4. Oktober 2021

Kirchenacker in Neu Zittau: Investor bietet Kompromiss an

Kirchenacker
(Foto: Anja Grabs)


4. Oktober 2021
Aufgrund vieler Gegenstimmen aus der Gemeindevertretung, hat die Firma BBF Projekt GmbH heute im Ausschuss für Bauen/Umwelt/Verkehr einen Kompromiss vorgeschlagen. Es sollen nun nicht mehr 10 Hektar, sondern 4 Hektar der Fläche bebaut werden. Dabei sollen 22 Baugrundstücke zwischen 765 und 1.387 Quadratmetern entstehen, sowie 7 straßenbegleitende Stadtvillen und 3 große potentielle Schulgebäude (anliegend am Schulgelände).
"Damit würde weiterhin fast die Hälfte des Waldes verschwinden, so dass ich mich erneut gegen solch ein Vorhaben ausgesprochen habe. Aus meiner Sicht wäre ein Kompromiss nur dann möglich, wenn wir ausschließlich das Schulgelände um ein bis zwei Gebäude erweitern, um den Schulstandort Neu Zittau qualitativ weiterzuentwickeln. Damit würde fast der komplette Wald als Erholungsort für die Neu Zittauer bestehen bleiben.", so Grabs.

Gosen-Neu Zittau: Investor will eine Wohnsiedlung im Trinkwasserschutzgebiet errichten und dafür einen Wald abholzen. Bündnisgrüne kündigt Gegenstimme an.
10. Juli 2020
Ein Investor plant im Waldgebiet „Kirchenacker“ in Neu Zittau (Landkreis Oder-Spree) eine neue Wohnsiedlung zu errichten. Das mitten im Trinkwasserschutzgebiet gelegene Areal, müsste für das Vorhaben großflächig abgeholzt werden. Dafür braucht es allerdings einen Bebauungsplan, deren Aufstellung die Gemeinde beschließen müsste. Auf der Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Verkehr der Gemeindevertretung Gosen-Neu Zittau stellte der Investor Jesus Comesaña von der BBF Projekt GmbH am Donnerstagabend nun erstmalig öffentlich seine Pläne vor. Comesaña und seine Firma wollen etwa 40 bis 44 sogenannte Stadthäuser und etwa 18 Wohnungen errichten. Dazu sollen noch Grundstücke zum weiteren Verkauf entwickelt werden. Den Wald habe der Investor bereits von einer Gesellschaft gekauft. „Mich hat die Darstellung nicht überzeugt“, sagte die bündnisgrüne Gemeindevertreterin Anja Grabs im Anschluss: „Der Wald gehört als Naherholungsgebiet zu Neu Zittau. Das kann man nicht so einfach hergeben, nur weil ein Investor Rendite auf unsere Kosten wünscht."
Der redegewandte Comesaña lobte sein Projekt und versprach der Gemeinde Vorteile durch den Bau der neuen Wohnsiedlung für etwa 170 Personen. So soll sich später einmal das Satellitenbild von Gosen-Neu Zittau verbessern. Was die Anwohner davon konkret haben, blieb an dem Abend offen. Auch ein Ärztehaus, ein Haus für Senioren und ein Kinderspielplatz wurde versprochen. Konkreter wurde Comesaña an diesem Abend nicht. Dafür wurde der Investor nicht müde den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan durch die Gemeinde anzumahnen. Erst wenn der Beschluss da wäre, könne er Details sagen. Auch so mancher Vorteil – in der Sprache des Investors „Benefit“ genannt – entpuppte sich im Nachhinein als Luftnummer. So gibt es bereits schon heute einen Umweltpfad durch den Wald, der von den Schülern der angrenzenden Schule zur Umweltbildung genutzt wird.  Den wolle man abreißen und dann wieder neu bauen, wurde an dem Abend deutlich.

Auf Nachfrage von Anja Grabs musste der Investor eingestehen, dass es auch noch kein hydrogeologisches Gutachten für die Bautätigkeit im Trinkwasserschutzgebiet gibt. Die Untersuchung wolle Comesaña erst nach dem Aufstellungsbeschluss erstellen. „Mich hat verstört, dass er von der Aufwertung des Waldes zu einem Mischwald sprach. Er ließ sogar verlauten, dass die Artenvielfalt in einem Wohngebiet höher, als in einem Wald ist. Das ist vollkommen absurd.“, sagt Grabs. Man könne nicht für eine Wohnsiedlung einen Wald abholzen, einzelne Bäume stehen lassen, und womöglich ein paar neue Bäume pflanzen wollen und dann von einem Waldumbau sprechen, so die Umweltexpertin der Grünen Oder-Spree. Bereits schon heute sieht man in dem Wald, dass der Waldumbau voll im Gange ist. Von Ahorn bis Eichen, die bereits schon mehrere Meter hoch sind, geht der Waldumbau seinen natürlichen Weg. „Es entwickelt sich dort aktuell gerade ein natürlicher Mischwald.“, gibt Grabs zu denken. Entlarvend war auch die Ansage von Comesaña auf die Frage von Anwohnern, warum er denn auch ohne den Bau der Siedlung Waldumbau betreibt: Er könne seine dreißig Mitarbeiter nicht mit Holz bezahlen, erklärte der Investor.

„Ich werde dem Aufstellungsbeschluss nicht zustimmen“, sagt Grabs: „Damit werden unwiederbringlich Fakten geschaffen. Wenn wir in Gosen-Neu Zittau den Wald als unsere Naherholungsoase erhalten wollen, müssen wir von Anfang an dem Vorhaben einen Riegel vorschieben. Jegliche Verharmlosungen, dass wir in einer späteren Phase jederzeit das Projekt abblasen können und wir lediglich über den Aufstellungsbeschluss entscheiden, sind verheerend. Ohne Bebauungsplan, bleibt uns der Wald erhalten. Dafür werde ich mich einsetzen und ich hoffe, dass die anderen Gemeindevertreter, die in ihren Wahlprogrammen versprochen haben, sich für Natur und Umwelt einzusetzen, sich ebenfalls so entscheiden“, kündigt Grabs an.

2. Oktober 2021

Videokonferenzen, Arbeitseinsätze und Begehungen zu den Themen "Natur- und Umweltschutz in Gosen-Neu Zittau"

Bonjour tristesse oder grüner Ort? Es gibt viele Gestaltungsmöglichkeiten, um den Natur- und Umweltschutz in der Gemeinde Gosen-Neu Zittau weiter zu entwickeln.
(Foto: Anja Grabs)

Bei Interesse an einer Teilnahme senden Sie bitte eine E-mail an kontakt@anja-grabs.de, um den Zugangslink zu erfragen. Gerne können Sie umweltrelevante Themen aus unserer Gemeinde vorschlagen.

Termine

Die Videokonferenzen starten jeweils um 17 Uhr und enden voraussichtlich gegen 18 Uhr

15. März 2021 Videokonferenz: geplante Bebauung des Kirchenackers in Neu Zittau, Pro und Contra

12. April 2021 Videokonferenz: Wildbienenschutz in Gosen-Neu Zittau

3. Mai 2021 Videokonferenz: Bearbeitung der Baumschutzssatzung der Gemeinde Gosen-Neu Zittau

7. Juni 2021 Videokonferenz: Finanzielle Anreize für Gärten mit Biodiversität

8. September 2021: Ortsbegehung Feldweg Neu Zittau: Im Feldweg wünschen sich Anwohnerinnen Straßenbäume und sind bereit diese regelmäßig zu gießen (Dies kann notwendig sein, bis die Bäume angewachsen sind). Erörterung von geeigneten Baumarten und Standorten im Feldweg.

4. Oktober 2021 um 18 Uhr, Videokonferenz: Thema "Schottergärten in der Gemeinde (Teil 1)"

6. November 2021 Arbeitseinsatz von 10 bis 11 Uhr: Wir sammeln Müll im Naturschutzgebiet Wernsdorfer See ein. Treffpunkt: am Ende der Seestraße in Gosen. Bitte mitbringen: Handschuhe und/oder Greifer, Gummistiefel sind empfohlen: wir gehen ins Moor. 

6. Dezember 2021 Videokonferenz: Schottergärten (Teil 2) in der Gemeinde und Ladeinfrastruktur in Gosen-Neu Zittau

3. Januar 2022 Videokonferenz: Sind ökologische Willkommenspakete beim Häuser-/Grundstückskauf in Gosen-Neu Zittau sinnvoll und machbar?

7. Februar 2022 Videokonferenz: Förderung beantragen für Klimaschutzprojekt in Gosen-Neu Zittau? Bitte vor der Videokonferenz die aktuelle Kommunalrichtlinie auf https://www.ptj.de/klimaschutzinitiative-kommunen durchlesen, um konkrete Ideen einbringen zu können.

30. September 2021

Afrikanische Schweinepest: Meine Rede im Kreistag gegen neue Zäune

Drei Betrieben ist es in Deutschland nicht gelungen, sich vor einer Keulung zu schützen. Der Fokus muss auf die Biosicherheit der Betriebe gelegt werden und nicht auf Zäune und Jagd.

Am 29. September 2021 hat der Kreistag Oder-Spree über weitere Zäune von der A12 in Richtung Müncheberg bis zur Kreisgrenze Märkisch-Oderland abgestimmt. Dies war meine Rede hierzu:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Afrikanische Schweinepest wird im Landkreis Oder-Spree nicht bekämpft sondern verwaltet. Die Seuche breitet sich seit 2007 in ganz Europa aus und in den meisten Ländern wird gleich reagiert: mit dem Aufstellen von Zäunen und mit einer Intensivierung der Jagd. Leider hat sich gezeigt, dass beide Methoden vollkommen unwirksam sind. Dieser Plan A: also die Zäune und die Jagd, den die meisten Länder und nun auch wir hier im Landkreis Oder-Spree verfolgen, funktioniert nicht. Weil es keinen Plan B gibt, wird Plan A weiterhin aufgestockt. Es soll noch mehr gejagt werden. Es müssen noch mehr Zäune gezogen werden. Unsere Verwaltung zeigt auch gerne mit den Fingern nach anderen Landkreisen und nach Polen: Dort hätte man mehr machen müssen! Dabei hat man dort fleißig den Plan A verfolgt. Polen wird dieses Jahr alleine über 16.000 Wildschweine erlegen. Die intensive Jagd hat Polen von Anfang an im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest durchgeführt. Und trotzdem hat sich die Seuche bis nach Deutschland ausgebreitet. Der Zaun an der Oder hat dabei überhaupt nicht gestört. Man kann natürlich noch mehr Zäune ziehen und noch größere Gebiete absperren, das stört aber die Wildschweine nicht. Ziehen wir heute hier einen Zaun, läuft das nächste infizierte Wildschwein bereits 30 km westlich rum. Wir können nicht den ganzen Landkreis einzäunen. Und warum auch? Wo ist der Kosten/Nutzen-Faktor, wenn die Krankheit für den Menschen ungefährlich ist, wir aber im Land Brandenburg über 30 Mio. Euro pro Jahr für Zäune und Jagd ausgeben? 

Dieses Geld sollte man lieber in die Biosicherheit der Schweine-Betriebe stecken sowie in Präventionsmethoden und in die Impfstoffe. Solange hier kein einziges Maisfeld mit einem Elektrozaun eingezäunt ist, dürfen wir uns nicht wundern, warum die Wildschweine sich hier wie Ratten verbreiten.

Was unsere Verwaltung tun muss, ist einen Plan B aufzustellen und sich die Fragen zu stellen: Wieviele Jahre müssen noch vergehen? Wieviele Zäune müssen wir noch ziehen? Wieviele Wildschweine müssen wir noch erlegen bis wir feststellen, was wir eigentlich schon wissen müssten: dass die Seuche hier längst einheimisch ist und ohne Impfstoff nicht zu bekämpfen ist. Wir könnten hier weltweit führend im Monitoring und in der Forschung werden: Auch das wäre ein Plan B.

Die Erkenntnis, dass Zäune nicht funktionieren, im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest,  lässt es überhaupt nicht zu, solch einem Beschluss zuzustimmen. Daher wird er von mir abgelehnt.



26. September 2021

Wahlgewinne der GRÜNEN in Gosen-Neu Zittau zur Bundestagswahl 2021



Vielen Dank an alle Wählerinnen und Wähler, die den GRÜNEN ihre Stimmen gegeben haben.

Im Vergleich zu 2017 haben DIE GRÜNEN in Gosen-Neu Zittau bei den Erststimmen 2,3 % Gewinn sowie bei den Zweitstimmen 1,7 % Gewinn gemacht. Herzlichen Dank dafür!

Herzlichen Glückwunsch Mathias Papendieck (SPD), für den Erhalt des Direktmandats im Bundestag!


18. Juli 2021

Wer steht am längsten in Neu Zittau?

Umgehungsstraße
Ein Gast der Gemeindevertretersitzung hat es ganz trefflich benannt: "Wenn ich an eine Hauptverkehrsstraße ziehe, darf ich mich nicht wundern, wenn es dort Verkehr gibt." Ich habe dies innerlich bejaht, denn sagen darf ich hier so etwas nicht. Der Maulkorb nach meinem vergangenen Post zum Thema Umgehungsstraße kam mündlich von einigen Gemeindevertretern sowie Anwohner.innen der Hauptverkehrsstraßen in Neu Zittau. Was mir einfällt zu behaupten, wir benötigen keine Umgehungsstraße in Neu Zittau, obwohl ich dort doch gar nicht wohne. Ich sagte dann, das muss man nicht, wenn man diese Straßen zweimal täglich nutzt und somit ein Interesse daran hat, das alles läuft, das man in keinem Stau steht. Und das tut man nun mal nicht. Wenn die Ampel in Neu Zittau auf Rot ist, muss man nun mal einmal anhalten und warten bis es wieder Grün wird. Dies dauert eine Minute. Zur Rush Hour kann es vorkommen, dass man zwei Ampelphasen mitmacht. Dann wartet man zwei Minuten. Als ich das sagte, kam ein Post auf Facebook, ein Autofahrer hätte jetzt 20 Minuten dort gestanden. Und wieder ein sarkastischer Kommentar aus der Gemeindevertretung: Ja, aber wir brauchen ja keine Umgehungsstraße! 

Äh nee, braucht man nicht, wenn einmal im Jahr ein 20 Minuten-Stau entsteht. 

Die Sache mit dem Maulkorb hat bei mir im Übrigen noch nie funktioniert. 

Einen weiteren Gemeindevertreter hat dieses Thema so weit mobilisiert, dass er sich den Weg bis nach Beeskow in den Kreistag gemacht hat. Er hätte mich eigentlich fragen können, ob er mit mir mitfährt, dann hätte ich auch eine Fahrgemeinschaft mit ihm gemacht (Ich bin Mitglied im Kreistag). Er fragte in der Sitzung als Gast nach, wie denn der Landrat nun die Sache mit der Umgehungsstraße sieht. Der Landrat sowie ein Abgeordneter aus dem Landtag haben dann beide deutlich das wiederholt, was ich bereits in der Gemeindevertretung gesagt habe: Der Bau dieser Umgehungsstraße wäre illegal gewesen, da mehrere Naturschutzgebiete (Landschaftsschutzgebiet, FFH-Gebiet, Naturschutzgebiet) betroffen gewesen wären. Ob diese Antwort ihm jetzt ausreiche, fragte der Landrat. "Jein.", sagte der Gemeindevertreter und machte sich nach 20 Minuten Teilnahme der Sitzung auf den einstündigen Rückweg nach Neu Zittau. 

Ich lud zur letzten Gemeindevertretung eine Naturschützerin ein, die mir rückmeldete: "Wenn jemand lapidar sagt, dass es auf einen Frosch jetzt auch nicht mehr ankommt und damit den Bau der Umgehungsstraße durch diverse Schutzgebiete unterstützt... vergeht mir die Lust, sich mit ihm auseinanderzusetzen."

Gut, dass mir bisher noch nicht die Lust vergeht. Ich werde mich weiterhin in der Gemeindevertretung umweltpolitisch einsetzen. Wer mich dabei unterstützen möchte, darf mich gerne kontaktieren oder an einen meiner öffentlichen Termine teilnehmen: Siehe HIER


23. Juni 2021

Kurzbericht aus der Gemeindevertretung Gosen-Neu Zittau am 23. Juni 2021

Kitaeröffnung in Gosen

Kitabau und Außenanlagen sind fertig. Nachdem die Brandschutztüren geprüft sind, muss noch die Betriebserlaubnis eingeholt werden. Dieser Prozess kann weitere Wochen in Anspruch nehmen. Datum der Kitaeröffnung ist weiterhin unbekannt.


Haushaltssatzung 2021

wurde einstimmig beschlossen.


Erfrischungsgelder Bundestagswahl am 26.9.21

wurde einstimmig beschlossen.


Rücknahme des Aufstellungsbeschlusses für die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 1 "Kirchenacker" im OT Neu Zittau (Fraktion bürgernah)

wurde einstimmig beschlossen. (Das Thema ist weiterhin vertagt.)


Kostenermittlung für die Anschaffung von Frischluftanlagen für Schul- und Kitagebäude (Fraktion bürgernah)

wurde aufgrund eines Antrages von Anja Grabs in den nächsten Bauausschuss verwiesen. 


Beitritt zu einer kommunalen Arbeitsgruppe Dialogforum Airport Berlin Brandenburg (KAG DF)

wurde einstimmig beschlossen.


"Pflege von Grünanlagen in der Gemeinde" wird in die Tagesordnung des kommenden Umweltausschusses aufgenommen. (Anja Grabs)

wurde einstimmig beschlossen.


Dieser Kurzbericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die nächste Sitzung der Gemeindevertretung findet am 18.08.21 um 19 Uhr im Gemeindesaal Gosen statt. Gäste sind willkommen.


28. Mai 2021

GRÜNE begrüßen Ablehnung der Umgehungsstraße Gosen-Neu Zittau

 

Die Infrastruktur in der Teslaregion braucht zukunftsfähige Lösungen, meint Grabs.
(Foto: J. Kuiper)

„Neue Straßen lösen den zunehmenden Autoverkehr nicht“, meint Anja Grabs, Fraktionschefin der Bündnisgrünen im Kreistag Oder-Spree. „Deswegen begrüßen wir, dass keine Umgehungsstraße um Gosen-Neu Zittau geplant wird.“

Grabs, wohnhaft in Gosen-Neu Zittau, sagt sie erwartet vor allem negative Auswirkungen von einer Umgehungsstraße. „So eine Straße würde eine Zerschneidung der Landschaft und eine große Naturzerstörung bedeuten. Die Umgehungsstraße würde durch mehrere geschützte Gebiete führen.“

Grabs meint außerdem, dass der oft beschworene Verkehrskollaps in Neu Zittau weitaus weniger schlimm ist, als oft behauptet. „Ja es stimmt, im schlimmsten Fall müssen Autofahrer während der Rush Hour zwei Ampelphasen warten, und das kann dann bis zu drei Minuten Wartezeit bedeuten. Wenn man statt einer Ampel damals einen Kreisverkehr gebaut hätte, gäbe es dieses Problem nicht. Ich begrüße den Einsatz von firmeneigenen Shuttlebussen, welche ich schon 2019 für die Teslaregion vorgeschlagen habe.“

Statt sich auf den PKW-Verkehr zu fokussieren, fordern die Bündnisgrünen in LOS einen Ausbau der Radwege und mehr Konzentration auf einen flexibleren ÖPNV in der Region. „Diese Umgehungsstraße ist in Zeiten der Klimakrise nicht die Lösung“, meint Grabs.

2. Mai 2021

Die Wildbienen brauchen dringend unsere Hilfe

Felsenkuckuckshummel (Bombus rupestris)
(Foto: pd/NABU)


von W. Hoffmann und G. Kieke

Neben der sehr bekannten Honigbiene gibt es die sogenannten Wildbienen. In Deutschland gibt es ungefähr 560 verschiedene Arten. Je nach Bundesland beträgt der Prozentsatz der auf der Roten Liste stehenden Wildbienenarten bis zu 70%. Im Gegensatz zu den Honigbienen bilden die meisten Wildbienenarten keine Staaten. Sie leben in der Regel alleine. Hummeln gehören zu den Wildbienen und sind staatenbildend.1

Bitte verzichten sie zum Schutz der Wildbienen unbedingt auf chemische Pflanzenschutzmittel und Insektizide!

Die meiste Wildbienen haben einen Lebenszyklus von einem Jahr. In der Regel sind die Weibchen alleine für ihren Nachwuchs verantwortlich. Sie suchen und bauen die Nistplätze und beschaffen für ihre Nachkommen einen Nahrungsvorrat. Wichtig dabei ist, dass Nistmöglichkeiten und Nahrungsangebot nah beieinander sind, da der überwiegende Teil der Wildbienen Kurzstreckenflieger sind. Das bedeutet, dass ein Großteil der Arten eine maximale Sammelflugdistanz zwischen 300 und 1500 m zurücklegt. Finden sich in diesem Umkreis nicht genügend Nahrungsquellen, können die Bienen ihren Nachwuchs nicht versorgen. Das alleinige Aufstellen von Nisthilfen reicht daher bei weitem nicht aus!

Was kann jeder von uns tun? Leider entsprechen die meisten handelsüblichen Nisthilfen nicht den Anforderungen der Wildbienen und werden daher nur bedingt bzw. nicht besiedelt. Am wichtigsten und sinnvollsten für die Förderung eines angemessenen Lebensraumes sind ein passendes Nahrungsangebot und die Verbesserung der natürlichen Nistgewohnheiten. Die natürlichen Nistplätze sind dabei oftmals Mangelware. Diese wären zum Beispiel: Spechtlöcher oder Käferfraßgänge in Totholz, markhaltige Pflanzenstängel, Holzstapel, Abbruchkanten (Sand und Lehm) sowie Trockenmauern aus Holz und Steinen. Eine einfache Nisthilfe, die wir Menschen hier zur Verfügung stellen können, sind markhaltige Pflanzenstängel (Brombeere, abgeblühte Königskerze, Wildrose, Sonnenblume und Beifuß), diese ca. 1 m lang, an den Enden glatt abschneiden und einzeln und aufrecht an einen sonnigen Platz binden z.B. am Zaun.

Etwa 75 % der Wildbienen nisten im Boden wie beispielsweise die Sandbiene. Sie benötigen kleine Sandflächen in einer sonnigen Ecke im Garten. Hierzu kann auch ein ausgedienter Sandkasten, eine Kiste bzw. ein großer frostfester Blumentopf umfunktioniert werden, der Sand sollte ungewaschen sein, eine mittlere Körnung besitzen und mit etwas Lehm angereichert sein. Andere bodennistende Wildbienen wie auch die Hummel bevorzugen leere Mäuseburgen aber auch andere Erdlöcher.

Da die verschiedenen Wildbienenarten zu unterschiedlichen Zeiten fliegen, sollten im Garten das ganze Jahr über blühende Pflanzen zu finden sein. Welche Pflanzen braucht ein wildbienenfreundlicher Garten eigentlich? Für die Wildbienen von Vorteil sind dabei ungefüllte Blüten. Im Folgenden möchten wir Ihnen nur einige der wichtigen Nahrungsquellen für Wildbienen nennen. 

Blumenbeet: Schafgarbe, Akelei, Lavendel, Lupine, Wilde Malve, Astern, ungefüllte Dahliensorten, Ringelblume, Kornblume, Duftnessel, Gänseblümchen, Veilchen, Blutweiderich, Natternkopf, Krokusse (als eine der ersten Blüten im Garten), Goldlack, Kapuzinerkresse, Verbene, Männertreu, Wandelröschen, Löwenmäulchen, 

Wildblumen: Brennnessel, Taubnessel, Gundermann, Wiesensalbei, Mädesüß, Gewöhnliche Wiesenschafgarbe, Nachtkerze, Wiesenkopf, Spitzwegerich, Hufeisenklee, Johanniskraut, Wildtulpe, Mohn, Rainfarn, Klee, Herzgespann, Löwenzahn

Bäume und Sträucher: Schlehe, Pfaffenhütchen, Stachelbeere, Himbeere, Brombeere, Efeu, ungefüllte Kletterrosen, Weide (Salix megapolis) Echte Mispel, Kulturapfel, Vogelbeere, Schwarzer Holunder, Kornelkirsche, Weißdorn, ältere Buchsbäume nicht beschneiden - eine wunderbare Nahrungsquelle für Wildbienen

Gemüsebeet: Ackerbohnen, Kürbisgewächse, Zwiebeln, Tomaten 

Blüten der folgenden Küchenkräuter: Salbei, Rosmarin, Lavendel, Dill, Schnittlauch, Minze, Zitronenmelisse, Borretsch, Bärlauch, Dost, Beinwell.

Das Pflanzen von einheimischen Gehölzen und Blumen vereinfacht das Gartenjahr, da diese mit den örtlichen Gegebenheiten meist gut zu recht kommen und nicht so pflegeintensiv sind wie Exoten.

Weiterführende Links:

https://www.naturgartenfreude.de – Informationen rund um den Naturgarten

https://www.nabu-rlp-sued.de/natur-im-garten/einheimische-pflanzen/Liste einheimischer Gartenpflanzen (NABU)


1 Vgl. David, Werner (2020), Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen, 5.Auflage, Darmstadt.

23. April 2021

Wie schützen wir Wildbienen?

 

Schlafende Männchen am Roggen, Sechsbindige Furchenbiene (Halictus sextinctus)
(Foto: pd/NABU)


von Anja Grabs 

Warum ist es wichtig Wildbienen zu schützen?
Wildbienen sind die wichtigste Tierart für das Überleben der Menschheit. Ohne Wildbienen gibt es nicht genug Bestäubung für unser Obst und Gemüse. Wir sind also indirekt vollkommen abhängig von Wildbienen. 

Was ist der genaue Unterschied zwischen Wildbienen und Honigbienen?
Wildbienen sind Wildtiere. Es gibt hunderte Arten, viele davon sind körperlich sehr klein und kaum zu erkennen. Zu den Wildbienen gehören auch Hummeln. Honigbienen werden hingegen von Imkern gehalten und sind Haustiere. Honigbienen schaffen es nicht ohne die Hilfe von Menschen in der Natur zu überleben. Sie sind auch nicht in der Lage, die Natur ausreichend zu bestäuben - dafür benötigen wir die wilden Arten.

Wie kann man Wildbienen helfen?
Das ist ganz einfach. Man mäht seine Rasenfläche nur noch einmal im Jahr, nach dem 1. September und räumt das Mähgut ab. Das Mähgut kann kompostiert werden oder man kann damit seine Hecken, Beete und Bäume mulchen.  So wird die Wiesenfläche jedes Jahr mehr abgemagert. Wildblumen benötigen einen nährstoffarmen Boden. Daher darf die Fläche auch nicht mehr gedüngt oder vertikutiert werden. Wichtig zu wissen ist, dass kein Saatgut eingebracht werden muss. Tiere und Wind bringen es alleine auf die Fläche. Zumal der Boden ohne unser Zutun dauerhaft voll mit Saatgut "geimpft" ist, das nur darauf wartet, aufgehen zu dürfen. Trampelpfade durch die Wiese machen sie noch erlebbarer und helfen den Wildbienenarten, die im Boden nisten - das sind ungefähr drei Viertel der Arten. Leere Schneckenhäuser nicht aus dem Garten wegräumen, sondern an Ort und Stelle einfach liegen lassen, auch diese werden für seltene Wildbienenarten zum Nisten genutzt. 

Wie wichtig sind sogenannte Insektenhotels?
Für den Artenschutz spielen sie überhaupt keine Rolle, da sie nur von häufigen Kulturfolgern, wie zum Beispiel Mauerbienen, besiedelt werden. Um Wildbienen zu schützen sind Blumenwiesen viel wichtiger. Insektenhotels eignen sich auf dem Balkon oder der Terrasse, an Schulen oder Kindergärten für die Naturbeobachtung und Umweltbildung, nicht aber um seltene Arten vor dem Aussterben zu bewahren. 

Wenn der Wildbienenschutz so wichtig ist, warum sehen wir keine Wildblumenwiesen in jedem Vorgarten? 
Der kurzgemähte Rasen gilt als Statussymbol eines Gärtners. Wer es schafft nach Feierabend oder am Wochenende mindestens einmal die Woche den Rasen zu mähen, der hat sein Leben im Griff, bei ihm ist alles in Ordnung. Eine bunte Wiese jedoch sieht chaotisch aus und viele fragen sich, warum hier nicht gemäht wird und warum das so unordentlich aussieht. Wer Hemmungen hat seinen Rasen wachsen zu lassen, kann hier mit einem Hinweisschild Abhilfe schaffen auf dem so etwas steht wie: "Hier blüht es für Wildbienen, Schmetterlinge & Co!" Es gehört manchmal ein bisschen Mut dazu, es so ganz anders zu machen, als die Nachbarn. Aber diejenigen werden dann auch mit Bienen und zahlreichen Schmetterlingen belohnt. 

21. April 2021

Warum die Wildschweinjagd als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest nicht wirkt - und Zäune eigentlich auch nicht

Aktuelle Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest.
Betroffene Länder, insbesondere Polen, haben die Wildschweinjagd mehr oder weniger intensiviert. Ohne Erfolg.
(Bild: FLI)

Herbst 2020 (Updates s. unten)
Die Afrikanische Schweinepest verbreitet sich mit Hilfe von Wildschweinen in einer Geschwindigkeit von 200 km pro Jahr. Demnach müsste sie im Landkreis Oder-Spree nächstes oder übernächstes Jahr aus Polen eindringen, wenn es keine Zäune zur Abwehr von Wildschweinen gäbe. Theoretisch.

Zäune
Der Landkreis Oder-Spree kontrolliert täglich 42 Kilometer lange Zäune, um Wildschweine aus Polen daran zu hindern in den Landkreis einzudringen. Diese Zäune sind eine gute ethische Lösung, um das Virus von Wildschweinen in Deutschland fernzuhalten.

Doch wie sicher sind diese Zäune? Schauen wir uns hierzu die Grenzübergänge an. Wenn nachts wenig Zugverkehr herrscht, schaffen es die Wildschweine über die Eisenbahnschienen nach Deutschland. Wildschweine aus Polen könnten den Weg somit in diese Richtungen wandern:

Tantow - Szczecin-Gumience
Küstrin-Kietz - Kostrzyn
Frankfurt (O) - Kunowice
Guben - Gubin
Forst - Zasieki

Schaffen es die Wildschweine nicht über die Schiene nach Deutschland, könnten sie dafür die Straße wählen. Dafür stehen ihnen zahlreiche Grenzübergänge alleine zwischen Brandenburg und Polen zur Verfügung:

Rosow
Mescherin 
Schwedt/Oder
Hohenwutzen
Küstrin/Kietz
Frankfurt Oder Stadtbrücke
Frankfurt Oder Autobahn
Neißemünde, Ortsteil Coschen, Grenzbrücke Neißewelle
Guben Stadtbrücke
Guben, Gubinchen
Forst
Forst Autobahn

Die Sinnhaftigkeit dieser Brücke aus EU-Geldern wurde heiß diskutiert: Die wenig befahrene Brücke von Coschen nach Polen. Auf deutscher Seite idyllisches Dorf. Auf polnischer Seite Natur. Ein bequemer Übergang für Wildschweine.
(Foto: Andreas Lippold)







Die Jagd auf gesunde Populationen, so wie sie im Landkreis Oder-Spree durchgeführt wird, ist unwirksam als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest. Dadurch werden die Ressourcen in vermeintlich wildschweinfreien Zonen freigegeben, die zu überdurchschnittlichen Vermehrungsraten führen. Solche Gebiete werden schneller von Wildschweinen neu besiedelt, als ein Jäger schießen kann. Um ein von der Afrikanischen Schweinepest betroffenes Gebiet vom Virus zu befreien, muss es für 190 Tage durchgehend wildschweinfrei bleiben. 
Um diese subjektive Ohnmacht zu überwinden, dass der Mensch nicht mehr mit der Jagd hinterherkommt, denkt man sich immer neue Jagdmethoden aus. Aktuell werden Lebendfallen im Landkreis als neuestes Mittel eingesetzt werden, um noch mehr Wildschweine zu töten. 

Warum die Wildschweinpopulation in den vergangenen Jahren so rasant gestiegen ist, hat mehrere Ursachen:

1. Im Jahr 2019 nahm der Maisanbau in Brandenburg um 7 % im Vergleich zum Vorjahr zu. Es wurden 228.600 ha Mais angebaut. Ich denke mehr muss man über dieses Lieblingsfutter von Schweinen überhaupt nicht sagen. Vielleicht noch eins: Im Mais finden die Wildschweine ideale Rückzugsorte. Sie sind dort für den Jäger fast unsichtbar. 

2. Die Jagd wird vor allem mit Hilfe von Kirrungen (Lockfütterungen) durchgeführt. Theoretisch dienen Kirrungen nur als Lockmittel. Praktisch fressen Jungtiere davon und werden dadurch ein ganzes Jahr zu früh geschlechtsreif. Daher entsteht der Teufelskreis: vermehrte Jagd - vermehrte Kirrungen - verfrühte Geschlechtsreife - höhere Wildschweinvorkommen.

3. Wird durch die Jagd ein Revier frei, reagieren Wildschweine mit erhöhter Fruchtbarkeit. Sie bringen dann mehr Jungtiere zur Welt. Ein weiterer Teufelskreis entsteht: freie Reviere - erhöhte Fruchtbarkeit - mehr Jungtiere - höhere Wildschweinvorkommen.

4. Klimawandel: Durch die immer häufiger aussetzenden und milder werdenden Winter, erhalten Wildschweine optimale Nahrungs- und Deckungsmöglichkeiten. Eichen- und Buchenmastjahre treten klimabedingt immer häufiger auf. 

Die Liste könnte man hier noch viel weiter fortführen. Fakt ist, dass sich aktuell Wildschweine, aufgrund der menschengemachten Bedingungen, optimal ausbreiten können. Ein Ende der Ausbreitung ist derzeit nicht in Sicht. Subjektiv wird das aktuelle Vorkommen von Wildschweinen zumeist als zu hoch eingestuft. Die Landwirte klagen über Ernteausfälle. Gärtner über umgegrabene Gemüsebeete. 

Muss der Jäger die Wildschweinpopulation eindämmen?
Ganz klar: Nein! Die Natur reguliert sich von selbst. Wenn der Jäger nicht eingreift, wird es zu einer natürlichen Regulierung kommen. Die Anzahl der Wildschweine wird sinken, wenn sinnvolle präventive Maßnahmen stattfinden. 

Aktuelle präventive Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Wildschweinen:

1. Jagd. (seit Jahrzehnten ohne Erfolg)

2. Zäune an der Grenze zu Polen. (ohne Erfolg)

Als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest im Landkreis Oder-Spree sind stattdessen folgende Maßnahmen sinnvoll:


- die Jagd muss auf ein absolutes Minimum reduziert werden, um gesunde Populationen zu erhalten, die durch den fehlenden Jagddruck an weniger Stress leiden und somit ein gutes Immunsystem aufbauen können. Grundsätzlich gilt, das Überlebende von Seuchen den genetischen Widerstand gegen ein Virus erhöhen. Durch ein geschwächtes Immunsystem jedoch, können sich die Tiere leichter infizieren. 

- Kirrungen sind im Landkreis komplett einzustellen oder zumindest nur auf einer Höhe von 70cm vorzunehmen (Bachentisch), so dass Frischlinge keinen Zugang dazu haben.

- Tests: bei Fall- und Unfallwild

- Aufklärung: Aufklärungsmaterial zum Thema: "Entsorgung von Schweinefleisch" für den Download im Online-Bereich des Landes und der Landkreise. 

- Aufklärende Beschilderung an Autobahnparkplätzen, damit Wildschweine nicht an infizierte Essensreste gelangen

- Elektrozäune beim Maisanbau

- Risikoampel der Universität Vechta: Regelmäßige Werbung bei Schweine-Betrieben dieses Hilfsmittel zu nutzen, um präventiv arbeiten zu können.

- Förderung der natürlichen Fressfeinde in Deutschland:
Wolf
Fuchs
Uhu
Wildkatze
Luchs

Impfstoff
Aktuell liefern sich einige Länder, darunter vor allem China und die USA ein Kopf-an-Kopf Rennen in der Impfstoffforschung. Erste Erfolge können in der Forschung zur Kenntnis genommen werden. Bis es zu einem kommerziellen Impfstoff kommt, werden noch einige Jahre vergehen. 

Zum Weiterlesen
Eine weiteres Epidemiethema, zu dem ich ein Buch veröffentlicht habe:
Der Fuchsbandwurm in Deutschland und wie wir ihn ausrotten können von Anja Grabs

Pressebericht vom 27.04.2020
MOZ: Oder-Spree setzt auf Lebendfallen zur Wildschweinjagd

Update am 5. Mai 2020
Bei Ratzdorf sind Wildschweinrotten unterwegs. Zwischen Kraftwerk und Mülldeponie in Fürstenberg, kommen Wildschweine über die Oder. Fürstenberg ist nicht eingezäunt in Richtung Oder. Dort wird aktuell mit Vergrämung gearbeitet. 

Update am 9. September 2020
Der 1. Fall der Afrikanischen Schweinepest wurde im Landkreis Spree-Neiße festgestellt. Am 10. September 2020 wird der Landkreis Oder-Spree eine Krisensitzung halten.

Update am 21. April 2021
Die ASP existiert im Landkreis Oder-Spree seit 224 Tagen. Es wurden 528 Ausbrüche im Landkreis amtlich bestätigt. 230 Quadratkilometer wurden in vier Gebieten eingezäunt. Im Land Brandenburg gelten 2.400 Quadratkilometer als gefährdetes Gebiet. 2021 wurden 32 Mio. Euro im Haushalt des Landes für Zäune und Unterstützung der betroffenen Landwirte eingestellt. Im Landkreis Oder-Spree gibt es 99 Schweinehalter mit 27.700 Tieren. Das Veterinäramt im Kreis Oder-Spree zeigt sich optimistisch und hofft auf eine Stagnation der Ausbreitung mit Hilfe von Zäunen, Jagd und Fallwildsuche. 

9. April 2021

Erneut Heckenrodungen während der Brutzeit am OSZ Palmnicken

Keine fachgerechten Gehölzschnitte am OSZ Palmnicken
(Foto: E. Goldmund)

FÜRSTENWALDE - Schon wieder wurden Hecken inmitten der Brutschutzzeit am Campus Palmnicken nahe Fürstenwalde gerodet. Die Kreistagsfraktion fordert Aufklärung.

Wie schon im vergangenen Mai, wurden auch dieses Jahr, am 25. März, Hecken rund um den Schulcampus Palmnicken gerodet. Während der Brutzeit sind solche Rodungen laut Paragraph 39 des brandenburgischen Naturschutzgesetzes illegal.

Große alte Fliederhecken wurden runtergeschnitten, wodurch vom ursprünglichen kleinen Waldstück nicht mehr viel übriggeblieben ist. Schon seit mehreren Jahren wurden Ulme, Haselnuss und Kornelkirsche gefällt. Aus dem ehemaligen Waldstück mit Artenvielfalt ist nun eine Art englischer Park geworden. Der Vogel- und Artenschutz wurde hier mit Füßen getreten.

Schon im vergangenen Jahr gab es zu diesem Thema einen gemeinsamen Dialog zwischen der grünen Stadtfraktion in Fürstenwalde, der grünen Kreistagsfraktion und der Kreisverwaltung. Man gab sich damals einsichtig, einen Fehler begangen zu haben. Leider entsprechen die damals zugesagten Kompensationsmaßnahmen nicht dem, was nötig gewesen wäre, wie zum Beispiel Fledermausnistkästen bzw. Möglichkeiten zum Vögelbrüten.

Es gab ein Einvernehmen, den grünen Schutzstreifen in Ruhe zu lassen. Trotzdem sind dieses Jahr alle Hecken erneut radikal runter geschnitten worden.

In einer Kleinen Anfrage hat Fraktionschefin Anja Grabs nun die Verwaltung um eine Aufklärung der Vorgehensweise gebeten. Außerdem hat sie vorgeschlagen, die Rasenflächen auf dem Schulcampus nur noch einmal im Jahr zu mähen. Der Rasenschnitt könnte kompostiert oder zur nächsten Biogasanlage gebracht werden. Grabs: „Durch das Abräumen der Mahd wird der Boden jedes Jahr mehr und mehr abgemagert, so dass mittelfristig eine hohe Artenvielfalt an Wiesenblumen erreicht werden kann. Ein Ausbringen von Saatgut ist nicht notwendig. Allein aus ökonomischer Sicht ist dieses Vorhaben dringend anzuraten.“

Laut Grabs wurden in den vergangenen Jahren wiederholt riesige Flächen mit großem Einsatz von Personal, Ressourcen und Lärmverursachung andauernd gemäht. Grabs: „In Anbetracht der schwindenden Artenvielfalt, vor allem im Hinblick auf Wildbienen, machen diese andauernden Mäharbeiten, in der heutigen Zeit, überhaupt keinen Sinn. Der Campus Palmnicken könnte sogar zum Vorzeigeobjekt werden, wenn man sich hier auf den Wildbienenschutz konzentrieren würde.“

In einer Reaktion auf die Anfrage der grünen Fraktion antwortete Sascha Gehm, erster Beigeordneter des Landkreises, dass es laut Gesetz zwar verboten ist, bestimmte Bäume, und Hecken während der Brutzeit abzuschneiden oder zu beseitigen. Gehm: „Zulässig sind dagegen schonende Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.“

Gehm meldete aber auch, dass die Beschwerde der bündnisgrünen Fraktion an die Untere Naturschutzbehörde übergeben wurde, „um zu untersuchen, um welche Art Schnitte es sich handelte“. Gehm: „Aus den mir vorliegenden Fotos ist zu ersehen, dass die sehr lichten Büsche noch keine Blätter trugen; Nester von Vögeln o.ä. also zu sehen gewesen wären. Aufgrund dessen wird die Fläche zeitnah durch Mitarbeiter der UNB begangen, um den Sachverhalt zu ermitteln.“

Gehm sicherte außerdem zu, den Vorschlag der Fraktion zur Grünflächenpflege prüfen zu lassen. Ausgehend von einer Initiative von Schülerinnen und Schülern des OSZ soll die Gestaltung und Pflege der Grünflächen auf dem Campus insgesamt nachhaltiger gestaltet werden.


15. März 2021

Geplante Bebauung des Kirchenackers in Neu Zittau: Pro und Contra

Brandenburg steht besonders schlecht da, in der Einhaltung der Nationalen Biodiversitätsstrategie. Geschützte Waldfläche in den Bundesländern
(Grafik: Naturwald Akademie)

Am 15. März 2021 fand eine Videokonferenz zu dem Thema "Geplante Bebauung des Kirchenackers in Neu Zittau: Pro und Contra" statt. Teilgenommen haben vier Gemeindevertreter*innen sowie einige Bürger*innen aus Gosen-Neu Zittau. Die Pro und Contraliste wurde während der Konferenz gemeinsam ausgearbeitet und sieht folgendermaßen aus:

Pro:
- nächster Wald ist nicht weit entfernt (strittig, ob dies ein Pro ist)
- Erschließung ist leicht umzusetzen
- sozialer Wohnungsbau möglich?
- Arztpraxis
- altersgerechtes Wohnen

Contra:
- Fläche dient als Naherholungsgebiet
- Fläche liegt am größten Naturschutzgebiet von Berlin (NSG Gosener Wiesen)
- Artenvielfalt würde verloren gehen
- es handelt sich um eine der letzten freien Flächen in Neu Zittau
- Kindergarten nutzt den Wald für Umweltbildung
- Trinkwasserschutzgebiet
- Emissionsschutz: Wald dient als CO2 Speicher (Neu Zittau ist stark feinstaubbelastet)
- Lebensqualität geht verloren
- aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sagen: Jeder Wald muss dringend erhalten werden, besonders im Land Brandenburg
- Verkehr wird zunehmen (Neu Zittau hat bereits eine hohe Verkehrsbelastung)--> Infrastruktur ist nicht vorhanden
- Wald dient als Windschutz und wurde ursprünglich aus diesem Grund gepflanzt
- Bebauung ist nicht nachhaltig: Zersiedelung im Außenbereich
- Dorfcharakter in Gefahr

Sonstiges:
- es wurden bisher ca. 700 Unterschriften gegen das Bauprojekt gesammelt (Stand: 15.03.2021) Unterschriftenlisten sollen im nächsten Ausschuss für Bauen/Umwelt/Verkehr übergeben werden

Termine:
- der nächste Ortsbeirat in Neu Zittau widmet sich diesem Thema. Er findet am 13. April 2021 um 19 Uhr statt, Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen
- Infos zu den kommenden Videokonferenzen zum Thema "Natur- und Umweltschutz in Gosen-Neu Zittau" findet man: HIER



14. März 2021

Gosen-Neu Zittau investiert in Baumschutz

Am 13. Mai 2020 hat die Gemeinde Gosen-Neu Zittau, aufgrund der Initiative von Anja Grabs (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), 12.000 Euro für Baumpflanzungen in den Haushalt des laufenden Jahres gestellt. "Dies ist die höchste Summe aller Zeiten, die von der Gemeinde Gosen-Neu Zittau, in Baumpflanzungen innerhalb eines Jahres investiert wird. Damit können wir den Alleenschutz, zum Beispiel in der Eichwalder Straße in Gosen, voran treiben. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.", freute sich Gemeindevertreterin Anja Grabs.

Ideen für Standorte und einheimischen Baumarten für Neupflanzungen in der gesamten Gemeinde Gosen-Neu Zittau, können jederzeit an kontakt@anja-grabs.de gesendet werden. Ideen der Bürgerinnen und Bürger werden gerne berücksichtigt.

Update Anfang des Jahres 2021:
Ich wurde weder bei der Auswahl der Baumarten, noch bei der Auswahl der Pflanzstandorte beteiligt. Das Budget wurde nur zur Hälfte ausgeschöpft, so dass lediglich 15 Bäume gepflanzt werden konnten. Zahlreiche Gemeindevertreter argumentieren damit, dass es grundsätzlich gut ist, Geld im Haushalt einzusparen. Das sehe ich genauso: bei Bauprojekten. Geht es aber um eine Weiterentwicklung des Ortes im Baumschutz, liegen wir so viele Jahre hinterher, dass wir dementsprechende Budgets auch ausschöpfen sollten. In dem Vorschlag für den Haushalt 2021 stehen nun 6.000 Euro (für ca. 20 Bäume) drin. Ich werde im Umweltausschuss 10.000 Euro beantragen und hoffe auf eine ordentliche Beteiligung. 

Update Juli 2021:
Die Gemeindevertretung ist mehrheitlich gegen die Bereitstellung der o.g. 10.000 Euro. Daher wurden wieder 6.000 Euro in den Haushalt gestellt, was ca. 15 bis 20 Bäumen entspricht. Dies sind immerhin  mehr als dreimal so viel Bäume wie jährlich vor meinem Beitritt in die Gemeindevertretung gepflanzt wurden. 





11. März 2021

Notschlachtung im Gut Hirschaue muss dringend verhindert werden

Durch die Schlachtanordnung im Gut Hirschaue wird eine Massentierhaltung, wie auf diesem Foto weiter gefördert. Ein Armutszeugnis im Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest.
(Foto: Baileynorwoodrocks)

 

„Massentierhaltung wird im Landkreis Oder-Spree groß geschrieben. Fast 30.000 Schweine leben hier. Das hat mit Landwirtschaft überhaupt nichts mehr zu tun, das ist Agrarindustrie.“, so äußert sich Anja Grabs, als bündnisgrüne Fraktionsvorsitzende im Kreistag Oder-Spree. Umso wichtiger gilt, dass Biobetriebe mit ihrer artgerechten Tierhaltung gefördert werden, um langfristig gesundes und qualitativ hochwertiges Fleisch von Tieren zu erzeugen, die nicht unter katastrophalen Bedingungen leben müssen. Das Gut Hirschaue in Birkholz ist eines dieser Biobetriebe, welches sich vorbildlich auf die Prävention der Afrikanischen Schweinepest vorbereitet hat. Ein Ausbreiten der Krankheit auf diesen Betrieb, wird durch zahlreiche Maßnahmen unmöglich gemacht. Zudem stehen die Tiere unter einer ständigen Kontrolle, so dass die Seuche auch zukünftig keine Chance hat, sich hier auszubreiten und im schlimmsten Fall als verseuchtes Fleisch vermarktet zu werden. Nebenbei bemerkt ist die Afrikanische Schweinepest für den Menschen ungefährlich.

Im Land Brandenburg hat man sich auf zwei Methoden konzentriert, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. 1. Durch die Aufstellung von Zäunen und 2. Durch die präventive Jagd. Beide Methoden eignen sich nicht, um die Ausbreitung zu verhindern, sie werden die Verbreitung höchstens verlangsamen. Denn eines ist sicher: Die Afrikanische Schweinepest wird sich über das gesamte Bundesgebiet ausbreiten.

Umso wichtiger ist es jetzt zu überlegen, wie wir damit umgehen werden. Eine Ausrottung des gesamten Wildschweinbestandes in der Bundesrepublik, ist nicht nur gesetzeswidrig sondern auch aus ethischen Gründen nicht vertretbar. Wenn also eines absolut klar ist: Dass sich die Afrikanische Schweinepest im ganzen Land ausbreiten wird, dann müssen wir sofort überlegen, wie wir damit umgehen werden. Durch Präventionsmethoden können sich Biobetriebe sicher vor der Krankheit schützen, auch wenn sie sich inmitten von Restriktionszonen befinden. Daher ist es jetzt von großer Bedeutung, dass die Schweine im Gut Hirschaue weiterhin in Freilandhaltung leben dürfen. Ist dies nicht der Fall, droht allen Bio-Schweinebetrieben in Deutschland nicht nur die Notschlachtung, sondern auch für Jungbauern wird diese Art der Haltung so unattraktiv gemacht, dass wir in Deutschland weiterhin Biofleisch importieren müssen, weil es hier nicht gelingt, optimale Bedingungen für Biobetriebe zu schaffen. Das wäre ein großes Armutszeugnis für eine zukunftsfähige Landwirtschaft in der Bundesrepublik.

 

Update am 11. März 2021

Eine Notschlachtung  ist jetzt angeordnet. Der Biobetrieb wird gerichtlich gegen die Schlacht-Anordnung vorgehen.

Wer diese Anordnung erteilt hat, hat die Art der Ausbreitung nicht verstanden: Die Afrikanische Schweinepest verbreitet sich NICHT über die Luft (wie z.B. bei der Vogelgrippe) sondern über Exkremente von Wildschweinen am Boden, die man leicht vom eigenen Hof fernhalten kann.


Quelle:

Schweinehaltung: Bestand im Landkreis Oder-Spree 2019

1. März 2021

Berlin: Unter den Linden erhält neue Bäume

 

Unter den Linden, um 1900

Unter den Linden 2021. Linke Seite ist bepflanzt, die rechte Seite nicht.
(Foto: Anja Grabs)


Unter den Linden 2021. Unbepflanzter Rasenstreifen
(Foto: Anja Grabs)





Unter den Linden ist eine Prachtstraße in Berlin und gleichzeitig die berühmteste Allee in der Hauptstadt. Doch wo man gerne Unter den Linden flanieren möchte, findet man teilweise nur Straßenlaternen vor. Im Jahr 2012 wurden für den Bau einer U-Bahnlinie 54 Bäume gefällt. Heute, elf Jahre später, ist von Ersatzpflanzungen nichts zu sehen. Während die ersten 500m vor dem Brandenburger Tor lückenlos bepflanzt sind, sind die nächsten 500m entweder lückenhaft oder nur auf einer Seite bepflanzt. Die Bäume auf der einen Seite sind keine Allee mehr, sondern höchstens eine Baumreihe. Der größte Anziehungspunkt für Touristen in der Hauptstadt, holt somit nicht das meiste aus seinen Grünflächen heraus. 

Ich habe beim Bezirksamt nachgefragt und es gibt Hoffnung: Im Frühjahr werden im Bereich des Hotel Adlon`s Probepflanzungen durchgeführt, der Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert. Als Baumart wird nicht nur aus historischen Gründen die Silberlinde verwendet - sie eignet sich auch weiterhin in Zeiten des Klimawandels. Ab 2022 soll die Mittelpromenade in mehreren Bauabschnitten neu bepflanzt werden.