationswege nicht eingehalten. „Der Sachverhalt wird jetzt aufgearbeitet. Am Standort wird es einen Ausgleich geben. Ein neuer Gehölzstreifen wird hergestellt.“

Fraktionsvorsitzende Anja Grabs meint hierzu: „Am Oberstufenzentrum in Fürstenwalde – Palmnicken werden jährlich unverhältnismäßige Rodungen durchgeführt. Die Vogelschutzhecke inmitten der Brutzeit zu fällen, ist hier nur ein Beispiel. Dabei wurde eine vier Meter breite Schneise geschaffen, um einen einfachen Metallzaun aufzustellen. Nachdem sich der anliegende Pächter bei der Kreisverwaltung beschwert hat, wird diesem nun vorgeschlagen, doch etwaige Gelege (wie zerstörte Vogeleier) der Kreisverwaltung vorzulegen, weil die Mitarbeiter des Landkreises solche nicht vor Ort gefunden hätten. Fakt ist, dass dieses Jahr, zum ersten mal seit Jahrzehnten, keine Fledermäuse am Standort zu beobachten sind. Die Mitarbeiter haben dem Pächter gegenüber gesagt, dass sie dort alles „sauber“ gemacht hätten. Diese Einstellung ist ein Grund der aktuellen Artenarmut. Die Natur muss nicht „gesäubert“ werden, es handelt sich bei der Natur nicht um ein Wohnzimmer. Der Campus Palmnicken verfügt über zahlreiche Grünflächen mit auffällig wenigen Bäumen. Die Flächen werden andauernd gemäht, um mit großem Einsatz von Zeit und Geld, das Statussymbol „Golfrasen“ zur Schau zu stellen. Von Blumenwiesen keine Spur. Es wird höchste Zeit, dass der Landkreis naturverträglicher mit seinen Flächen umgeht. Wir GRÜNE werden einen entsprechenden Antrag einbringen.“

4. Juni 2020

Müll sammeln im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See - Alle Termine für 2020

Anja Grabs im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See - April 2020

Weil Arbeitseinsätze in Gruppen nicht erlaubt sind, gilt #alleinsammeln bzw. sammeln mit der Familie. Daher ist auch keine feste Uhrzeit festgelegt sondern der ganze Tag. Wir treffen uns nicht und wenn, dann halten wir Abstand zueinander. Das Naturschutzgebiet ist groß!
Ablauf: Am Termin nachschauen, ob noch ein oder mehr Müllsäcke in die eigene Mülltonne reinpassen. Am nächsten Tag werden die Mülltonnen in Gosen-Neu Zittau abgeholt. Wir entsorgen den Müll also privat in unseren eigenen Mülltonnen.
Was wird benötigt: Handschuhe und/oder Greifer, Müllsäcke, Gummistiefel.
Achtung: Nicht in "Matsch" treten. Das ist Moorbereich und man bleibt leicht stecken.
Außerdem keine Dachpappe anfassen (Asbest)!
Fotos in der Facebookgruppe "Die Aufheber in Gosen- Neu Zittau" oder an kontakt@anja-grabs.de sind willkommen.
Ich freue mich über tatkräftige Unterstützung. 
Parallel laufen derzeit Anfragen meinerseits, um die Verantwortlichen für das Naturschutzgebiet in die Pflicht zu rufen und sie aufzufordern die starke Umweltverschmutzung zu beseitigen. Eigentum verpflichtet und Naturschutzgebiete müssen ausreichendes Management erhalten. Bis es soweit ist, müssen wir selbst aktiv werden. Ich werde regelmäßig über Neuigkeiten berichten.

Termine:

5. Juni 2020
2. Juli 2020
30. Juli 2020
27. August 2020
24. September 2020
22. Oktober 2020
19. November 2020
17. Dezember 2020

Zum Weiterlesen
DDR Müll im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See


15. Mai 2020

Besuch im Wald "Kirchenacker" in Neu Zittau

Der Gemeindevertretung liegt eine Beschlussvorlage vor, dass das Waldgebiet Kirchenacker in Neu Zittau, in ein Wohngebiet umgewandelt werden soll.

Gerne hätte ich eine gemeinsame Begehung mit Neu Zittauern und der Gemeindevertretung organisiert, aber leider darf man sich derzeit nicht in Gruppen treffen. Daher hoffe ich, dass es jeder Gemeindevertreter selbst in den Kirchenacker schafft, um sich vor Ort einen Einblick zu verschaffen und keine Entscheidungen vom "Schreibtisch/Sitzung" zu treffen. Als Gosenerin ist es bei mir schon einige Zeit her, als ich das letzte mal dort war, so dass ich mir daher heute ein Bild vor Ort gemacht habe. Es handelt sich nicht um eine Kiefernmonokultur sondern um ein sich überlassenes Gebiet, dass mit altem Kiefernbestand dominiert wird, aber einen wenig bis hohen aufkommenden natürlich Laubmischwald zeigt. Ich konnte dort einige Arten entdecken. 

Neu Zittau ist sehr stark mit Feinstaub belastet. Diese Problematik wird weiterhin durch zunehmenden Verkehr noch größer werden. Der Kirchenacker dient der Berliner Straße als "grüne Lunge" und weist selbstverständlich die ganzen bekannten Vorteile eines Waldgebietes auf: 

- Klimaschutz
- Trinkwasserschutz 
- Naturschutz
- Bodenschutz
- Sicht- und Lärmschutz
- gesundheitliche Aspekte
- Waldpädagogik

und viele mehr. Für mich persönlich gelten der Klimaschutz, der Artenschutz sowie die Nachhaltigkeit als stärkste Argumente. Wollen wir unseren Kindern und Enkelkindern in Neu Zittau eine lebenswerte Umwelt hinterlassen, muss der Wald dringend erhalten werden. Im Laufe der Jahrzehnte würde er so mit hoher Wahrscheinlichkeit zum naturnahen Mischwald umgebaut werden und um jedes Jahr seinen Nutzen für den Klimaschutz (durch die älter werdenden Laubbäume) und den Artenschutz (durch neu einwandernde Arten) erhöhen. Ein Wald lässt sich nicht vernünftig durch Ausgleichsmaßnahmen ersetzen.

Wir werden im kommenden Bau-Ausschuss weitere Informationen erhalten. Das Gebiet befindet sich im Außenbereich und ist im Flächennutzungsplan als Waldfläche dargestellt. Bebauung im Außenbereich führt zu einer Zersiedelung der Landschaft und entspricht nicht einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Ich werde gegen die Aufstellung eines Bebauungsplanes stimmen. 

Bild könnte enthalten: Pflanze, Baum, Himmel, Gras, im Freien und Natur
Hier entsteht ein natürlicher Mischwald.

Bild könnte enthalten: Blume, Pflanze, Natur und im Freien
Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyha)

Bild könnte enthalten: Baum, Himmel, Pflanze, im Freien und Natur
Aufwachsen in der Natur: Selbstgebauter Naturspielplatz. 
Bild könnte enthalten: Blume, Pflanze, Himmel, Natur und im Freien
Schlafende männliche Sandbiene (Andrena sp.) auf Löwenzahn.


Bild könnte enthalten: Baum, Himmel, Pflanze, Gras, Wolken, im Freien und Natur
Der geschützte Trockenrasen grenzt direkt an das Waldgebiet. Seltene Tierarten benötigen oftmals zwei unterschiedliche, nebeneinander existierende Biotope.

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, im Freien und Natur
Einjähriges Silberblatt (Lunaria annua)

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Natur und im Freien
Späte Traubenkirsche (Prunus serotina)
Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Himmel, Natur und im Freien
Eine von zahlreichen jungen Stieleichen.


Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Natur und im Freien
Schöllkraut (Chelidonium majus)

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Natur und im Freien
Maiglöckchen

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, Natur und im Freien
Rupprechtskraut (Geranium robertianum)

Bild könnte enthalten: Pflanze, Baum, im Freien und Natur
Eibe

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, im Freien und Natur
Zypressen Wolfsmilch dient dem immer seltener werden Wolfsmilchschwärmer als Futterpflanze.

Bild könnte enthalten: Pflanze, Blume, im Freien und Natur
Zwergmispel

7. Mai 2020

Neu Zittau - Mühlenberg ist Ambrosiafrei

Archivbild Ambrosia
(Foto: Anja Grabs)



Mai 2020
Es gibt in diesem Jahr kein Ambrosia auf dem Mühlenberg. Grund: Die Neu Zittauer haben es eigenständig entfernt. Mehrere tausend Quadratmeter! Ich habe seit mindestens 10 Jahren dort Arbeitseinsätze durchgeführt und diese immer öffentlich gemacht. Wir konnten aber nie alles entfernen. Ich habe einen Anwohner heute dazu befragt: Direkte Anwohner des Mühlenberges haben dieses Jahr schon sehr früh angefangen, die Pflanzen rauszuziehen. Mit viel Fleiß und Erfolg, denn ich konnte dieses Jahr kein Ambrosiavorkommen dort finden. Daher muss zum ersten Mal kein Arbeitseinsatz aufwendig geplant und durchgeführt werden (bisher hat immer die Gemeinde die Pflanzen entsorgt). Vielen Dank an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in Neu Zittau! Jetzt heißt es dranbleiben, denn die vielen Samen im Boden, werden weiterhin keimen. Ich werde weiterhin jährlich nachschauen, ob Arbeitseinsätze geplant werden müssen.


Hier geht es zur Pressemitteilung aus dem letzten Jahr 2019:


Voller Erfolg - Ambrosia Arbeitseinsatz in Neu Zittau 2019
In einem über zweistündigen Arbeitseinsatz konnten Helferinnen und Helfer aus Neu Zittau, Gosen und Umgebung am Internationalen Ambrosiatag, den 22. Juni 2019, einen großen Teil des Ambrosiavorkommens auf dem Mühlenberg in Neu Zittau bekämpfen.


Die Pflanzen der Ambrosia psilostachya (Ausdauerndes Traubenkraut) wurden mitsamt der Wurzel rausgerissen und in einem Transporter der Gemeinde gesammelt und fachgerecht entsorgt.

Ambrosia gehört zu den stärksten Allergie-Auslösern und kann zu Asthma führen. Auf dem Mühlenberg hat sich die Pflanze vor allem durch illegal entsorgte Gartenabfälle, die Vogelfutter mit Ambrosiasamen beinhalteten, auf weit über 4.000 Quadratmeter ausgebreitet. Das Ambrosiavorkommen verdrängt den Magerrasen auf dem Mühlenberg, der ein Rückzugsgebiet für gefährdete Tier- und Pflanzenarten darstellt.

Die Organisatorin und bündnisgrüne Kreistagsabgeordnete Anja Grabs ist zufrieden mit dem Ergebnis: „Mein Dank gilt den Helferinnen und Helfern sowie Bürgermeister Schwedowski. Wichtig ist die Bürgerinnen und Bürger darauf zu sensibilisieren, wie sehr illegal entsorgte Gartenabfälle die Natur zerstören können, sie gehören zu den stärksten von den Menschen selbst verursachten Problemen in der freien Naturlandschaft. Diese Aktion ist sehr nachhaltig, einige Freiwillige werden hier auf eigene Faust zurückkehren und einen sehr wichtigen Beitrag für den Natur- und Artenschutz leisten. Ich werde mich darüber hinaus dafür einsetzen, dass die Gemeinde dauerhaft jedes Jahr im Juni auf diesem selten gewordenen Magerrasen aktiv wird.“

5. Mai 2020

Wildbienenschutz - Mein Leserbrief an die Märkische Oderzeitung

Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta), Weibchen beim Pollensammeln an Kuhblume (Taraxacum)
Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) muss nicht künstlich angesiedelt werden. Sie ist eine häufige Art und kann problemlos mit Hilfe von Nisthilfen gefördert werden - sofern keine Pestizide eingesetzt werden. Die künstliche Ansiedlung von Wildtieren sollte dringend, bei ungefährdeten Arten, unterlassen werden. 
(Foto: Fritz Geller-Grimm)
Eine der vielen Obstplantagen in Frankfurt/Oder. Dort wo gespritzt wurde, ist alles tot.
(Foto: Ranger Nico)
Laut Mathias Hausding von der Märkischen Oderzeitung, leisten Landwirte einen Beitrag zur Artenvielfalt, wenn sie Pestizide einsetzen, um sich dann Wildbienen einzukaufen (weil ihnen die Bestäuber fehlen).

Der Kauf von Wildbienen und dessen gewollte Wildbienenzucht leistet jedoch definitiv KEINEN Beitrag zur Artenvielfalt. 

Zum Kommentar von Mathias Hausding: Kommentar

Sehr geehrter Herr Hausding,

wenn beim Obstbau Pestizide eingesetzt werden, dezimiert man damit mehrere hundert Arten an natürlich vorkommenden Insekten. Die meisten Arten davon sind keine sogenannten Schädlinge. Dazu gehören zum Beispiel viele Schmetterlingsarten, Käferarten und selbstverständlich auch alle natürlich vorkommenden Wildbienenarten, wovon über die Hälfte von ihnen in ihrer Art bedroht sind. Wenn man also diese vielen hundert Arten an Ort und Stelle mit Pflanzenschutzmitteln vernichtet und dann eine Wildbienenart einkauft, weil man Bestäuber benötigt, dann kann nicht davon die Rede sein, dass "Landwirte einmal mehr einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.", wie Sie schreiben. Vielmehr handelt es sich um eine Vernichtung hundert lokal vorkommender Arten. Der Insektenbestand von Null auf eine einzige eingekaufte Wildart trägt nicht zur Artenvielfalt bei, sondern spiegelt eine reine Symptombehandlung wieder: Ich vernichte alle Arten und weil mir die Bestäuber fehlen, kaufe ich eine Art ein. Das ist dann eher ein Beitrag für die große aktuelle Artenarmut. Die Monokultur muss hier grundsätzlich hinterfragt werden. Wenn keine Pestizide eingesetzt werden, kann man die lokal vorkommenden Arten wunderbar selbst unterstützen. So wie man das bei Streuobstwiesen bereits tut, die eine sehr hohe Artenvielfalt aufweisen und komplett ohne Pestizide auskommen.

Der Leserbrief wurde nicht in der Märkischen Oderzeitung abgedruckt. Laut Hausding handelt es sich bei meinen Aussagen um unbewiesene Behauptungen in einer aufgeheizten Debatte. Darauf habe ich ihm u. a. mit folgendem Satz geantwortet: "Dass das Bienensterben unmittelbar auch mit dem weltweiten Einsatz von Pestiziden in Zusammenhang steht, ist allgemeiner Konsens und kann in zahlreichen Fachartikeln nachgelesen werden." 

16. April 2020

Landkreis Oder-Spree will Jagd auf Wildschweine mit Hilfe von Lebendfallen erhöhen

So oder so ähnlich sieht ein sogenannter "Saufang" aus.
(Foto: Traper Bemowski)


Der Landkreis Oder-Spree hat fünf Lebendfallen für Wildschweine angeschafft und zahlreiche Jäger darin geschult, wie diese genutzt werden sollen. Grund sei die Afrikanische Schweinepest, die nur noch 10 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt ist. In Westpolen mussten bereits mehrere tausend Tiere gekeult werden. Diese Information wurde den Fraktionsvorsitzenden bei einer Telefonkonferenz mit dem Landtagsbüro am 16. April 2020 gegeben. Das Vorhaben wurde nicht mit dem Umweltausschuss des Kreistages abgesprochen.

Die Tiere sollen in den Lebendfallen erschossen und dann auf die Afrikanische Schweinepest getestet werden. Fällt der Test negativ aus, wird das Fleisch vermarktet. Ob 100 % der Tiere aus den Lebendfallen auf die Afrikanische Schweinepest getestet werden, konnte eine Beigeordnete nicht mit absoluter Sicherheit bestätigen. Es gibt derzeit in den Testlabors, aufgrund von Corona, eingeschränkte Möglichkeiten zahlreiche Tests auf die Afrikanische Schweinepest durchzuführen.

Grund der Anschaffung der Lebendfallen, ist die niedrige Zahl der Jagderfolge auf Wildschweine im Landkreis.

„Ich wäre dafür, wenn wir jetzt nicht hier über jedes Wildschwein einzeln diskutieren. Mich interessiert jetzt vielmehr das Thema Tesla.“ kommentierte Zeschmann (FREIE WÄHLER) die konkreten Nachfragen zur Handhabung der Lebendfallen, die Fraktionsvorsitzende Grabs (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) gestellt hatte. Unklar war vor der Nachfrage, wofür diese Lebendfallen genutzt werden sollten.

„Lebendfallen wurden erfunden, um Konflikte mit Tieren ethisch zu lösen, indem Tiere lebend gefangen und dann woanders wieder ausgesetzt werden. Der Landkreis missbraucht den gedachten Nutzen der Lebendfallen für seine Zwecke. Die Tiere werden so unter Todesangst erschossen, wenn sie in der Lebendfalle, vielleicht schon seit vielen Stunden gefangen sind und nicht mit ihrer Rotte weiterziehen können. Ein erhöhter Adrenalinspiegel im Blut verschlechtert somit definitiv die Qualität des Fleisches. Der Missbrauch von Lebendfallen, um die Anzahl der geschossenen Wildschweine zu erhöhen, ist aus ethischen Gründen abzulehnen. Wer garantiert, das so eine Muttersau nicht von ihrem Nachwuchs getrennt wird? Vielmehr bedarf es jetzt 100 % der Wildschweine, die in der freien Natur geschossen werden, auf die Afrikanische Schweinepest zu testen, um Infektionsherde herauszufinden. Damit ist die Anzahl der Tests ausreichend. Diese Lebendfallen dürfen auf keinen Fall zum Einsatz kommen. Wir werden einen entsprechenden Antrag stellen.“, so Grabs.

10. April 2020

DDR Müll im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See

Die Natur gewinnt immer. Wenn der Mensch sie zunichte gemacht hat, wird sie sich das zurückholen, was ihr zugesteht. Weil der Mensch das nicht versteht, begibt er sich in einen ständigen Kampf mit der Natur.

Die Natur einfach mal machen lassen, dafür wurden Naturschutzgebiete erfunden und ihre Existenz ist so wichtig. 

Schauen wir uns kurz die Geschichte des Naturschutzgebietes Wernsdorfer See an:

Vor 1931
Hier gab es früher keine Bäume, die Gegend war sandig und mit Wanderdünen versehen. Wenn man sich in Gosen Trampelpfade ansieht, dann sieht man wie sandig der Boden hier überall einmal ausgesehen hat. 
So hat der Mensch an der heutigen Wernsdorfer Deponie erstmal Sand und Kies abgebaut. Bis zu einem tödlichen Unfall, danach wurde der Betrieb 1931 eingestellt.

1931 
In die Sandgrube warfen die Leute ihren Müll. Aus heutiger Sicht ist dieses Verhalten befremdlich, aber damals wusste man es nicht besser. Im Jahr 1967 wurde das Gebiet zum Naturschutzgebiet ernannt. Dieser Schutzstatus schützte den Boden allerdings nicht vor weiterer Vermüllung. Der Müllberg wuchs weiter an. 

nach 1945
Der Wernsdorfer See wird mit Trümmern, Müll und Asche zugekippt. Der See verkleinert sich dadurch um 25 %. 

1982
Die Deponie erhielt den Status "geordnete Deponie". Dennoch wurden im großen Maße Müllablagerungen im umgebenen Naturschutzgebiet vorgenommen. Der Müll befindet sich bis heute dort. 

2005
Die Abfalllagerung wurde eingestellt. 

2009 bis 2013
Die Mülldeponie wird renaturiert. Die hohen Kosten dafür müssen die Berliner mit ihren Müllgebühren bezahlen. Ein kleiner Teil der Renaturierungskosten (eine halbe Million Euro) wird mit dem Gewinn bezahlt, der aus Gas zur Stromerzeugung direkt auf der Deponie gewonnen wird.

2020
Das Naturschutzgebiet war immer sumpfig gewesen, doch seit diesem Jahr steht das Wasser noch höher als sonst. Der See holt sich das zurück was ihm gehört. Die ersten Bäume ersaufen und kippen um. Der Wernsdorfer See ist ein Niedermoor. Der Anblick der umgekippten Bäume lässt das Herz eines jeden Moorschützers höher schlagen. Das Moor durchlebt eine autogene Regenerierung. Es erholt sich quasi von selbst. Ohne, dass der Mensch eine technisch gesteuerte Renaturierung durchgeführt hat. Durch diesen Prozess, bei dem das Wasser nach oben aus den Boden gedrückt wird, kommt der ganze Müll zum Vorschein, der dort seit über 31 Jahren gelegen hat. Die Ausmaße sind immens. 

bis 2043
Die Mülldeponie Wernsdorfer See ist eingezäunt. Sie befindet sich in der Nachsorge und wird ständig überwacht. Aktuell wurde ein zusätzlicher Elektrozaun angebracht, um Wildschweine fernzuhalten. Das Betreten der Deponie ist verboten. Für die Öffentlichkeit werden unregelmäßige Führungen angeboten. 

Bitte um Mithilfe
Aktuell habe ich eine Kleine Anfrage im Kreistag Oder-Spree laufen, um herauszufinden, wer für die Beseitigung des Mülls verantwortlich ist und wann hier gehandelt wird. Im FFH Managementplan steht fälschlicherweise nichts von Umweltverschmutzung drin. Hier besteht also Handlungsbedarf. Solche Aufrufe sind wichtig, denn Eigentum verpflichtet nicht ohne Grund. Wir Bürgerinnen und Bürger sind offiziell nicht dafür zuständig den Müll auf anderen Grundstücken oder Naturschutzgebieten zu beseitigen. Daher empfehle ich parallel zur Müllsammlung immer eine Anfrage an das Ordnungsamt, wer für die Fläche verantwortlich ist und dass der Eigentümer handeln muss. Es gibt dennoch Flächen, wie z. b. bei Erbengemeinschaften, wo der Aufwand jeden Eigentümer zu ermitteln und anzufragen größer ist, als den Müll selbst einfach regelmäßig wegzuräumen.

In der Zwischenzeit würden theoretisch Arbeitseinsätze Sinn machen, um die Abfälle einzusammeln bevor sie vom Moor verschluckt werden. Unklar ist auch, ob das Wasser bleibt und noch weiter ansteigt oder die Fläche immer wieder trocken fällt. Aufgrund der Dürre der letzten Jahre vermute ich jedoch, dass das Wasser weiter ansteigen wird, weil das Moor grundwassergespeist ist und das Wasser offensichtlich momentan unabhängig von Dürren weiter ansteigt. Die Durchlässigkeit zum Kappstrom und damit zur Spree ist unklar. Vielleicht steigt das Wasser auch, weil der Kappstrom "verstopft" ist? Bei Moorrenaturierungen werden Gewässer u. a. auch zugeplombt, um das Wasser im Gebiet zu halten. Ich bin gespannt, wie sich das Gebiet im Sommer 2020 verändern wird.

Da aufgrund der Coronakrise aktuell keine Gruppen-Arbeitseinsätze möglich sind, habe ich die Facebookgruppe "Die Aufheber in Gosen-Neu Zittau" gegründet. Inspiriert von der deutschlandweiten Facebookgruppe "Die Aufheber", werden hier die persönlichen Müllsammelaktionen porträtiert. Die Seite lädt zum gemeinsamen Austausch ein und soll zum Mitmachen motivieren. Nach der Coronakrise können hier auch gemeinsame Arbeitseinsätze schnell und unkompliziert geplant werden. Es könnte gut sein, dass gerade die Müllablagerungen im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See zu den interessantesten Müllablagerungen in Deutschland gehören. Hier finden sich Dinge an, die ehemalige DDR Bürger an früher erinnern und die Generation nach 1989 in Staunen versetzen. 

Für private Sammelaktionen alleine oder mit der Familie, eignet sich jeden Monat der Tag vor der Müllabfuhr in der Gemeinde. Man kann dabei schauen, wieviel Platz noch in der eigenen Mülltonne ist und diese noch mit eingesammelten Müll voll machen, so dass sie am nächsten Tag dann damit abgeholt wird.

Weil morgen der Müll abgeholt wird, habe ich heute mal im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See Müll gesammelt, weil in meiner eigenen Mülltonne noch jede Menge Platz war. Ich werde zudem meine 120 Liter Mülltonne mit einer 240 Liter Mülltonne umtauschen lassen. Das kostet mich nur 3,01 Euro mehr pro Monat bzw. pro Müllsammlung und verschafft mir so jeden Monat garantierten Platz in meiner Tonne und maximale Unabhängigkeit von bürokratisierten Abfallbeseitigungdiensten (obwohl wir diese in Zukunft anfragen können, wenn wir gemeinsame Arbeitseinsätze planen).

Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte von Zeitzeugen freuen, die die Deponie noch zur aktiven Zeit erlebt haben und auch wissen, wie die Müllverbreitung im Gebiet ausgesehen hat. Vielleicht sogar mit alten Fotos? kontakt@anja-grabs.de 

DDR Müllablagerungen im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See

Naturschutzgebiet Wernsdorfer See

Anja Grabs

Tropfen auf dem heißen Stein. Müllsammlung im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See.

Makrelen Filet. Die Farben sehen so aus, als wäre die Verpackung eine Woche alt und nicht über 31 Jahre.

DDR Trink-Vollmilch Verpackung. Die Farben sind verblasst, das Plastik hat nach über 31 Jahren einige Löcher.

Leuchtende Farben nach über 31 Jahren in der Erde.

Heringsfilet für 1 Mark und 35 Pfennig.

Alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk Vipa.

100 ml blanka Effekt Wäschesteife für 95 Pfennig.

Gewürz Salz mit englischer Übersetzung? Exportierte die DDR dieses Produkt?

Presseberichte




9. April 2020

Haben die Grünen keine anderen Sorgen?

"Haben die Grünen keine anderen Sorgen?"

"Es gibt viel schlimmere Dinge, als illegal entsorgte Rasenschnittabfälle an Gewässern."

Liebe Home Office Menschen und Systemrelevante,

es wurden gerade für alle von uns die Freizeitbeschäftigungen auf ein absolutes Minimum reduziert:

a) Indoor Beschäftigungen

b) sich in der Natur bewegen

Ich erlebe geradezu einen touristischen Boom in der Natur. Menschen halten sich in der Natur auf, als gäbe es kein Morgen. Das ist gut! Zurück zur Natur, uns allen wurde absolute Entschleunigung aufgezwungen!

Wenn ich also, so wie ich es schon immer gemacht habe, auf Fehlentwicklungen in der Natur aufmerksam mache, dann sind die o. g. Sätze vollkommen unangebracht. Es geht dabei überhaupt nicht darum, dass gerade irgendetwas anderes auf der Welt passiert. Man darf sich trotzdem weiter mit Umweltverschmutzung beschäftigen. Es interessiert mich in dem Moment auch nicht, ob es irgendwo, irgendwelche anderen Abfälle mitten in der Natur oder auch in urbanen Gebieten gibt, die noch viel viel schlimmer sind. Das weiß ich alles! Wenn ich über eine Fehlentwicklung an einem ganz bestimmten Ort schreibe, dann muss man das nicht verharmlosen. Egal wie groß der eigene Weltschmerz ist.

Es gibt immer noch Umweltfragen, die wir klären müssen. Gerade jetzt. Die Natur kennt keine Pause.

Illegal entsorgte Rasenschnittabfälle am Kappstrom neben dem Kleingartenverein Am Kappstrom e.V.

An den Rändern von Kleingartenanlagen gibt es leider immer wieder illegal entsorgte Gartenabfälle in der freien Natur. Fängt einer an, wird der Haufen immer größer. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Natur das schon kompostieren wird. Es gibt Probleme, die dabei auftreten können, die größeren Schaden anrichten, als ein ursprünglich gedachter "Komposthaufen". Dieser Gedanke ist auch nicht nachhaltig. Denn die Frage, wo man seine Gartenabfälle in 1, 5 oder 10 Jahren entsorgen will, bleibt ja weiterhin offen. Rasenschnitt am Kappstrom wird das Gewässer eutrophieren. Der Kappstrom befindet sich aber bereits in einem schlechten Zustand, weil die Renaturierung im Wasser- und Landschaftspflegeverband keine Priorität findet. Das kann einem ja alles egal sein, muss es aber nicht. Schon gar nicht, wenn man hier wohnt und den schlechten Zustand täglich mit ansehen muss.

Liebe Gärtner und Gärtnerinnen,

Gartenabfälle, wie Rasenschnitt, gehören auf den Kompost im eigenen Garten oder in die Bio-Abfalltonne. Rasenschnitt eignet sich auch sehr gut zum Mulchen.

Ein Totholzhaufen im eigenen Garten trägt zur Biodiversität bei. Abgesägtes Holz muss demnach nicht in der freien Natur entsorgt werden.